Herr Schneider (Tom Dewispelaere) ist ein netter Kerl – aber auch ein Auftragskiller. Foto: Pandastorm

Zu den schrulligsten Regisseuren Europas gehört fraglos der Niederländer Alex van Warmerdam. In seinem neuen Film „Schneider vs. Bax“ erzählt er von einem Auftragsmörder, der eigentlich gar kein böser Mensch ist. Aber Job ist Job. Die aktuelle Zielperson erweist sich allerdings als harter Brocken.

Stuttgart - Job ist Job, da kann man nichts machen. Auch Schneider nicht (Tom Dewispelaere), von Beruf Auftragskiller. Eigentlich hatte sich der liebevolle Ehemann und Vater auf seinen Geburtstag gefreut, besonders auf die Party am Abend, mit Familie und Freunden. Doch dann ruft Schneiders Chef Mertens (Gene Bervoets) an: „Schneider, ich habe ein Problem. Ramon Bax.“ Mehr Info braucht es nicht. „Muss das heute sein?“, stöhnt Schneider. Es muss. Verdammter Job.

Eine verrückte Vorstellung, dass Mörder ihr Tun als ganz normale Arbeit auffassen. Der niederländische Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler Alex van Warmerdam, der 2013 mit dem Psychothriller „Borgmann“ in Cannes auffiel, wagt in seiner frostigen Komödie „Schneider vs. Bax“ genau dieses Gedankenspiel und spiegelt den normalen Alltagswahnsinn in eine abseitige Branche hinein.

Merkwürdig traurig

Wie jeder Angestellte muss ein Profikiller mit Unwägbarkeiten und Problemen rechnen. In Schneiders Fall ist das größte Problem die Widerspenstigkeit der Zielperson Ramon Bax (Van Warmerdam). Der ist Schriftsteller, aber auch Koksnase und Vater einer depressiven Tochter, die sich bei ihm einquartiert hat.

In seiner schnörkellosen. ästhetisch reizvollen Ruppigkeit ist „Schneider vs. Bax“ ein ungeheuer komischer, zugleich merkwürdig trauriger Film. Im Grunde sehnen sich beide Männer nach Ruhe und Normalität. Bax findet die auch nicht dadurch, dass er sich in einer schneeweißen Edeldatsche inmitten eines Vogelschutzgebietes vor der Welt verschanzt. Das Unglück findet ihn überall, nicht nur in Gestalt von Schneider, sondern auch in der seines bösartigen Vaters Gerard (Henri Garcin).

Van Warmerdam erzählt von Einsamkeit, von dysfunktionalen Familien und der individuellen Suche nach privatem Glück. Dass gleich mehrere Menschen dabei draufgehen, entspricht nicht nur der Logik des Films, sondern des Lebens im allgemeinen: Es ist kompliziert und endet jäh.

Schneider vs. Bax. Niederlande 2015. Regie: Alex van Warmerdam. Mit Tom Dewispelaere, Alex Van Warmerdam, Maria Kraakman, Henri Garcin. 100 Minuten. Ab 16 Jahren.

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