Das Festival von Venedig ist stark gestartet, mit Kirsten Stewart als Lady Di und Denis Villeneuves Neuverfilmung von „Dune“.
Venedig - „So gut wie dieses Jahr war’s ewig nicht“, freut sich ein deutscher Fotograf, der auf Kirsten Dunst wartet. Die soll gleich am Landesteg der Nobelherberge Excelsior – berühmt nicht zuletzt durch Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“ – ein Wassertaxi nach Venedig besteigen. Er hat recht, die Starpräsenz auf dem Lido ist hoch. Die abends elegant, tagsüber gerne leger gewandete Film- und Überhaupt-Prominenz ist bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein meist gut gelaunt und autogrammwillig.
Streitthema Frauenquote
Wer sich clever positioniert oder einen Platz auf der Terrasse der Lion’s Bar zwischen Excelsior und Festivalpalast ergattert, kommt auf seine Kosten. Zu sehen waren bisher unter anderem Helen Mirren, Isabelle Huppert und Zoe Saldana, Benedict Cumberbatch, Matt Damon und Roberto Benigni, der am Eröffnungsabend den „Golden Löwen“ für sein Lebenswerk entgegennehmen durfte und dann ausgelassen mit der Statuette herumkasperte.
Viel Fahrt hat die 78. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica gleich aufgenommen, der Run auf die Tickets ist enorm. Als Journalist muss man sich sputen, will man sich einen – 72 Stunden im Voraus ausschließlich via Internet buchbaren – Kinoplatz sichern. Diskutiert wird heftig über die Frauenquote, bemängelt, dass es nur fünf Regisseurinnen in den Wettbewerb geschafft haben. Letztes Jahr waren es noch acht. Festivalchef Alberto Barbera meint auf Nachfrage, die Pandemie habe die Filmemacherinnen wohl härter getroffen als ihre männlichen Kollegen. Das müsste genauer überprüft werden, wäre aber – siehe auch die heftig schwelende Gleichstellungsdebatte – nicht wirklich verwunderlich.
Scheidung von Prince Charles
Umso erfreulicher, dass bislang gerade die Frauen dem Wettbewerb den Stempel aufdrücken. Die erblondete Kristen Stewart etwa als Lady Di in Pablo Larraíns „Spencer“, koproduziert von Maren Ades („Toni Erdmann“) Firma Komplizen Film. „Eine Fabel, inspiriert von wahren Begebenheiten“ nennt der chilenische Regisseur seine gegen den Strich gebürstete Momentaufnahme. In der ringt sich die Ehefrau von Prince Charles, von Albträumen geplagt, während der Weihnachtsfeiertage auf Queen Elizabeths Landsitz dazu durch, die Ehe mit ihrem untreuen Gatten zu beenden.
Ebenfalls eine Ausnahmeleistung liefert die royal erfahrene Olivia Colman („The Crown“) in „The Lost Daughter“, dem überzeugenden Regiedebüt der US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal („Secretary“). Während eines Griechenland-Urlaubs erinnert sie sich als unnahbare, spitzzüngige Hochschulprofessorin daran, wie es dazu kam, dass sie ihren Mann und die beiden kleinen Töchter verlassen hat. Ein zwischen den Zeitebenen pendelndes Drama, das – nach dem stimmigen Drehbuch der Filmemacherin – in die Untiefen des Mutter- und Frauseins abtaucht.
Donnernd untermalte Action
Heiß erwartet wurde Denis Villeneuves außer Konkurrenz gezeigtes Remake von David Lynchs „Dune“, basierend auf dem 1965 erschienenen Science-Fiction-Roman von Frank Herbert. Eine „Star Wars“-Variante für Erwachsene hatte der seit „Blade Runner 2049“ einschlägig erfahrene Kanadier angekündigt und sein Versprechen nun eingelöst.
Das erste Kapitel der „Dune“-Saga hat er mit Hilfe von Kameramann Greig Fraser perfekt düster bebildert. Um die Rettung einer Zivilisation auf dem Wüstenplaneten geht es, im Subtext finden sich Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und weibliche Ermächtigung. Timothée Chalamet – unterstützt von großen Namen wie Charlotte Rampling und Javier Bardem – schlägt sich als empathischer Held tapfer. Die Actionszenen, donnernd untermalt von Hans Zimmer, sind dosiert verteilt, die Effekte auf der Höhe der Zeit, das Tondesign ist eine Klasse für sich. Mission erfüllt, Fortsetzung folgt. Man darf gespannt sein, ob es Ridley Scott in Venedig mit der Rittersaga „The Last Duel“ gelingen wird, dieses Spektakel zu toppen.