Schon länger in Schieflage, nun endgültig geräumt: Biomammut-Filiale auf dem Flugfeld. Foto: /Stefanie Schlecht

Der Filialist mit einem Schwerpunkt auf biologisch produzierte Waren ist insolvent. Der Standort auf dem Flugfeld bleibt für immer geschlossen.

An der Adresse Leonardo-Da-Vinci-Platz 5 auf dem Flugfeld herrscht am Freitag gähnende Leere. Die Eingangstüren der Filiale von Biomammut sind dicht, im Inneren stehen noch die Einkaufswagen bereit, doch die Regale sind so gut wie leer geräumt. An der Schiebetür klebt der Hinweis, dass diese Filiale ab sofort geschlossen ist und man sich bei den Kunden für die Treue bedanke. Das Biomammut auf dem Flugfeld, es ist ausgestorben.

 

Und nicht nur dort: Laut Medienberichten hat die Handelskette Ende November einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Zu der Kette gehören neben der auf dem Flugfeld fünf weitere Filialen in der Region Stuttgart und Heilbronn. Für die Böblinger Filiale konnte offenbar kein Käufer gefunden werden, allen zehn Mitarbeitenden sei gekündigt worden. Auch die Büroräume in der Wilhelmstraße seien mittlerweile gekündigt.

Vergebliche Suche nach Käufern für Filialen

Seit Mitte Dezember führt der Anwalt Peter Raab die Geschäfte der Kette als Insolvenzverwalter. Er hat offenbar versucht, Käufer für die sechs Filialen zu finden, was ihm aber nur bei den Standorten Lauffen/Neckar und Eppingen (beide Kreis Heilbronn) gelungen ist. Der neue Inhaber ist dort die Bodan GmbH aus Überlingen am Bodensee, die die Märkte unter dem Label „Echt! Bio-Markt“ weiterführen und alle 18 Mitarbeitenden übernehmen will. „Wir haben alle infrage kommenden Bio-Anbieter angeschrieben, um sie als Käufer für die verbliebenen Standorte zu gewinnen. Leider ohne Erfolg“, sagt Raab am Freitag unserer Zeitung.

Die Gründe für die Insolvenz führt Peter Raab auf die steigenden Lebenshaltungskosten und die dadurch verschärfte Situation im Einzelhandel zurück. „Selbst Bio-affine Verbraucher gehen zunehmend zu Discountern, um die Kostensteigerungen auszugleichen“, sagte er zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens. „Diese Situation wurde verschärft durch die stark gestiegenen Energiekosten, was den Einzelhandel mit seinen großen Flächen ganz besonders hart trifft.“ Außerdem böte auch die Konkurrenz mittlerweile viele Bio-Produkte in ihrem Sortiment an, was zusätzlich Kaufkraft abziehe.

Raab: „Umsatz und Kosten haben nicht mehr zusammengepasst.“ Dabei sei die Filiale auf dem Flugfeld ein Filetstück im Portfolio gewesen, sagt der Insolvenzverwalter. „Der Standort bietet viel Potenzial, die Lage ist sehr gut“, sagt er. „Durch den Bau des neuen Krankenhauses hätte das Geschäft eigentlich großes Potenzial gehabt.“ Dies wird es aber nicht mehr entfalten können. Raab hat mit den Immobilieneigentümern – der Stuttgarter GWG-Gruppe – einen Aufhebungsvertrag geschlossen.

Eröffnet wurde die Filiale im Jahr 2013 auf dem Flugfeld mit einem neuartigen Konzept. Das Sortiment aus rund 8000 Artikeln richtete sich an eine ernährungsbewusste Klientel, die gern ökologische produzierte Lebensmittel kauft. Außerdem gab es Kosmetika, Haushaltswaren, Pflanzenzubehör und eine große Frischetheke. Doch die Kundschaft auf dem Flugfeld und anderswo strömte nicht mehr, sondern tröpfelte nur noch.

Neue Eigentümer aus Bayern sind durch Insolvenz schwer belastet

Hinter Biomammut steht seit Anfang 2021 die Basic AG mit Sitz in München. Die Aktiengesellschaft hat Biomammut damals übernommen, nachdem der Biomammut-Gründer die Kette an Basic verkauft hatte. Schon damals schienen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten abzuzeichnen. Für das Geschäftsjahr 2021 erwirtschaftete Basic bereits einen Fehlbetrag von 31 000 Euro. Ende November 2022 folgte dann der Antrag auf Insolvenz mit Schutzschirmverfahren.