Ein Prosit auf die nicht ganz so verantwortungsvolle Mutterschaft: Kathryn Hahn, Mila Kunis und Kristen Bell (v. li.) in „Bad Moms“. Foto: Tobis

Die Autoren der „Hangover“-Reihe schicken in „Bad Moms“ frustrierte Mütter auf Sauftour. Aber nebenbei, man glaubt es kaum, verhandeln sie die Probleme berufstätiger Frauen.

Stuttgart - Locker und leicht ist das Leben mit Kindern! So verkaufen es zumindest Hochglanz-Elternmagazine, pädagogische Ratgeber und Werbespots für Tütensuppen. Über die Härten des Jobs einer Familienmanagerin (neudeutsch für: Mutter) reden dagegen nur wenige.

Das macht auch Amy (Mila Kunis) zu schaffen, die mit Mann, zwei Kindern und einem Hund in der pastellfarbenen Idylle einer amerikanischen Kleinstadt lebt. Die anderen Familien sind verflucht perfekt, nur Amy hinkt als Mutter und Ehefrau ständig hinterher.

Erdnussbutter und Internet-Sex

„Mami, beeil dich, ich komme zu spät!“ Das nervtötende Krähen begleitet Amy auf der Fahrt zur Schule und zu diversen Freizeitaktivitäten. Dazwischen hetzt sie zu Geschäftsmeetings und Elternnachmittagen, besorgt antiallergene Erdnussbutter und schmiert Stullen im Akkord. Während Gatte Mike (David Walton) auf dem Sofa lungert und sich sexuelle Anreize aus dem Internet holt. Beim Vorbereitungstreffen zum Kuchenbasar in der Schule platzt Amy endlich der Kragen.

In „Bad Moms“, geschrieben und inszeniert von Jon Lucas und Scott Moore („Hangover“), geht es um ein brisantes Thema. Der Film dockt an die Debatten um die extrem gegensätzlichen Mütterbilder von Autorinnen wie Amy Chua („Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“) und Orna Donath („Regretting Motherhood – Wenn Mütter bereuen“) an. Nur hat „Bad Moms“ nichts vom Ernst soziologischer Studien oder pädagogischer Streitschriften.

Stütz-BH und Windbeutel

Wie schon in ihrer „Hangover“-Reihe legen Lucas und Moore eine deftige, nicht immer geschmackssichere Buddy-Komödie hin. Diesmal jedoch mit weiblichen Protagonistinnen, die sich gehörig danebenbenehmen. Die frustrierte Amy widersetzt sich zusammen mit ihren Leidensgenossinnen Kiki (Kristen Bell) und Carla (wunderbar prollig: Kathryn Hahn) dem Leistungsdruck der Supermuttis Gwendolyn (Christina Applegate) und Stacy (Jada Pinkett Smith). Das führt nicht nur zu nachmittäglichen Sauforgien im Supermarkt (ohne vorheriges Bezahlen der Spirituosen, versteht sich), sondern zu einem veritablen Mütter-Krieg.

Amys an der Tanke gekaufte, garantiert nicht glutenfreie Windbeutel, die sie beim Schulfest auf die Theke knallt, kommen einer unverschämten Kampfansage gleich. Das Ablegen ihres scheußlichen Stütz-BHs inszenieren Lucas und Moore als anarchische Geste. Schade nur, dass zum Schluss die Mütter selbst die zuvor so hingebungsvoll demolierte Ordnung wiederherstellen.

Bad Moms. USA 2016. Regie: Jon Lucas, Scott Moore. Mit Mila Kunis, Kathryn Hahn, Christina Applegate, Kristen Bell. 101 Minuten. Ab 12 Jahren.

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