Ein Berater erklärt etwas über Wertpapiere: Die BW-Bank setzt nun wieder auf den persönlichen Austausch. Foto: dpa//Rolf Haid

Die BW-Bank macht die Rolle rückwärts: Nachdem sie viele kleine Filialen nach und nach geschlossen hat, erweitert sie nun ihr Servicenetz wieder. Doch von dem Kurswechsel profitieren nicht alle. Ein Überblick.

Filder - Die BW-Bank möchte ihr Angebot in ganz Baden-Württemberg bis Anfang 2021 wieder ausbauen. Das vermeldete die Bank vor wenigen Tagen nach einer Aufsichtsratssitzung. Demnach will sie zehn Millionen Euro investieren, um ihr Netz landesweit auf 100 Bankfilialen und 120 Selbstbedienungsstandorte aufzustocken.

Zentraler Punkt des neues Konzepts ist die Aufgabe der Beratungscenter. Denn in den vergangenen Jahren nutzten zu wenige Kunden das Angebot, nur nach Terminvereinbarung mit einem Bankberater vor Ort sprechen zu können. Auf den Fildern sind von dem Kurswechsel der BW-Bank insgesamt neun Anlaufstellen betroffen. Manche Stadtteile profitieren, aber es gibt auch Verlierer.

Auf dem Fasanenhof zum Beispiel plant die BW-Bank aktuell keine Filiale. Der Bürgerverein Fasanenhof sammelte daher 316 Unterschriften und übergab diese dem Vorstand der Bank – verbunden mit der Bitte, sich für einen zukünftigen Filialbetrieb im Stadtteil einzusetzen. Im Newsletter des Vereins steht: „Die Bürger wünschen sich eine Öffnungszeit am Vormittag oder Nachmittag an zwei Wochentagen.“ Geplant ist nämlich, dass in dem derzeitigen Beratungszentrum von Oktober an nur noch Automaten stehen. Eine persönliche Beratung ist dort dann selbst nach konkreter Terminvereinbarung nicht mehr möglich. Dazu müssen die Fasanenhofer Kunden künftig auf umliegende Bankfilialen ausweichen.

Nur noch mit Bus und Bahn zur nächsten Zweigstelle

Wer aber nicht gut zu Fuß ist oder sich die Autofahrt nicht mehr zutraut, gelangt nur mit Bus und Bahn zur nächsten Zweigstelle. „Besonders die älteren Mitbürger am Fasanenhof können zum Teil den Weg nach Möhringen nicht mehr auf sich nehmen und sind in großer Not“, heißt es weiter in dem Newsletter. Damit macht der Verein auf die Wohnanlagen für ältere und behinderte Menschen im Stadtteil aufmerksam. „Die Menschen verlassen sich auf die persönliche Kundenbetreuung der Bank“, ergänzt Günther Joachimsthaler, der Vorsitzende des Bürgervereins, auf Nachfrage.

Hochwertige Kundenberatung und maßgeschneiderter Service seien die Kernkompetenz, vermeldet hingegen die BW-Bank. „Um Kompetenzen zu bündeln, hat die BW-Bank sich mit Blick auf den bisherigen Standort Fasanenhof dazu entschieden, dass unsere Berater und Service-Mitarbeiter zukünftig in der Filiale Möhringen eingesetzt werden“, sagt der Pressesprecher Bernd Wagner und fügt hinzu: „Dort werden alle Beratungs- und Servicedienstleistungen in überschaubarer Entfernung dauerhaft in vollem Umfang angeboten.“ Erst neulich sei die BW-Bank an den Bürgerverein herangetreten und habe versichert, man werde sich darum bemühen, die Kunden zufriedenzustellen, sagt Joachimsthaler. Dem Bürgerverein habe man demnach zusätzliche Sprechstunden in Aussicht gestellt, die in den Wohnanlagen oder direkt bei den Kunden vor Ort stattfinden sollen. Joachimsthaler hofft, dass die BW-Bank diese Lösung auch umsetzt.

Gute Nachrichten für Stuttgart-Asemwald

Andere Orte profitieren hingegen von dem neuen Konzept der Bank. Denn auch auf den Fildern werden einige der bisher kaum genutzten Beratungszentren wieder zu Filialen mit umfangreichem Service. Freuen dürfen sich die Menschen in Rohr, Plieningen und im Asemwald. Der zuletzt genannte Standort wird – nach vorübergehender Pause – laut der BW-Bank schon Ende Oktober wieder eine Bankfiliale sein. Dort kann man sich dann wieder persönlich über Themen wie Altersvorsorge, Baufinanzierung oder Geldanlagen informieren. Für die anderen Standorte gibt es noch keinen genauen Zeitplan.

An neun weiteren Standorten wird indessen abgespeckt. Für die Kunden gibt es dort dann nur noch Geldautomaten und keine persönlichen Bankberatungen mehr. Vaihingen-Pfaffenwald, Heumaden, Hoffeld, Dürrlewang, Büsnau, Fasanenhof, Birkach, Waldenbuch und Filderstadt-Sielmingen werden zu SB-Service-Centern herabgestuft. Lediglich Ein- und Auszahlungen sowie Überweisungen werden an diesen Standorten noch möglich sein. Die Anlaufstelle am Sonntagweg in Büsnau weicht schon Ende September dem Selbstbedienungscenter.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: