Drehort Fißlerhof: 50 Personen arbeiten hinter der Kamera für den Film, darunter nicht nur Studenten der Filmakademie Ludwigsburg. Foto: factum/Granville

Was wäre, wenn Krieg vor der eigenen Haustüre tobt? Studenten der Filmakademie Ludwigsburg wollen dieses Szenario in ihrem Film „Das rote Rad“ nachstellen und den Zuschauer berühren. Damit das Geschehen möglichst realistisch ist, drehen sie ausschließlich in der Region.

Ludwigsburg - Fast wäre der zwölfte Drehtag ins Wasser gefallen. Zu regnerisch und windig war es am Donnerstagmittag beim Dreh in Tamm. Auf dem Fißlerhof am Ortsrand der Gemeinde drehen Studenten der Filmakademie derzeit einen Spielfilm mit dem Arbeitstitel„Das rote Rad“. In dem Film, eine Co-Produktion des SWR, die Ende nächsten Jahres auch im Fernsehen laufen soll, geht es um einen siebenjährigen Jungen, der durch einen Krieg seine Familie und Heimat verliert. Daraufhin sucht der Junge auf seinem roten Rad eine neue Heimat und versucht zu überleben. Das Besondere daran: der Film spielt im Hier und Jetzt und wird an verschiedenen Orten rund um Ludwigsburg gedreht.

„In den Nachrichten werden wir jeden Tag mit Kriegen und Konflikten in fernen Ländern wie Syrien konfrontiert“, sagt Nicolas Ehret, der Regisseur und Autor des Films. „Ich wollte den Konflikt hierher holen und dem Zuschauer damit die Möglichkeit geben, Empathie zu fühlen.“ Dafür sei es ihm auch wichtig gewesen, dass der Film nicht nur in Deutschland spiele, sondern tatsächlich auch in Baden-Württemberg, also in Landschaften rund um Ludwigsburg, die dem Zuschauer vertraut seien, sagt Ehret, der seit 2011 an der Filmakademie Ludwigsburg Szenische Regie studiert. Mit „Das rote Rad“ legt der 31-Jährige seinen Diplomfilm vor.

Heimat und Geborgenheit soll der Fißlerhof vermitteln

Die verschiedenen Drehorte haben Ehret und sein Producer, Joachim Weiler, lange gesucht. An 17 verschiedenen Orten spielt der Film nun. Zum Beispiel auch im Bunker im Deutschen Roten Kreuz in Ludwigsburg. Oder in der Jägerhofkaserne der Barockstadt. Aber auch in der idyllischen Gemeinde Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis haben die Studenten einzelne Sequenzen gedreht.

„Für die Anfangsszene, bevor der Krieg ausbricht, haben wir ein Haus gesucht, das einen gewissen Charme hat“, sagt Ehret. Er wollte mit dem Gebäude ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit vermitteln. Das Backsteinhaus am Rande Tamms sei dafür wie geschaffen, sagt Ehret.

Auch haben sich die heimischen Drehorte positiv auf das Budget ausgewirkt. „Die meisten Studienkollegen wollen eher raus und ihre Filme außerhalb von Ludwigsburg drehen“, sagt Weiler, der an der Filmakademie Film und Produktion studiert. Weil „Das rote Rad“ jedoch keine Reiseproduktion sei, habe Weiler, der sich bei dem Film um die Organisation und die Finanzen kümmert, mehr Geld in die Filmproduktion stecken können. „Sonst wäre das für die Reisen und Hotels draufgegangen“, sagt der Producer.

Der Film soll in erster Linie berühren

Bei der Auswahl der Schauspieler haben Ehret und Weiler ebenfalls auf Regionalität geachtet. „Wir haben die Schulen in der Umgebung angeschrieben und ein Casting veranstaltet“, sagt Weiler. Überzeugt hat sie der siebenjährige Paul André Poulat. „Weil er so unschuldig und schüchtern wirkt.“ Auch dessen Erscheinungsbild und was er ausstrahle solle die Zuschauer zum Nachdenken bringen, sie berühren. „Wir drehen hier keinen Kriegsfilm“, sagt Ehret. „Wir konzentrieren uns rein auf die Menschen und deren Hoffnungen und Ängste.“

Die Geschichte werde daher aus der Perspektive des Kindes erzählt, über die Umstände des Krieges und den politischen Kontext erfährt der Zuschauer nichts. Das sei nicht wichtig., sagt Ehret, der 2015 als Regieassistent im Nord-Iran war und dort viele Menschen auf der Flucht und in Not gesehen hat. „Meine Filme sollen in erster Linie nicht unterhalten, sondern die Zuschauer bewegen und zum Nachdenken anregen“, sagt der Nachwuchsregisseur.

Zwei Drehtage hat das etwa 50-köpfige Team aus Studenten der Filmakademie und freiwilligen Helfern noch, dann soll der Film Ende Mai im Kasten sein. Im Sommer stellen die Studenten ihren Film auf internationalen Filmfestivals vor. Ende des Jahres 2019 soll das Drama im Fernsehen zu sehen sein, vielleicht mit neuem Namen. „Das rote Rad“ ist nur der vorläufige Titel.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: