Es gibt viele Vorschläge zur Entlastung der Straßen in und um Filderstadt: Seilbahn, Tunnel oder Umfahrung. Was hilft? Wir haben mit zwei Bürgern gesprochen, die sich bei dem Thema bestens auskennen.
Filderstadt - Die Verkehrslage auf den Fildern ist so angespannt, dass schon eine kleine Störung im Berufsverkehr ein Chaos erzeugt: zum Beispiel ein Auto mit Reifenschaden, das auf dem Standstreifen der B 27 steht. Ruckzuck produzieren neugierige Gaffer einen Stau, der sich gewaschen hat und viele Autofahrer in die umliegenden Stadtteile von L.-E. und Filderstadt abdrängt.
Vor diesem Hintergrund sagen viele Filderbewohner, dass auch der Ausbau der B 27 auf sechs Spuren keine Allheilwirkung haben wird. „Die Autos sind dort dann im Berufsverkehr ein wenig schneller unterwegs. Viele weichen trotzdem aus und fahren bei uns durch“, sagt Angelika Müller, die an der Bahnhofstraße in Sielmingen wohnt. Deshalb bleibt für sie die beste Lösung eine Umfahrung. Der Filderstädter Gemeinderat müsse sich endlich einen Ruck geben und für den Bau stimmen. Schließlich sei die Straße im Regionalverkehrsplan enthalten.
Die neue S-Bahn bringe nicht allen etwas
Falls diese – für sie beste – Lösung nicht kommt, plädiert die Sprecherin der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen für eine konsequente Beruhigung der Bahnhofstraße. Dort müsse auch tagsüber Tempo 30 eingerichtet werden. „Aber nur, wenn es auch kontrolliert wird“, sagt sie. Dies sei beim bestehenden Lastwagen-Fahrverbot leider nicht der Fall.
Von anderen Lösungen, die den Autoverkehr eindämmen sollen, hält die Sielmingerin nicht viel. Die neue S-Bahn, die auch in ihrem Wohnort halten wird, sei nur für einen Teil der Sielminger interessant. „Diejenigen, die in Obersielmingen wohnen, haben es zum S-Bahnhof Bernhausen näher.“ Eine Untertunnelung von Bernhausen, wie sie Oberbürgermeister Christoph Traub vorgeschlagen hatte, sei viel zu teuer. „Eine Seilbahn hätte zu wenig Kapazität“, sagt Müller und bezieht sich damit auf die Idee, dass Autofahrer in Bonlanden an der B 27 in Gondeln umsteigen, um zum S-Bahnhof Bernhausen zu kommen. Müller spricht sich für den Bau von Radwegen statt Radschutzstreifen aus. Erstere seien sicherer. Fürs Radfahren hat sie ein offenes Ohr. Schließlich fahren ihr Mann und ihr Sohn bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit.
Sein Herz schlägt für den motorisierten Verkehr
Das hat auch Roland Porl, der seit einem Jahr Rentner ist, so gemacht. Kein Wunder: Schließlich ist er der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Filderstadt. Der Bonländer hat als Automechaniker in Vaihingen gearbeitet. Deshalb schlägt sein Herz auch für den motorisierten Verkehr. Porl glaubt, dass der Ausbau der B 27 zunächst eine Entlastung bringt. Die steigende Zahl der Autos führe dann aber wieder zu Staus.
Von einer Seilbahn hält er wie Angelika Müller nicht viel. „Da müsste man zu oft umsteigen“, sagt er. Das sei für Pendler nicht attraktiv. Porl setzt aber auf den öffentlichen Nahverkehr. Ideal wäre es nach seiner Ansicht, wenn die Autofahrer, die aus Richtung Tübingen kommen, in Bonlanden an der B 27 auf die S-Bahn umsteigen könnten. Die geplante Sperrung der S-Bahnstrecke zwischen Flughafen und Bernhausen wegen des Baus eines dritten Gleises am Flughafen müsse gut vorbereitet werden. Dann brauche man direkte Busverbindungen auch aus den Nachbarorten von Filderstadt nach Echterdingen oder zu einem Interimshalt beim Flughafen.
Die Radwege zwischen Filderstadt und Stuttgart verbessern
Roland Porl spricht sich für eine Förderung der E-Mobilität aus. Filderstadt habe mit dem Bau von Elektro-Ladestationen schon positive Schritte getan. Als ADFC-Sprecher setzt sich der 65-Jährige natürlich dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Fahrten mit dem Pedelec verbessert werden. Dafür brauche es auch sichere Radboxen beim S-Bahnhof.
Generell müsse der Radverkehr noch mehr gefördert werden. Porl spricht sich sowohl für Schutzstreifen als auch für die klassischen Radwege aus, die hauptsächlich von Schülern genutzt werden. Um die Verbindung zwischen Filderstadt und Stuttgart zu verbessern, müsse eine neue Röhre unter dem Flughafen gebaut werden – für Radler und Fußgänger.
Das sagen die Bewerber zum Thema:
Freie Wähler: Die Wählervereinigung setzt auf eine Verbesserung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs. Dazu bedürfe es einer Verkürzung der Taktzeiten und einer Verbesserung der Tarifstruktur. Die B 27 könne nur durch einen Schienenverkehr nach Tübingen/Reutlingen richtig entlastet werden. Die Freien Wähler wollen den Flugverkehr eindämmen, da er nicht nur für erhöhten Lärm sorge, sondern auch Parkplatzprobleme erzeuge.
CDU: Die Christdemokraten sprechen sich ebenfalls für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs aus. Sie fordern den Anschluss Filderstadts an das Stadtbahnnetz. Außerdem wollen sie mehr Überdachungen an Bushaltestellen. Die B 27 soll zügig ausgebaut und mit Lärmschutz versehen werden. Der Bau von E-Tankstellen müsse vorangetrieben werden. Die Partei will stadtteilverbindende Radwege mit reflektierenden Wegmarkierungen.
SPD: Die Sozialdemokraten setzen sich für einen preisgünstigen öffentlichen Nahverkehr ein. Ein vernetztes Verkehrsangebot und kürzere Taktzeiten seien zu realisieren. Das Radwege-Netz müsse ausgebaut werden. Es müsse eine zusätzliche Radverbindung zu Messe und Flughafen geschaffen werden. Man brauche mehr überdachte Radabstellplätze. Als Straßenbauprojekt reiche der Ausbau der B 27, um so den Filderboden zu schonen.
Grüne: Die Partei spricht sich für den Ausbau der B 27 aus. Als Folge könnten die Ortsdurchfahrten verkehrsberuhigt werden. Die Grünen sprechen sich gegen eine Umfahrung Sielmingen aus. Radwege sollen sicher gestaltet werden, damit mehr Bürger Rad fahren. Wichtig sei auch, mehr Radabstellmöglichkeiten an den Schnittstellen zum öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Die Einführung von Expressbuslinien müsse geprüft werden.
FDP: Die Liberalen wollen einerseits ein gute Mobilität gewährleisten und andererseits die Verkehrsbelastung für die Bevölkerung reduzieren. Es soll einen Mix aus allen Verkehrsarten geben. Radverbindungen sollen ausgebaut, Gehwege saniert und der Autoverkehr im Fluss gehalten werden. Konkret will man die Busverbindung nach Esslingen verbessern und sich weiterhin für eine Umfahrung von Sielmingen einsetzen.
Linke: Die Partei setzt sich für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ein. Es gelte: „Mensch vor Auto“. Fuß- und Radwege sollen voneinander getrennt werden. Bei Nachverdichtungen soll die Verkehrssituation berücksichtigt werden. Die B 27 wollen die Linken nicht ausbauen, weil dies Flächen koste und noch mehr Verkehr bringe. Sielmingen soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Die Partei fordert den Stopp von Stuttgart 21.