Nik Sentenza (links) und Johannes Kizler planen den Spielfilm „Der Mann aus Somalia“. Foto: Nik Sentenza und Johannes Kizler

Ein Film über ein brisantes Thema – und ein Projekt, das ohne Unterstützung nicht funktionieren kann: Zwei Fellbacher setzen auf Hilfe aus der Region und eine Crowdfunding-Kampagne.

Der geflüchtete Somalier Cusmaan Akbar Al-Shaarin strandet in einem Dorf im deutschen Hinterland. Er fängt als Koch in einem Gasthof an, lernt die Tochter der Wirtsleute kennen und verliebt sich in sie. Doch trotz des neuen Lebensgefühls bleibt seine Angst vor Diskriminierung und Gewalt. Als eine Gruppe Neonazis aus dem Nachbardorf zunehmend gegen ihn hetzt, gerät die Situation immer weiter außer Kontrolle.

 

Als ihm die Flucht in die nahegelegenen Wälder gelingt, fällt der Startschuss zu einer gnadenlosen Hetzjagd durch die Wildnis. Doch die Neonazis unterschätzen ihren Gegner: Denn Cusmaan stammt aus einem Land, indem seit 30 Jahren Krieg herrscht – und er hat gelernt, wie man überlebt.

Spielfilm über Rechtsextremismus und Ausgrenzung

Die Brüder Nik Sentenza und Johannes Kizler aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) arbeiten seit rund vier Jahren am Drehbuch ihres Spielfilms „Der Mann aus Somalia“, der in ihrer Heimatstadt unterm Kappelberg gedreht werden soll. Die Grundidee begleitet Sentenza allerdings schon deutlich länger. Inspiriert wurde er vom ersten „Rambo“-Film und der Geschichte des Außenseiters, der sich gegen Gewalt und Ausgrenzung behaupten muss. Diese Grundidee wollte er auf die heutige Situation in Deutschland übertragen.

Immer wieder sprach er mit seinem Bruder darüber – bis beide schließlich beschlossen, die Idee gemeinsam auszuarbeiten. „Die Erstarkung der AfD und die ganze politische Situation hier in Deutschland hat bestimmt auch dazu beigetragen“, erzählt Johannes Kizler.

In dem Film geht es um einen Flüchtling, der sich Rechtsextremen entgegenstellen muss (Illustration). Foto: Nik Sentenza und Johannes Kizler

Der Film greift ein hochaktuelles Thema auf: Im Mittelpunkt steht ein Flüchtling, der als Fremder in Deutschland ankommt, sich Rechtsextremen entgegenstellen muss und sein Recht auf eine neue Heimat einfordert. Gleichzeitig erinnert die Handlung an einen klassischen Western: Ein Fremder kommt in ein Dorf, wird angefeindet und wehrt sich.

Die Brüder hinter dem Filmprojekt

Nik Sentenza und Johannes Kizler sind in Fellbach geboren und aufgewachsen. Schon als Kinder begeisterten sich die beiden für Filme und das Kino – und drehten mit der Super-8-Kamera ihres Vaters eigene Szenen. Nach dem Abitur zog Sentenza nach Köln, um beim Film zu arbeiten. „Stuttgart ist nicht gerade die Filmhochburg in Deutschland“, erklärt er. Parallel realisierte er damals schon als Autor und Regisseur eigene Filme – bis jetzt.

Heute lebt der 47-Jährige in Berlin. Seinen Lebensunterhalt verdient er vor allem mit sogenannten Showreels für Schauspieler. Dafür konzipiert und produziert er kurze Spielszenen, mit denen sich die Darsteller ihren Rollen entsprechend präsentieren können.

Kizler hat an der Filmakademie in Ludwigsburg Regie im Bereich Werbung und Drehbuch studiert. Auch ihn zog es nach Berlin, bevor er auf der Suche nach etwas mehr Ruhe vor rund drei Jahren nach Fellbach zurückkehrte. Heute ist der 42-Jährige als freiberuflicher Autor, Werbe-Konzepter, Regisseur und Producer tätig. Gemeinsam entwickeln die Brüder unter dem Label B-UNIT Spielfilm- und Serienkonzepte.

Ihre Zusammenarbeit beschreiben die Brüder als eine Art kreatives Pingpong-Spiel. Beim Schreiben des Drehbuchs überprüfen und ergänzen sie sich gegenseitig, streichen Szenen, kürzen Dialoge und schärfen die Charaktere von Figuren. „Man kann sich alles sagen und versteht sich oft ohne viele Worte“, meint Kizler.

Viel Zuspruch – aber keine finanzielle Förderung

Mit dem Drehbuch von „Der Mann aus Somalia“ stoßen die beiden auf viel Zuspruch. Besonders die Rückmeldungen aus der schwarzen Community haben sie bestärkt. „Die Leute, die das betrifft, die wünschen sich den Film“, sagt Kizler. Laut den Brüdern gibt es bereits einen prominenten Cast, der den Film gerne umsetzen würde. Außerdem haben sich schon erste Teammitglieder bei ihnen beworben, obwohl die Finanzierung bisher noch nicht steht.

Gleichzeitig ist das Projekt bei klassischen Geldgebern bislang nicht durchgekommen. Nach Angaben der Brüder zeigte ein Redakteur des ZDF schnell Interesse an dem Projekt. Letztlich erhielten sie dort, wie auch von weiteren Sendern und Förderstellen, aber nur Absagen. Die Filmemacher vermuten, dass die Kontroverse des Themas dabei eine Rolle gespielt hat.

Crowdfunding für den Dreh in Fellbach und Umgebung

Aus diesem Grund wollen sie den Film nun unabhängig realisieren. Gedreht werden soll diesen Sommer – in Fellbach und Umgebung, ohne die Handlung klar zu verorten. „Wir wollen parabelartig erzählen, dass das irgendwo in Deutschland ist“, erklärt Nik Sentenza. Ortskundige dürften die Schauplätze dennoch erkennen.

Für den Ort haben sie sich nicht nur aufgrund der passenden Landschaft mit der Schwäbischen Alb vor der Tür entschieden. Auch die Nähe zur Heimat spielt für sie eine wichtige Rolle. Denn hier können die Brüder auf die Unterstützung aus ihrem direkten Umfeld hoffen – ein wichtiger Faktor, um ihren Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget umzusetzen.

Denn statt eines üblichen Budgets von bis zu zwei Millionen Euro planen sie mit rund 100.000 Euro. Dieses Geld soll vor allem in das Personal, die Unterbringung und Verpflegung fließen. Um das Budget zusammenzubekommen, haben die Brüder eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Schon ihr früheres Buchprojekt „Struwwelpeter – Die Abrechnung“ konnten sie auf diesem Weg finanzieren.

„Der Gedanke dahinter ist, dass viele Menschen uns mit kleinen Beträgen helfen, den Film möglich zu machen“, erklärt Nik Sentenza. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann über die digitale Plattform Startnext etwas spenden . Die Aktion läuft bereits seit einigen Wochen und soll noch bis Anfang Juli fortgesetzt werden. Bislang ist schon ein kleiner Teil der Summe zusammengekommen, das Ziel bleibt aber ambitioniert.

Das Projekt auf einen Blick

  • Film: „Der Mann aus Somalia“
  • Genre: Moderner Western
  • Thema: Flucht, Ausgrenzung und Rechtsextremismus in Deutschland
  • Filmemacher: Die Fellbacher Brüder Nik Sentenza und Johannes Kizler
  • Drehorte: Fellbach und Umgebung
  • Geplanter Dreh: Sommer 2026
  • Finanzierung: Crowdfunding über die Plattform Startnext
  • Website: https://www.der-mann-aus-somalia.de/der-film/

Die Brüder hoffen auf Unterstützung aus der Region

Neben finanzieller Unterstützung hoffen die Brüder auch auf weitere Hilfe aus der Region. Gesucht werden unter anderem Drehorte, Komparsen und Helfer am Set. „Alles, was irgendwie unterstützt, hilft“, sagt Kizler. Das könnten auch ganz praktische Dinge sein – etwa übrig gebliebene Brötchen vom Bäcker. Wer sich einbringen möchte, kann über die Website direkt mit den Brüdern Kontakt aufnehmen.

Sollte es Nik Sentenza und Johannes Kizler gelingen, den Film zu realisieren, hoffen sie darauf, diesen bei Festivals zu zeigen und anschließend einen Verleih zu finden, der ihn ins Kino bringt. Danach könnte der Film auch bei Streamingdiensten oder in Mediatheken landen. „Wenn wir den Film fertigstellen können, bin ich überzeugt davon, dass er auch gesehen wird. Es ist einfach eine gute Story“, sagt Sentenza.