Die Lastwagen rangieren und parken nicht nur auf dem Betriebsgelände, auch der Gehweg und die Mühlwiesenstraße sind betroffen. Foto: z

Ein Fuhrunternehmen arbeitet in Filderstadt weiter, obwohl dies dort laut Verwaltungsgericht nicht erlaubt ist. Die Stadt verlangt Zwangsgelder, die auch bezahlt werden. Und warum hat die Spedition eigentlich eine Ausnahmegenehmigung für eine Brücke?

Sielmingen - Die Sache ist eigentlich klar: Die Firma Metzger darf auf ihrem Gelände im Sielminger Emerland keine Spedition betreiben. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart festgelegt. Doch die Inhaber kümmert das nicht. Sie lassen trotz Verbots weiterhin Lastwagen auf das Gelände an der Mühlwiesenstraße fahren. Die Fahrer rangieren dort tagsüber und in der Nacht – auch auf der Zufahrtsstraße.

Christiane Hofmann, die tagaus, tagein den damit verbundenen Lärm ertragen muss, ist darüber sehr verärgert. Sie wohnt mit ihrem Mann Reinhard Hess direkt neben dem Betriebsgelände. „Wir haben das Haus vor sechs Jahren gekauft“, erzählt sie. Man habe darauf gehofft, dass der Betrieb in der Nachbarschaft nicht zu sehr störe. Schließlich befinde sich dort ein eingeschränktes Gewerbegebiet, das eigentlich nur nicht störende Gewerbebetriebe zulässt.

Davon kann bei der Spedition jedoch keine Rede sein. Dies hat auch das Verwaltungsgericht Stuttgart festgestellt, als es sich vor einem Jahr mit dem Fall beschäftigte. Die zulässigen Lärmgrenzwerte würden überschritten. Dies hatte übrigens ein von der Spedition bestellter Gutachter so festgestellt. Nachts könnte der Lärmgrenzwert selbst dann nicht eingehalten werden, wenn eine Lärmschutzwand erstellt würde, so seine Erkenntnis.

Auch in der Nacht rangieren Lastwagen

Christiane Hofmann und ihr Mann leiden unter der Lärmbelastung, wie sie sagen. „Ich kann nachts nicht mehr durchschlafen und wache oft mehrmals auf“, sagt sie. Selbst zur Schlafenszeit würden Sattelschlepper auf das Gelände fahren, dort rangieren und den Motor laufen lassen, um die Kühlaggregate ihrer Auflieger zu betreiben. Zu diesen stundenlangen Geräuschen kommen der Betrieb einer speziellen Lastwagen-Waschanlage, die von einem Dieselaggregat angetrieben wird, und das Montieren von Reifen mit druckluftbetriebenen Schlagschraubern hinzu.

Obwohl das Filderstädter Baurechtsamt der Spedition die Nutzung ihres Geländes Anfang des Jahres untersagt hat, läuft der Betrieb weiter. Um der Anordnung Nachdruck zu verleihen, wurden bereits zweimal Zwangsgelder verhängt. Die wurden von der Spedition anstandslos bezahlt. „Wir haben ein drittes Zwangsgeld bereits angedroht“, sagt Bürgermeister Reinhard Molt. Er wolle auch nicht ausschließen, dass es zu einer Zwangsräumung kommt. In diesem Fall würden die Lastwagen zwar nicht vom Betriebsgrundstück gezogen, sie würden jedoch von der Stadt beschlagnahmt und damit unnutzbar gemacht.

Der Bürgermeister hofft immer noch, dass ein Ausweg aus der Situation gefunden wird. Mitte Oktober gebe es ein Gespräch mit den Inhabern der Spedition. Vielleicht könne ein Teil des Betriebs nach Bernhausen an die Weidacher Straße verlagert werden. So dass nur die nichtstörenden Betriebsteile in Sielmingen bleiben würden.

„Unternehmen ist nicht mehr zu laut“

Markus Metzger, Geschäftsführer und Mitinhaber der Spedition, erklärt jedoch gegenüber unserer Zeitung, dass dies keine Option sei. In Bernhausen könne er auf einem gepachteten Gelände nur Lastwagen reparieren. Im Übrigen hält Metzger es gar nicht für nötig, das Gelände in Sielmingen zu räumen. „Wir haben die Zahl unserer Lastwagen auf 24 reduziert“, sagt er. Zehn davon seien an einem anderen Standort, sechs bis sieben im Fernverkehr eingesetzt. Jetzt sei sein Unternehmen nicht mehr zu laut. Das bestreitet Christiane Hofmann entschieden. Sie zweifelt gar am Rechtsstaat. Zumal die eigentlich verbotene Spedition eine Ausnahmegenehmigung für die Brücke am Fleinsbach hat. Sie darf mit ihren schweren Lastwagen darüber fahren, obwohl eine 3,5-Tonnen-Beschränkung besteht. Hofmann hat die Nase voll und Strafanzeige gestellt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung.

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