Filmkritik: „Urmila – Für die Freiheit“ Verraten und verkauft

Von Mathias Ellwanger 

Urmila Chaudhary will Frauen und Mädchen aus der Sklaverei helfen. Foto: Susan Gluth
Urmila Chaudhary will Frauen und Mädchen aus der Sklaverei helfen. Foto: Susan Gluth

Dieser bewegende Dokumentarfilm zeigt den Kampf für Frauenrechte in Nepal. Die ehemalige Kindersklavin Urmila Chaudhary hilft Leidensgenossinnen in die Freiheit.

Stuttgart - Sechs Jahre alt war Urmila Chaudhary, als ihr Bruder sie verkaufte. Ihre Eltern, selbst Leibeigene, hatten Schulden, der Vater war krank. Elf Jahre musste sie fortan als Haussklavin dienen und dabei Erniedrigung, Gewalt und Missbrauch über sich ergehen lassen. Eine Schule hat sie nie besucht. Nach ihrer Befreiung wurde die Nepalesin zur Kämpferin gegen die Sklaverei. Ihr Traum: Den Schulabschluss nachzuholen, um Anwältin werden. Susan Gluths Dokumentarfilm hat sie bei ihrem Kampf drei Jahre lang begleitet.

Die deutsche Filmemacherin begleitet Urmila bei ihrer Arbeit für die Befreiungsorganisation FKDF, bei Demonstrationen, die in Polizeigewalt enden, bei Terminen mit dem Premierminister oder bei der Befreiung einer jungen Sklavin. Sie zeigt aber auch den Alltag der Nepalesin: wie sie die Schule besucht, an Prüfungen scheitert, mit ihren Eltern redet. Ganz bewusst thematisiert Gluth nur am Rande die traumatische Vergangenheit. Wenn die befreiten Mädchen in Theaterstücken nachspielen, was ihnen geschehen ist, lässt sich genug erahnen.

Verzicht auf Kommentare

„Urmila“ ist das Porträt einer schönen, starken und doch innerlich zerrissenen Frau, die aus ihrer schlimmen Kindheit erstaunlich viel Kraft gerettet hat. Gluth gelingt es dabei, ganz nah an die Protagonistin heranzukommen. Mit ruhigen, intimen Kameraeinstellungen begleitet sie Urmila, ohne sie zu inszenieren. Gluth verzichtet auf Einordnung, Kommentar oder Kritik. In den knapp anderthalb Stunden gibt es kein einziges Interview, keine erklärende Stimme aus dem Off. Welche Dimension die Sklaverei in Nepal überhaupt hat, ob es eine Rolle spielt, dass Urmila der Minderheit der Tharu angehört und was aus dem befreiten Mädchen vom Anfang des Films geworden ist, erfährt der Zuschauer leider nicht. Ein kleiner Wermutstropfen bei dieser ansonsten sehr bewegenden Dokumentation.

Urmila – Für die Freiheit. Deutschland 2016. Regie: Susan Gluth. Dokumentarfilm. 87 Minuten. Keine Altersbeschränkung.

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