Volker Engel im Gespräch mit Andreas Hykade (links). Weitere Bilder zu den Dreharbeiten von Independence Day gibt es in unserer Bildergalerie Foto: factum/Bach

Er ist der Mann hinter den Effekten von „Independence Day“ und vielen anderen Filmen von Roland Emmerich: Volker Engel. Am Mittwochabend war er zu Gast im Caligari-Kino und erzählte von seiner Reise „von LB nach LA“.

Ludwigsburg - Schön, wieder da zu sein, in diesem Saal habe ich viele Filme gesehen“, eröffnete Volker Engel sein Gespräch mit dem Trickfilmregisseur und Leiter des Animationsinstituts der Filmakademie Baden-Württemberg, Andreas Hykade, im Ludwigsburger Caligari-Kino. Die Veranstaltung im Rahmen der Animations- und Spezialeffekte-Fachkonferenz FMX war exklusiv für FMX-Besucher. Darunter waren – wie bei einem Klassentreffen – einige Gefährten von Engel, beispielsweise die Regisseurin Anna Foerster oder der Filmakademie-Gründer Albrecht Ade. Überwiegend waren es jedoch junge Menschen, die gekommen waren, um Anekdoten und Kniffe vom Fachmann für Spezialeffekte zu hören – und Volker Engel lieferte auf unterhaltsame Weise.

Engel stand jeden Tag vor Emmerichs Büro – ohne es zu wissen

Dabei ging es nicht nur um „Independence Day“, der Film, für dessen Effekte Engel mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, sondern auch um seine Anfänge als einer der ersten Studenten der Filmakademie und seine erste Begegnung mit Roland Emmerich. Der „schwäbische Spielberg“, wie er oft genannt wird, hatte bei dem jungen Engel einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, als er, damals noch in seiner Heimatstadt Bremerhaven, 1984 Emmerichs Erstlingswerk „Das Arche Noah Prinzip“ im Kino sah. „Ich wollte ihn unbedingt treffen“, sagte Engel.

Gedauert hat es dann noch drei Jahre – und das, obwohl Engel derweil an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Grafikdesign studierte und in derselben Stadt wohnte wie Emmerich. Als er ihn dann endlich in seinem Büro traf, stellte Engel fest, dass es direkt an der Bushaltestelle war, an der er täglich einstieg, um zur Akademie zu fahren. Verstanden habe man sich gleich: „Er merkte sofort, dass ihm da ein Nerd zuhörte, der seine Pläne zu seinem nächsten Film ‚Moon 44’ verstand.“

Engel bleibt bei der analogen Animation

So startete Engel als Modellbauer für Emmerichs letzten in Deutschland produzierten Science-Fiction-Film und holte sich blutige Finger vom Akkord-Fenster-Kratzen an den Hochhaus-Modellen. Bei vielen seiner Schilderungen hörte man heraus: Man muss schon ein von seiner Idee Besessener sein , um im Filmgeschäft zu brillieren.

Unterdessen baute der Trickfilmer und Kunstakademie-Dozent Albrecht Ade die Filmakademie in Ludwigsburg auf. Engel gehörte zu seinen ersten Studenten. Mit seinem Komilitonen und heutigem Mitgeschäftsführer der Produktionsfirma „Uncharted Territory“ Marc Weigert experimentierte Engel erste Animationen am PC. Fünf Tage Ausprobieren und 500 Seiten Software-Handbuch später hatte Engel dann einen digitalen rotierenden Würfel erschaffen. „Als ich dann sah, dass Marc in derselben Zeit einen Dinosaurier gerendert hatte, der durch ein Tal fliegt, dachte ich mir: Vielleicht kehrst du doch zurück zur analogen Animation“, sagte Engel.

Emmerich wollte junge Talente aus Ludwigsburg

So ist auch vieles an Independence Day nicht am Bildschirm entstanden. Emmerich bestand darauf, für die Spezialeffekte des Films mit jungen Talenten der Filmakademie zusammenzuarbeiten – und Engel war sein Kontaktmann. „Er wollte einfach nicht mit Spezialeffektleuten aus Hollywood arbeiten, die den Job seit 30 Jahren machen und ihm sagen, was alles nicht geht“, sagte Engel.

Und so experimentierte die Truppe von zwölf deutschen Animations-Studenten an den Effekten. In der Erzählung Engels wirkte es ein wenig so, als würde ein Zauberer seine Tricks verraten – aber deswegen waren die Leute ja gekommen. Die Idee für die Flammenwand, die im Film ganze Städte dem Erdboden gleich macht, entstand beispielsweise in einem Aquarium: Wasser mit roter Farbe wurde dafür über eine Miniatur-Stadt gelenkt. Auch die riesigen Raumschiffe der Aliens baute das Spezial-Effekt-Team in Miniatur – mit einem Durchmesser von neun Metern. „Im ganzen Film gibt es kein real fliegendes Flugzeug“, sagte Engel. Auch die amerikanischen Düsen-Jets seien lediglich Holzmodelle gewesen, die von einer darauf spezialisierten Film-Firma angemietet worden waren. Und die Air Force One war in Wirklichkeit ein armlanges Modell, das an einer Angelschnur aufgehängt vor einem Foto-Hintergrund durch das Studio bewegt wurde. So einfach kann Hollywood manchmal sein.

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