Das Volksbank Stuttgart Mobil macht immer dienstags in Rohracker Halt, als Anlaufstelle für Bankgeschäfte. Foto: Mathias / Kuhn

Die BW-Bank hat die SB-Service-Center in Rohracker, Luginsland und anderen Stadtteilen aufgegeben. Der Stadtseniorenrat fordert einen Pendelbus für Bankkunden als Ersatz.

Jahrzehntelang hatten die Kundinnen und Kunden der BW-Bank in Luginsland und Rohracker eine fußläufig gut erreichbare Anlaufstelle, um Geld abzuheben, Kontoauszüge auszudrucken und Geld zu überweisen. Doch in den beiden Stadtteilen hat die BW-Bank nun diese SB-Service-Center aufgegeben. Wer die gewohnten Geldgeschäfte tätigen will, muss längere Wege in Kauf nehmen. Für ältere Menschen, die kein Online-Banking machen und nicht mehr Auto fahren, bleibt nur die Fahrt mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder dem Taxi. Bank-Kunden haben sich deswegen an Stadtseniorenrat Werner Feinauer gewandt. „Ältere Menschen, die nur eine kleine Rente erhalten, müssen nun ihre Überweisungen per Post senden und für Kontoauszüge saftige Porto- und Ausdruck-Gebühren bezahlen“, ärgert sich der Luginsländer. Noch teurer wird es, Geld abzuheben. Mit dem SSB-Bus schlage jede Fahrt zum Geldautomaten mit 5,30 Euro zu Buche, mit dem für gehbehinderte Menschen komfortablen Taxi koste es 16 Euro. Deswegen hätten ihn etliche Ältere gebeten, Geld für sie abzuheben. „Aus rechtlichen Gründen müssen wir dies ablehnen“, bedauert der Stadtseniorenrat.

 

Pendelbus für „verlassene“ Stadtteile

Was tun? Feinauer unterbreitet einen Vorschlag: Wie wäre es, einen Pendelbus einzuführen, der ein- bis zweimal pro Woche in den „verlassenen“ Stadtteilen Station macht? In Luginsland könnte der sogenannte Tastenlaster am Anlägle parken. Das Vorstandsmitglied des Stadtseniorenrates verweist auf das Modell der Volksbank Stuttgart. Als diese ihre Rohracker Filiale schloss, entschied sich das Geldinstitut auf Initiative einiger Bürgerinnen, einmal in der Woche ihr VR-Mobil nach Rohracker zu schicken. Jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr steht es vor dem Pavillon der evangelischen Kirchengemeinde. Die Kunden nehmen das Angebot gerne wahr. Seit 2020 ist die rollende Filiale im Rems-Murr-Kreis und in Sommerrain unterwegs. „Wir sind mit der Resonanz zufrieden. Uns ist es wichtig, diejenigen Ortsteile mit zu versorgen, in denen sich der Betrieb einer Filiale nicht lohnt, weil sie zu wenig frequentiert wird“, sagt Robert Hägelen, der Marketingleiter der Volksbank Stuttgart.

Schließung weiterer Filialen abgesagt

„Die Idee des Einsatzes von Filialbussen wurde bei der BW-Bank bereits in der Vergangenheit geprüft, dann aber – in erster Linie aus Kostengründen – nicht weiterverfolgt. Auch aktuell halten wir das Konzept nicht für überzeugend“, sagt Alexander Braun, Pressereferent der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die LBBW sondiere derzeit alternative Lösungen für die Kunden, gehe auf Vertreter des Einzelhandels zu, um im direkten Kontakt kundenfreundliche Alternativen wie bargeldloses Bezahlen oder auch Bargeldbezug in den Geschäften ins Gespräch zu bringen. Auch Kooperationsmodelle seien denkbar.

So hat ein LBBW-Verantwortlicher mit Feinauer mögliche Standorte für Bankautomaten in Luginsland besucht. Die BW-Bank setze auf ein angemessenes Standortnetz mit Filialen und SB-Standorten. „Vor einigen Wochen hat sich die BW-Bank daher entschieden, fünf SB-Standorte im Stadtgebiet, die ursprünglich 2022 geschlossen werden sollten, bis auf Weiteres bestehen zu lassen. Darunter Mönchfeld, Hofen und Mühlhausen“, sagt Braun. Und Luginsland? Feinauer bleibt hartnäckig. „Nachdem die Rentenzahlungen nur noch bargeldlos über ein Girokonto erfolgen, wurde der Versorgungsauftrag der Banken und Sparkassen gesetzlich festgelegt. Daher müssen die Banken und Sparkassen sicherstellen, dass auch ältere Bürger an Bargeld kommen“, sagt Feinauer.