Sonst Kumpel, nun Gegner: die Trainer Roko Agatic und Slobodan Markovic (von links). Foto: Günter Bergmann

Die Fußballer des TSV Bernhausen treffen an diesem Freitagabend auf den TSV Plattenhardt – ein Duell mit auch persönlicher Brisanz und Gäste-Erinnerung an eine schwarze Stunde.

Diese Woche musste der Austausch über den nächsten Gegner ausfallen. Die Filderstädter Trainerhotline hatte hierzu ausnahmsweise Pause. Der Grund ist einfach: Roko Agatic und Slobodan Markovic hätten sonst jeweils Dinge über ihre eigene Mannschaft ausplaudern müssen. Und so weit geht die Freundschaft dann doch nicht.

 

Freitagabend, 19.30 Uhr: Derby-Zeit in der Fußball-Landesliga. Zwischen dem TSV Bernhausen und dem TSV Plattenhardt steigt das direkte Duell der beiden Ortsnachbarn – und auch jenes der Trainerkumpel Agatic und Markovic. Seitdem die beiden Ex-Profispieler ihre Kickerkarriere als Teamkollegen in Harthausen haben ausklingen lassen, passt kein Blatt Papier zwischen sie. Nicht nur fußballerisch funken sie auf einer Wellenlänge „und helfen sich gegenseitig regelmäßig mit Informationen“, wie Agatic berichtet. Auch abseits des Sportplatzes sind der 45- und der 37-Jährige teils gemeinsam unterwegs. Praktisch, dass ihre Wohnungen in Bonlanden gerade mal rund 200 Meter auseinander liegen.

Insofern würde sich sogar eine gemeinsame Anfahrt anbieten. Freilich, beide sind abgezockt genug, um den Schalter nun für zumindest 90 Spielminuten umzulegen. Vielleicht stachelt die persönliche Komponente der Partie den Ehrgeiz ja sogar noch zusätzlich an. Fakt ist: Punkte braucht die eine wie die andere Seite – die Gastgeber vom Fleinsbach im Kampf um den Aufstieg, die Gäste aus dem Weilerhau in ihrem gegen den Abstieg. „Es ist sehr wichtig, dass wir dieses Spiel gewinnen. Damit können wir vorne noch näher rankommen“, weiß Agatic. Denn im Gipfelduell tags darauf zwischen dem 1. FC Eislingen und dem TSV Köngen wird zumindest einer der Bernhausener Spitzenplatz-Konkurrenten Federn lassen.

Demgegenüber hielte der Plattenhardter Abteilungsleiter Sascha Krammer sechs Zähler aus den verbleibenden drei Spieltagen des Kalenderjahrs für „ein Topresultat, um dann gut positioniert in die Winterpause zu gehen“. Vor Wochenfrist erst hat der Aufsteiger mit einem 2:2 beim Spitzenreiter in Köngen überrascht. Dies soll nun der Maßstab sein. „Klar, Bernhausen ist der Favorit“, sagt Krammer, „aber wir sind guten Mutes, dass wir auch dort etwas mitnehmen können“. Nach einer zwischendurch mehrwöchigen Torflautenstrecke haben die Seinen offenbar gerade rechtzeitig zum Lokalmeeting wieder die Kurve gekriegt.

Für Krammer und Co. geht es dabei nebenbei auch um eine Rehabilitation für eine der sportlich schwärzesten Stunden ihrer jüngeren Abteilungsgeschichte. Die bislang letzte Begegnung der beiden Vereine, bereits in Agatic- und noch in Vor-Markovic-Zeit, endete rauschend respektive ruinös. Im März 2024, seinerzeit noch in der Bezirksliga, pulverisierten die Bernhausener die Titelpläne ihres Gegners mit einem 6:1. „Ein Klassenunterschied“, erinnert sich Krammer. Beim jetzigen Wiedersehen werden aber höchstens noch vier seiner damaligen Spieler erneut zur Startelf gehören (Grbic, Gyselincks, Perhanidis, Blazek). Ein fünfter, Mikail Gümüssu, hat die Farben gewechselt. Er läuft inzwischen für den Gegner auf.

Ein Treffen mit dem Ex-Verein wird es auch für den erwähnten Torjäger Aristidis Perhanidis, in seinem Fall umgekehrt – und für Agatic. In der C- und B-Jugend schnürte der Bernhausen-Coach einst für den TSV Plattenhardt die Schuhe, ehe sein dortiges Engagement abrupt endete. Wegen einer ausgelaufenen Aufenthaltsgenehmigung musste er mit seinen Eltern damals nach Bosnien zurück.

Ob seine sportliche Filderstadt-Vita sonst heute ganz anders aussehen würde? Schwer zu sagen. Aktuell jedenfalls erwartet er in der Mannschaft seines einstigen Clubs „eine schwierige Aufgabe“. Vor allem zwei Spieler ragten beim Kontrahenten heraus, namentlich Pierre Eiberger und der Trainerbruder Nemanja Markovic. Letzterer ist nach seiner Vier-Spiele-Rotsperre erstmals wieder dabei, während bei den Gästen nun dafür der Kapitän Emre Göcer rotgesperrt fehlt.

Dies alles hat Agatic natürlich auch ohne ortsinterne Trainerhotline mitgekriegt. Sollte dem Kumpel Markovic seinerseits eines entgangen sein: Bitte nicht wundern, wenn beim Nachbarn Agatic am Tag nach dem Spiel im Garten Rauchschwaden aufsteigen! Auch die Erklärung hierfür wird simpel sein: Der Trainer hat sein Team zum Spanferkel-Grillen zu sich nach Hause eingeladen. Unabhängig vom Derby-Ergebnis. Mit einem Sieg würde es jedoch sicher deutlich besser schmecken.