Noch ist offen, wie es mit dem Hahnen weitergeht. Foto: Otto-H. Häusser

Der derzeitige Wirt des Hahnen gibt das Restaurant auf. Er wechselt zum früheren Culinarium in Altdorf bei Böblingen. Nun ist offen, ob die Sielminger Traditionswirtschaft fortbesteht...

Sielmingen - Seit mehr als 200 Jahren gibt es den Hahnen an der Hauptstraße in Sielmingen. Er ist die letzte Traditionsgaststätte im Ort. In ihr wurden schon viele Familienfeiern abgehalten. Deshalb hängt auch das Herz von vielen Sielmingern an dem Gebäude, das bereits im Jahr 1606 erbaut wurde.

Auch der jetzige Haupteigentümer des Hauses, Andreas Schweizer, verbindet mit der Gastwirtschaft zahlreiche Erinnerungen. Und er ist sich sicher, dass es ein großer Verlust für Sielmingen wäre, wenn der Hahnen nicht weiterbestehen würde. „Auch heute noch ist er ein zentraler Treffpunkt, wenn in Sielmingen Krämermarkt ist“, sagt Schweizer. Außerdem würden dort im Saal, der sich im Obergeschoss befindet und bis zu 70 Personen Platz bietet, immer noch Konfirmationen und Geburtstage gefeiert. Außerdem findet dort immer wieder ein Leichenschmaus statt.

Die Pacht sollte erhöht werden

Doch es ist fraglich, ob dies so bleiben wird. Denn der bisherige Wirt Joachim Pollak will nicht weitermachen. Der Pachtvertrag wurde aufgelöst. Die Pacht sei Pollak zu hoch gewesen, sagt Andreas Schweizer, dem der Hahnen zusammen mit seiner Schwester gehört. „Wir wollten die bisherige Pacht von 2500 Euro um 250 Euro erhöhen“, berichtet der Miteigentümer.

Dem widerspricht jedoch sein Pächter Joachim Pollak. „Es ging vor allem um Renovierungen“, erklärt er. Es könne beispielsweise nicht sein, dass er für die Erneuerung des Kühlraums zuständig sei. Doch Schweizer behauptet, solche Unstimmigkeiten habe es nicht gegeben.

Wie auch immer: Die geschäftliche Verbindung der beiden ist beendet. Pollak hängt den Rührlöffel im Hahnen Ende Mai an den Nagel. Im Juni soll dann das mitgebrachte Inventar ausgeräumt werden, unter anderem will er seine Küche mitnehmen. Sie soll in Altdorf bei Böblingen wieder aufgebaut werden. Dort pachtet der Wirt von der Schönbuch-Brauerei die Gaststätte Culinarium. „Das gibt einen schönen Neuanfang für mich“, sagt der 44-Jährige, der dort mit einer neuen Konzeption loslegen will: rustikal schwäbisch mit vielen entsprechenden Gerichten. Die vergangenen neun Jahre als Wirt im Hahnen will er trotzdem nicht missen. Es habe ihm dort gut gefallen. „Ich habe mich in Sielmingen wohl gefühlt“, sagt Joachim Pollak, der bei seinem Vorgänger Alfred Schweizer Koch gelernt hat.

Pächter: Habe mich in Sielmingen wohlgefühlt

Der Haupteigentümer Andreas Schweizer sucht nun händeringend einen neuen Pächter, der gutbürgerliche Speisen anbietet. „Für mich ist der Fortbestand des Hahnen eine Herzenssache“, sagt er. Schweizer will, dass die Gaststätte weiterhin floriert – auch deshalb, weil schon viele Sielminger Traditionswirtschaften geschlossen haben.

Schweizer denkt auch darüber nach, dass der Saal im Obergeschoss noch stärker genutzt werden könnte. Dazu müsste allerdings der jetzige Teppichboden entfernt werden. Dann käme der darunter liegende Fischgräten-Boden aus Holz zum Vorschein. Wenn er abgeschliffen und neu eingelassen wäre, könnten die Gäste dort wieder wie früher eine flotte Sohle aufs Parkett legen.

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