Zwischen Schweinestall und Weinberg gedeiht so ziemlich alles, was zwischen Liebelei und Leichenschändung denkbar ist Foto: Verleih

Vor dem Metropol-Kino wird der rote Teppich ausgerollt. Anlass ist die Premiere für die schwäbische Komödie „Die Kirche bleibt im Dorf“.

S-Mitte - Wer als Premierentermin „Auguscht“ angibt, erzwingt die schwäbische Verniedlichungsform geradezu: Also wird an diesem Mittwoch, 22. August, ein rotes Teppichle für ein Filmle ausgerollt. Irgendwie passend dazu ist die Volksbank Stuttgart Veranstalterin jener Premiere, noch passender, weil „die schwäbische Komödie zu uns passt“. So sagt es Nicole Stadach, die Pressesprecherin der Bank. Ansonsten „veranstalten wir Filmpremieren nicht so oft“. Schließlich gemahnt des Schwaben Seele, mit des Sparers Geld keine Partys zu feiern.

Ungeachtet dessen wird tatsächlich der rote Teppich vor dem Metropol-Kino ausgerollt und an der Bolzstraße Hollywoodle geübt. Abgesehen von ausschließlich geladenen Gästen kommt die Filmcrew samt der Hauptdarsteller. Deren Namen und Gesichter sind Fernsehzuschauern bekannt: Natalia Wörner zum Beispiel oder Christian Pätzold und – im Ländle selbstverständlich – der ehemalige Tatortkommissar Bienzle, der als Dietz-Werner Steck im Asemwald lebt. Aufsehenerregender könnte das Erscheinen von Gary Smith werden. Zwar kennt ihn in Deutschland mit Sicherheit niemand, aber engagiert wurde er, weil er als Doppelgänger von Robert Redford auftritt. Redford selbst hatte abgesagt.

Robert Redford hat abgesagt

Abgesehen davon, dass sein Engagement mit Sicherheit das Budget gesprengt hätte, passt ein Film namens „Die Kirche bleibt im Dorf“ nicht recht in seine Filmografie. Es ist der erste Kinofilm der Regisseurin Ulrike Grote, die als Theaterschauspielerin begann, mehr und mehr zum Fernsehen wechselte, schließlich Regie studierte und ihre eigene Produktionsfirma gründete, die Fortune Cookie. Dieser sichert die Geschichte vom Dorfstreit um eine Kirche ein einkömmliches Geschäft. Den Verantwortlichen des SWR gefiel sie so sehr, dass dem Kinofilm eine zwölfteilige Fernsehserie folgen wird. Die Ausstrahlung soll im nächsten Jahr beginnen.

Film wie Serie zu folgen, dürfte Nicht-Schwaben eine intellektuelle Herausforderung sein, denn so gut wie alle Darsteller stammen aus dem Ländle und schwäbeln munter drauflos – selbstverständlich gewollt. Die Öffentlichkeitsarbeiter für die Filmproduktion fühlten sich sogar genötigt, Teile ihrer Pressemitteilung vom Schwäbischen ins Hochdeutsche zu übersetzen. Sprachliche Missverständnisse gehören übrigens auch zur Handlung des Films.

In diesem streiten die Bewohner zweier verfeindeter Nachbardörfer, weil ein Amerikaner die gemeinsame Kirche kaufen will. Die einen Dörfler lockt das Geld, die anderen wollen auf keinen Fall verkaufen, nicht aus religiösen Gründen, sondern aus Aberglauben: auf der Kirche lastet ein Fluch. Auf dem so bestellten Acker gedeiht zwischen Schweinestall und Weinberg so ziemlich alles, was zwischen Liebelei und Leichenschändung denkbar ist.

Auch in einer schwäbischen Komödie dürften die Dörfer anders heißen als Ober- und Unterriesling und die Haupthandelnden anders Häberle. Zumal derlei sprachliche Plattheit der Produktion nicht gerecht wird. Gemessen an den bisher veröffentlichten Ausschnitten ist die Geschichte um den Dörflesstreit unterhaltsam und deutlich professioneller produziert als vieles, was die Fernsehsender ihren Zuschauern zumuten – gleich ob aus schwäbischer, gesamtdeutscher oder amerikanischer Produktion. Fürs allgemeine Publikum kommt der Film am Donnerstag in die Kinos.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: