Die Bürgerinnen und Bürger Filderstadts sind dazu aufgerufen, sich am Mitmachtheater für das Stadtjubiläum zu beteiligen. Interesse ist offensichtlich vorhanden. Foto: /Robin Rudel

Filderstadt will zum 50-jährigen Bestehen im kommenden Jahr ein Theaterstück mit Bürgerbeteiligung auf die Bühne bringen. Das Interesse mitzumachen ist offenbar groß. Jetzt erklären die Macher, wie es weitergeht mit dem Vorhaben.

„Wir gehen jetzt in ein Jahr, das Spaß machen soll“, sagt Stefan Hallmayer am Ende des Abends. Der Mitbegründer des Theaters Lindenhof sitzt im Großen Saal der Filharmonie in Bernhausen, ihm gegenüber etliche gut besetzte Stuhlreihen. In den vergangenen anderthalb Stunden wurde zuerst das geplante Projekt vorgestellt, dann ging es sofort an die Ideensammlung. Zu viel Zeit mit Formalien soll nicht vergeudet werden, das wird schnell deutlich.

 

Ein Projekt mit Fokus auf den Bürgern

So wird zu Beginn einmal kurz das Wichtigste erklärt: Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen Filderstadts im kommenden Jahr soll ein Theaterstück auf die Bühne gebracht werden. Silke Köhler, die Pressesprecherin der Stadt, betont: „Dieses Projekt soll mit den Menschen entstehen.“ Gemeint sind damit die Bürger Filderstadts. Sie werden gebraucht: als Spieler, Tänzer, Musiker und in etlichen anderen Funktionen, um gemeinsam die Geschichte Filderstadts zu erzählen. Auch Vereine wie Orchester, Tanzgruppen und Literaturklassen werden gesucht.

Die Stadt kooperiert bei dem Projekt mit dem renommierten Theater Lindenhof, das in ganz Württemberg aktiv ist. „Es ist uns eine große Freude, dass wir das zusammen machen“, sagt Alexander Frey, der Abteilungsleiter Kultur in der Filharmonie, über die Zusammenarbeit.

Keine Bühnenerfahrung notwendig

Die Organisatoren betonen mehrmals, dass dies auf ganz unterschiedliche Weise geschehen könne. „Theater ist immer eine subjektive Sichtweise“, sagt Claudia Rüll Calame-Rosset, die Regie führen wird. Die Bürgerinnen und Bürger sollen also bewusst ihre Sicht auf ihre Heimatstadt miteinbringen, und das Stück so zu ihrem eigenen machen.

Regeln existieren dabei kaum. Jeder darf mitmachen, eine Altersgrenze gibt es nicht, weder nach oben noch unten. Auch Bühnenerfahrung ist nicht notwendig. Zeit bei der Premiere in einem Jahr und den darauffolgenden Spielterminen sollte man aber haben, sagt Stefan Hallmayer.

Direkter Einstieg in die Themenfindung

Das Programm ist straff. Bislang steht nur der Arbeitstitel „Hin und Weg“. Bis Ende des Jahres soll es ein Drehbuch geben, für Februar ist der Probenstart angepeilt. Umso erfreulicher ist es für die Organisatoren, dass so viele Filderstädter zur ersten Informationsveranstaltung gekommen sind. „Es ist großartig, dass ihr in so großer Zahl erschienen seid“, sagt Stefan Hallmayer.

Es sind junge und alte Menschen gekommen. Frisch hergezogene und solche, die schon in dritter Generation in einem der fünf Teilorte wohnen. Um die verschiedenen Perspektiven zu hören und einen ersten Eindruck von den Vorstellungen der Bürger zu bekommen, fordern die Organisatoren die Anwesenden nach der Einführung auf, erste Ideen vorzuschlagen. Jemand gibt mit Blick auf die Einteilung in fünf Teilorte zu bedenken: „Filderstadt gibt es gar nicht.“ Man solle den Fokus weniger auf die Vergangenheit und mehr auf die Zukunft richten, betonen einige Bürger. „Das Publikum heute ist nicht repräsentativ für Filderstadt“, sagt wieder jemand anderes. Stefan Hallmayer stimmt ihm zu, es werden Ideen ausgetauscht, wie man die nicht vertretenen Gruppen am besten für das Projekt gewinnen könne.

Vielfältige Ideen der Anwesenden

Denn noch sei es nicht zu spät, um einzusteigen, betonen die Organisatoren. Am 24. September gebe es ein weiteres Informationstreffen. „Wir haben keine Scheu vor großen Projekten mit vielen Menschen“, sagt der Intendant über die Handhabung eines Theaterstücks mit mehreren Hundert Menschen Beteiligung. Er fügt hinzu: „Das ist etwas ganz Besonderes.“ Es sei eine Ermächtigung der Menschen, ihre eigene Geschichte selbst erzählen zu können.

Nach der gemeinsamen Ideenfindung wird es noch einmal organisatorisch. Stefan Hallmayer bittet um Handzeichen, wer ein Instrument spiele. Wer tanze gern? Fragen, um einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten zu bekommen. Denn nun gilt es für die Profis vom Lindenhof, Struktur in die enthusiastische Unordnung zu bringen. Dann sollte einem Jahr voller Spaß für alle Beteiligten nichts mehr im Wege stehen.

Wie fünf Gemeinden eine Stadt wurden

Filderlinden
 Im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg schlossen sich zum 1. Januar 1975 die fünf selbstständigen Gemeinden Bernhausen, Bonlanden, Harthausen, Plattenhardt und Sielmingen zur Stadt Filderlinden zusammen.

Filderstadt
Ein halbes Jahr später folgte die Namensänderung. Das Innenministerium bestätigte am 2. Juli 1975 die Umbenennung von Filderlinden zu Filderstadt. Die Änderung war damals Ergebnis einer Bürgerbefragung gewesen.