Der Regisseur Foto: Malte Klein

Der georgisch-stämmige Filmregisseur Dito Tsintsadze hat für seinen Kinofilm „Wettbewerb“ auch in der Speisemeisterei gedreht. Im Film geht es um einen erfolglosen Schauspieler, der seiner Tochter ein Luxusleben vorgaukelt.

Hohenheim - Im August hat der Filmregisseur Dito Tsintsadze in Stuttgart Teile des Kinofilms mit dem Arbeitstitel „Wettbewerb“ gedreht. Dafür war er mit seinem Team unter anderem in der Speisemeisterei. Ein geeignetes Restaurant zu finden, sei nicht einfach gewesen, sagt der Stuttgarter Filmproduzent Tommy Niessner. „Wir haben uns im Mai einige angeschaut. Sie passten alle nicht.“

Die Speisemeisterei wurde zunächst aus logistischen Gründen abgelehnt. „Es hieß, dass sie zu weit draußen sei.“ Als sie sich das Restaurant dann doch angeschaut hatten, waren sie begeistert. „Wir haben dort eine Szene gedreht, wie der Hauptdarsteller – der erfolglose georgische Schauspieler Georgij – seine Tochter zum Essen einlädt“, erzählt Niessner und ergänzt: „Wenn man ihn in dem Restaurant sieht, wird klar, dass er es sich eigentlich nicht leisten kann.“

Ein gespieltes Luxusleben

Zum Inhalt des Films: Georgij – gespielt von Lasha Bakradze – ist nicht der erfolgreiche Schauspieler, als der er sich darstellt. Zehn Jahre hat er das seiner in Kanada lebenden Tochter Tina (Tina Meliava) vorgegaukelt. Als sie ihn besuchen will, befürchtet Georgij, dass der Schwindel auffliegt. Darum mietet er eine Villa, und aus dem Mitbewohner Ngudu (Elie James Blezes) wird sein Assistent. Denn eigentlich leben die beiden Charaktere in einer Baracke am Nordbahnhof. Aber die Inszenierung des Luxus scheitert.

Tsintsadze erklärt, worum es ihm geht: „Der Film handelt davon, ehrlich mit sich selbst und der Familie zu sein.“ Mit dem Filmmaterial sei er sehr zufrieden, weil es „visuell so reich und überraschend ist“.

Unterschiedliche Perspektiven

Für den Regisseur ist Stuttgart ein besonderer Drehort. „Weil es hier hoch und runter geht, ergeben sich ganz unterschiedliche Perspektiven. Das gibt es in Deutschland nur in wenigen Städten“, sagt der georgisch-stämmige Filmemacher, der in Berlin lebt.

Einen Tag nach dem Abschluss der Dreharbeiten in Stuttgart sitzt Tsintsadze in der Lobby eines Hotels und erzählt, wie er die Drehorte auswählt. „Ich fühle es, wenn der Platz richtig ist. Dann sehe ich die Personen dort und nirgendwo anders.“ Die Drehorte am Nordbahnhof, in Botnang, in der Bar Oblomov, und natürlich in der Speisemeisterei haben ihm Elaine und Tommy Niessner vorgeschlagen. Die Geschwister haben an der Hochschule der Medien in Vaihingen studiert und sich dann mit der Firma East End Film selbstständig gemacht. Für die Niessners ist es der erste Kinofilm, den sie koproduzieren.

Ein junges Team ist mutig und offen

Dass es so gut gelaufen ist, hatte nach den Worten des Regisseurs mit dem Team zu tun. „Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen. Sie haben Mut und sind offen.“ Das Lob gilt auch der Produzentin Elaine Niessner. Seit einem Jahr arbeiten sie und ihr Bruder an dem Film. Die Geschwister haben das Team mit 40 Personen für die Dreharbeiten zusammengestellt und sich um Kameraassistenten, Masken- und Kostümbildner und Beleuchter gekümmert. „Mich reizt am Filmemachen, dass so viele Kunstformen wie Schauspiel, Bild und Musik beteiligt sind“, sagt Elaine Niessner. Zudem haben sie und ihr Bruder mit der Firma „27 Films Production“ die Finanzierung auf die Beine gestellt. Doch sie organisieren nicht nur. „Als Produzenten arbeiten wir auch auf der kreativen Ebene und sind im Gespräch mit dem Regisseur.“ Tsintsadze habe Wert darauf gelegt, ihre Meinung zum Drehbuch zu erfahren. „ Wir haben uns mit Dito nächtelang über den Film ausgetauscht“, sagt Elaine Niessner.

Bis das fertige Werk im Kino zu sehen ist, dauert es noch. Die Dreharbeiten in Stuttgart sind beendet. In Kürze wird noch in der georgischen Hauptstadt Tiflis gedreht. Von September 2014 an soll der Film in den Kinos zu sehen sein. Viele Stuttgarter werden dann Orte in ihrer Nähe wiedererkennen – wie etwa die Speisemeisterei. Auch deren Geschäftsführer Frank Oehler wird sich den neuen Film von Tsintsadze anschauen. „Ich freue mich darauf, mein Restaurant im Kino zu sehen. Es ist so etwas wie mein Baby.“

Der Silberne Leopard für Burghart Klaußner

Dito Tsintsadze ist in der Filmszene kein unbeschriebenes Blatt. Sein Film „Mediator“ war 2008 der georgische Beitrag für die Kategorie nicht englischsprachiger Film bei der Oscarverleihung. Der deutsche Schauspieler Burghart Klaußner erhielt für seine Rolle in Tsintsadzes Film „Der Mann von der Botschaft“ in Locarno 2006 den Preis Silberner Leopard als bester männlicher Darsteller.

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