Eine Tanzstunde, die man nicht verpassen sollte: In der neuen Folge der Doku-Reihe „Dance Around the World“ reist Eric Gauthier quer durch Brasilien. Premiere war jetzt in Stuttgart.
Ganz frisch ist die siebte Folge der SWR-Doku-Reihe „Dance Around the World“ in der ARD-Mediathek verfügbar. Dass der Brasilien gewidmete Beitrag fast zu schade für den kleinen TV-Bildschirm ist, war am Donnerstag bei der Filmschau Baden-Württemberg zu erleben. Mit Eric Gauthier als bewährtem Tourguide geht es zu wichtigen und überraschenden Kompanien des Landes. Von der Armut der Favelas bis zum Prunk der Opernhäuser in Rio und São Paulo: Entstanden ist eine Tanzstunde, die so dicht dran ist an der Emotionalität und Sinnlichkeit Brasiliens, dass sie locker jede Kinoleinwand füllt. Ein treibender Soundtrack sowie ein entfesselt wirbelnder Eric Gauthier machten im Kino Gloria ordentlich Stimmung.
Zu einer Landesfilmschau, die über Grenzen hinausschauen will, passt dieses Road-Movie-Format bestens. Seit viereinhalb Jahren ist das Team um Regisseur Andreas Ammer und Eric Gauthier unterwegs, Start war in Tel Aviv. Die neunte und letzte Folge wird durch Skandinavien reisen. „Wir waren an allen großartigen Orten des Tanzes auf der Welt, das ist ein ziemlich teures Projekt“, sagte Eric Gauthier vor der Premiere und fügte in Richtung des anwesenden SWR-Intendanten Kai Gniffke hinzu: „Danke, dass wir das machen durften.“
Die neue Folge der Doku-Reihe schaut auf brasilianische Gegensätze
Bestens passen auch Eric Gauthier und sein neues Reiseziel zusammen; die Brasilianer und der Kanadier teilen die Leidenschaft für den Tanz. Ob Fußballspieler oder Badenixe - hier ist jeder ein Bewegungskünstler. Und die Armut tanzt immer mit. Prekäre Lebensbedingungen erkundet etwa die Choreografin Deborah Colker. Ihre probende Kompanie lernt man beim ersten Stopp in Rio kennen. Ein Ballettmeister mit dem schönen Vornamen Mozart erklärt das Gleichgewicht, das die Tänzer auf Gitterkisten halten, mit der Situation in den Favelas: „Das ist ein Ort wie ein Gefängnis, es ist schwer, wegzukommen.“
Wie der Tanz dabei helfen kann, weiß Monica Tarragó, die Gründerin des Ballet Paraisópolis, das nach der größten Favela São Paulos heißt und sich auch dort befindet. 200 Kinder gibt sie in ihrer Ballettschule und der angeschlossenen Kompanie eine Perspektive, „2000 stehen auf der Warteliste“, weiß Eric Gauthier. Und so träumt Tarragó von einem „Haus für alle“.
Voller Überraschungen steckt der Tanz in Brasilien: Die Companhia Híbrida tanzt auf der Straße und will in einer digitalen Welt zum Innehalten und Empfinden anregen. Die Choreografin Alice Ripoll erklärt, wie es der urbane Tanzmix Passinho zum Kulturerbe schaffte. Die von Inês Bogéa geleitete São Paulo Companhia de Dança spiegelt die Vielfalt brasilianischer Kultur. Das Ballet da Cidade de São Paulo stellt sich unter dem neuen Leiter Alejandro Ahmed als kühne Performance-Truppe vor, während sich die Grupo Corpo einfach treu bleibt. „Der Tanz zeigt die Kraft eines Kollektivs, in dem sich die Stärken jedes einzelnen ergänzen“, fasst Inês Bogéa brasilianische Diversität zusammen.
In der ARD-Mediathek sind alle Folgen der Doku abrufbar
Diese Eindrücke summieren sich zum großartigen Blick hinter die Kulissen. Das Team von „Dance Around the World“ ist sich einig: Der Charme Eric Gauthiers und die Vermittlungsarbeit Meinrad Hubers sind beste Türöffner. „Diesen Zugang zu bekommen ist keine Selbstverständlichkeit“, weiß SWR-Redakteurin Sandra Dujmovic, die mit Joachim Lang das Serien-Konzept entwickelte. In der ARD-Mediathek laden alle Folgen weiterhin zur Reise um die Tanzwelt ein. Das sind ihre Stationen:
- Tel Aviv
- Sankt Petersburg
- Niederlande
- Kuba
- Montreal
- London
- Brasilien
- Skandinavien