Filmkritik: „Sing Street“ Durch Musik zur Liebe

Von Wolfram Hannemann 

Conor (Ferdia Walsh-Peelo, 3. v.l.) gründet in den Achtzigern eine Band – und die VHS-Kamera (ganz rechts) hält das fest. Foto: Studiocanal
Conor (Ferdia Walsh-Peelo, 3. v.l.) gründet in den Achtzigern eine Band – und die VHS-Kamera (ganz rechts) hält das fest. Foto: Studiocanal

In John Carneys Filmen wie „Once“ wird immer viel Musik gemacht. In „Sing Street“ hat das ein klassisches Motiv: ein Junge will ein Mädchen umgarnen. Ob eine Band-Gründung das richtige Mittel ist?

Stuttgart - Um das 16-jährige Model Raphina zu erobern, wagt der etwas jüngere, in der Schule stets gemobbte Conor wirklich alles: er gründet eine Band, nur um Raphina für einen Musikclip-Dreh zu gewinnen. Mit „Sing Street“ kehrt der irische Filmemacher John Carney wieder zu seinen Wurzeln zurück. Waren es in „Once“ (2007) und „Can a Song Save Your Life“ noch Erwachsene, die durch die Musik zueinander fanden, so sind es jetzt Teenager vorm Hintergrund des von einer Rezession schwer gebeutelten Dublin des Jahres 1985.

Ein sympathisches Traumpaar (Ferdia Walsh-Peelo und Lucy Boynton), liebevoll gezeichnete Exoten und Spießer sowie stimmiges Zeitkolorit in Ausstattung (man filmt in VHS!) und Farbgebung prägen den Film. Die ebenso berührende wie mitreißende Geschichte vom Aufbruch zweier Underdogs lebt von ihren schrägen, trotzdem irgendwie authentischen Charakteren, die durchaus dem Universum von Alan Parkers „Die Commitments“ entsprungen sein könnten. Leider fehlt es der deutschen Synchronfassung an Einfühlungsvermögen. Sie klingt nicht nur steril, sondern auch unbeholfen, sobald englische Songtexte integriert werden. Dennoch: der Gang ins Kino wird alleine schon durch einen gelungenen Soundtrack belohnt, der die achtziger Jahre wieder aufleben lässt.

Sing Street. Irland, England, USA 2016. Regie: John Carney. Mit Ferdia Walsh-Peelo, Aidan Gillen, Lucy Boynton, Jack Reynor. 106 Minuten. Ab 6 Jahren.

Lesen Sie jetzt