Franziska Salland und ihre Enklein Alexandra Staib. Foto: Eva Herschmann

Alexandra Staib, die im Jahr 2015 den Studenten-Oscar gewonnen hat, dreht einen Film über ihre Großmutter aus Fellbach. Der Kino-Dokumentarfilm heißt „All about Fanny“.

Fellbach - In ihrem Garten mit Blick auf den Kappelberg sitzt Franziska Salland, die von Freunden und Familie nur Fanny genannt wird, oft und gerne. Ein häufiger Gast ist ihre Enkelin Alexandra Staib. In vielen gemeinsamen Stunden in der gemütlichen Laube hat Oma Fanny aus ihrem Leben erzählt, und die Absolventin der Hamburg Media School, die im vergangenen Jahre den Studenten-Oscar gewann, hat daraus einen 60-minütigen Film gemacht: „All about Fanny“ (siehe unten stehenden Artikel).

Der Garten kommt in dem Film auch vor. In einer Szene liegen Franziska Salland und Alexandra Staib händchenhaltend auf zwei Liegen, gucken in den Himmel und beobachten die Wolken. „Das mache ich gerne“, sagt die flotte 91-Jährige. Ebenso gerne gehen die beiden auf dem Kappelberg spazieren. Der Fellbacher Hausberg ist für die Frau, die im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde, ein Stück Heimat geworden. Vor mehr als 70 Jahren, im Mai 1942, war Franziska Salland eine der ersten „Reig’schmeckten“ in der Stadt. „Fremdarbeiter hat man uns genannt.“ Ihre bewegte Vergangenheit, in der die Tochter einer deutschstämmigen Familie mit Mutter und Vater Anfang der 40er-Jahre als Aussiedler ihre Heimat verließ – „Acht Tage waren wir im Viehwaggon nach Graz unterwegs“ – und ihre Gegenwart, wollte die Enkelin unbedingt verfilmen. „Und ich habe okay gesagt.“

Franziska Salland Foto: privat
Immer wenn Franziska Salland an der Alten Kelter vorbeikommt, muss sie daran denken, wie sie als 17-Jährige mitgeholfen hatte, das Dach zu decken. „Ich habe auch bei AEG an der Bohrmaschine geschafft, und das, obwohl ich als gelernte Damenschneidermeisterin filigranes Arbeiten gewohnt war.“ Bis heute hegt und pflegt sie ihre vielen Kreationen im Schneideratelier im Keller ihres Hauses, und ab und an schneidert sie auch noch. Zum 90. Geburtstag hat sie sich extra ein Kostüm genäht. Alexandra Staib war schon als Kind begeistert von den eleganten Modellen, in denen ihre Omi an der Seite ihres Mannes in den 70er-Jahren auf Landespressebällen oder bei Ballettaufführungen ihrer ältesten Tochter in Stuttgart geglänzt hatte. Ihre elegante Erscheinung habe ihr anfangs auch im Alltag geholfen, erzählt Franziska Salland. „Wir waren ja die einzigen Fremden in Fellbach, aber ich war wenigstens immer gut angezogen.“

Ihren Mann Herbert hatte sie bei einem Aufenthalt in Hildesheim kennengelernt. Später betrieben die beiden eine große Tankstelle in Wangen – mit Waschstraße und kleinem Shop, was zur damaligen Zeit eine Sensation gewesen sei, erzählt Franziska Salland stolz. Viele schöne Erinnerungen begleiten sie bis heute, aber die 91-Jährige lebt nicht nur im Gestern. Sie ist ein großer Schlagerfan, und hat schon zwei Live-Konzerte von Helene Fischer besucht. Unbedingt wollte Franziska Salland ihr Idol zu ihrem 90. Geburtstag einladen. Zusammen mit ihrer Enkelin hatte sie deshalb einen besonders liebevoll und aufwendig gestalteten Brief entworfen. Doch das Management lehnte bedauernd ab.

Alexandra Staib mit Oscar-Statue. Foto: privat
Dafür ist ein Traum von Alexandra Staib bereits in Erfüllung gegangen. Seit der Schulzeit gilt die Leidenschaft der 30-Jährigen der Bühne und dem Film. In jungen Jahren stand sie für die ARD Kinder- und Jugendserie Serie „fabrixx“ vor der Kamera und gründete während ihrer Schulzeit eine Musical-AG, für die sie Stücke schrieb, inszenierte und mitspielte. Sie war unter anderem im Jungen Ensemble Stuttgart für das Musiktheaterstück „funkenflug“ engagiert und spielte und tanzte am Theater Kornwestheim im Musical Anatevka. Nach dem Abitur folgten mehrere Praktika, etwa beim SWR Baden-Baden für den „Tatort“ und „Bloch“, sowie bei der Maran Film („Ein Fall für B.A.R.Z.“) und teamWorx Ludwigsburg. Mit ihrem Abschlussfilm an der Hamburg Media School wurde sie 2015 zum Studenten-Oscar nach Los Angeles eingeladen. Gerührt verfolgte Franziska Salland im heimischen Fernsehsessel in der Tagesschau wie ihre Enkelin mit ihrem Team, im Samuel Goldwyn Theater in Los Angeles die begehrte Auszeichnung in Gold entgegennehmen kann – im mehr als 40 Jahre alten Kleid ihrer Omi.

Im Film „All about Fanny“ ist zu sehen, wie Franziska Salland und Alexandra Staib die passende Robe für die Oscar-Verleihung aussuchen. Die Wahl fiel auf einen lachsfarbenen, perlenbestickten Traum mit einer Schleife am tiefen Rückenausschnitt. „Für dieses Kleid habe ich eine Woche lang nur gestickt, und allein die Perlen haben damals 500 Mark gekostet.“

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