Walt Disney mit einer Micky-Maus-Figur im kalifornischen Disneyland Foto: dpa

Ein Besuch in den Archiven des Zeichentrickimperiums in Kalifornien zeigt originale Erinnerungen des genialen Zeichners Walt Disney. Sein Erbe soll die Firma auch heute inspirieren.

Burbank - Vor fünfzig Jahren ist Walt Disney gestorben. Doch sein Erbe und sein Firmenimperium leben fort. Nicht nur in klassischen Filmen „Bambi“, „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ oder nun in dem aktuellen Kinofilm „Vaiana“, der am 21. Dezember in die deutschen Kino kommt. Sondern vor allem auch in den Archiven der Firma, die den Geist und den Arbeitsstil des Gründers wieder aufleben lassen. Denn Walt Disney war vom ersten Film an ein kreativer und unternehmerischer Vordenker. 1928 erfand er Micky Maus, dem er in seinem ersten Zeichentrick-Tonfilm „Steamboat Willie“ seine eigene Stimme lieh. 1937 brachte er mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm in die Kinos. 1940 erschien der komplett von klassischer Musik begleitete „Fantasia“, später auch Realfilme und 1953 mit dem Oscar-Gewinner „Die Wüste lebt“ eine abendfüllende Dokumentation.

Der Ort, an dem Disney damals alle Stricke zog, ist in den Disney Animation Studios in Burbank (Kalifornien) zu sehen: seit vergangenem Jahr lassen sich dort die sorgfältig rekonstruierten Büroräume Walt Disneys besichtigen. Von der in dunklem Holz gehaltenen Bücherwand über das davor platzierte Klavier bis hin zum Schreibtisch mit der Glasplatte, hinter dem säuberlich aufgereiht Figürchen, Auszeichnungen und andere Erinnerungsstücke im Regal stehen, ist ein Großteil der Einrichtung original erhalten.

Eines der wichtigsten Exponate stammt aus Disneys Schreibtisch

Sogar was früher in seinen Schubladen zu finden war, lässt sich herausfinden. Man muss nur ein Gebäude weiter, in die Disney Archives. Gegründet 1971, soll in diesen Archiven die komplette Disney-Geschichte gesammelt und konserviert werden. Firmenmitarbeiter, aber auch Wissenschaftler oder Studenten haben hier Zugang zu den Oscars ebenso wie zu Notizen und Briefen. Eines der wichtigsten Ausstellungsstücke fand man in Disneys Schreibtischschublade selbst, wie Archivar Kevin Kern berichtet: „Dort lag ein frühes, von Zeichnungen durchzogenes Drehbuch von ‚Steamboat Willie’. Dass er das immer griffbereit hatte, zeigt dass dieser so vorwärtsgewandte Mann eben doch auch einen großen Sinn für das Bewahren von Erinnerungen hatte.“

Nicht nur vom künstlerischen Erbe Walt Disneys bekommt man in den Archiven einen Eindruck, sondern eben auch von seinem unternehmerischen Weitblick. Davon, dass kaum jemand in Hollywood früher das Potenzial von Merchandise-Produkten erkannte, zeugt ein altes, mit Donald Duck bemaltes Tee-Service. Natürlich ist auch die erste verkaufte Eintrittskarte für Disneyland ist ausgestellt, dem 1955 in Anaheim (Kalifornien) eröffneten Vergnügungspark.

Die vielleicht wichtigste Abteilung des Imperiums

Heute gehören Firmen und Marken wie Marvel, Pixar und Lucasfilm („Star Wars“) zum Disney-Imperium. Doch die Kernkompetenz liegt nach wie vor im Trickfilm. Deswegen ist es keine Überraschung, dass Konzern-Chef Bob Iger als „vielleicht wichtigste Abteilung unserer Firma“ ausgerechnet die Animation Research Library bezeichnet. Zutritt haben ohnehin normalerweise ausschließlich Disney-Mitarbeiter. Mehr als 65 Millionen Zeichnungen, Entwürfe und andere Exponate, die während der Arbeit an sämtlichen Disney-Animationsfilmen anfielen, werden hier archiviert.

Hier darf nichts ohne weiße Handschuhe angefasst werden, in den Tresorräumen herrschen stets 15 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ziel der Einrichtung ist es nicht nur, die Entstehung von Zeichentrickfilmen für Ausstellungen oder DVD-Bonusmaterial zu dokumentieren. Auch jeder, der heute bei Disney im Animationsbereich arbeitet, soll hier forschen und sich inspirieren lassen können.

„Selbst wer heute bei Disney anfängt, wo die Filme nur noch am Computer entstehen und nicht mehr von Hand gezeichnet werden, macht sich ganz genau mit Filmen wie ‚Bambi’ oder ‚Pinocchio’ vertraut“, sagt der Disney-Zeichentrickfilmregisseur John Musker. „Auch wir haben uns damals bei ‚Arielle, die Meerjungfrau’ von Walts ‚Schneewittchen’ beeinflussen lassen – und nun bei ‚Vaiana’ wiederum von ‚Arielle’. Genau deswegen ist der Disney-Geist von einst eben auch heute noch in allen Filmen spürbar.“

Die größten Erfolge

Mit „Captain America: Civil War“, „Findet Dory“, „Zoomania“ und „The Jungle Book“ stellt Disney die weltweit vier erfolgreichsten Filme des Jahres 2016. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mit „Vaiana“ und „Rogue One: A Star Wars Story“ bis Jahresende noch zwei weitere dazugesellen, ist groß.

Auch 2017 dürfte für die Firma ein erfolgreiches Kinojahr werden: unter anderem stehen ein neuer „Fluch der Karibik“-Film, eine Realverfilmung des Zeichentrickklassikers „Die Schöne und das Biest“, die Marvel-Abenteuer „Thor: Ragnarok“ und „Guardians of the Galaxy 2“, eine weitere „Star Wars“-Episode sowie die Animationsfilme „Cars 3“ und „Coco“ an.

Noch vor seinem Tod hatte sich Walt Disney ein riesiges Grundstück in Orlando (Florida) gesichert und den Bau von Walt Disney World verkündet. Heute finden sich ähnliche Parks und Ressorts auch in Paris, Tokio, Hong Kong und seit 2016 in Shanghai.

Neben Filmen und Vergnügungspark verdient die Walt Disney Company auch in anderen Bereichen Geld. In Sachen Fernsehen etwa gehören Sender der große US-Sender ABC genauso zum Konzern wie der Disney Channel, außerdem ist man unter anderem am Sportkanal ESPN und am deutschen Super RTL beteiligt. Zu den ABC Entertainment produzierten TV-Serien gehören unter anderem „Grey’s Anatomy“, „Modern Family“, „The Muppets“, „Desperate Housewives“, „Quantico“ und „Agents of S.H.I.E.L.D.“, aber auch die Show „Dancing With the Stars“.

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