Die Gärtnerei nach dem Brand. Ralf Ruess dankt allen, die ihm in schwerer Stunde geholfen haben. Foto: Archiv SDMG

In unserer Serie „Mein 2017“ sprechen wir mit Menschen, die im vergangenen Jahr etwas Außergewöhnliches erlebt haben. Wir fragen nach, wie es ihnen geht, was sich inzwischen verändert hat und blicken auch ein wenig in die Zukunft. Heute: Stefan Ruess, dessen Gärtnerei abgebrannt ist.

Sielmingen - Wer an der Gärtnerei „Blumen Ruess“ an der Reutlinger Straße in Sielmingen parkt, sieht noch Brandspuren am Gebäude. Für den Inhaber Stefan Ruess war das Jahr 2017 ein Katastrophenjahr. Am 8. Januar ist ein Teil seiner Gärtnerei abgebrannt. „Wir haben das Beste daraus gemacht und das Geschäft im März wieder geöffnet“, sagt er. Vom Brand sei der Verkaufsbereich betroffen gewesen. „Glücklicherweise ist die Produktion mit den Gewächshäusern nicht den Flammen zum Opfer gefallen.“ Die Produktion von Blumen sei allerdings nur ein Standbein des Geschäfts. Ruess: „Wir leben hauptsächlich vom Handel und deshalb war der Verkaufsbereich gewissermaßen das Herz des Betriebs.“

Stefan Ruess fällt es immer noch nicht leicht, über den Brand und seine Folgen zu reden. Beim Gespräch im Gewächshaus inmitten von Weihnachtssternen, austreibenden Tulpenzwiebeln und bunten Primeln, die einen Hauch von Frühjahr vermitteln, wird klar, dass er ein Mensch ist, dessen Herzblut den Blumen gehört. „Das Erwachen von Leben sieht man am besten an der Pflanze“, sagt er. Sein Betrieb produziert Blumen für jede Jahreszeit. Bedarf, den er aus seinen eigenen Gewächshäusern nicht decken kann, bezieht er aus fairem Anbau und überwiegend aus der Region.

Blumen als Symbol des Lebenszyklus

Unter anderem gedeihen in seinen Gewächshäusern im Winter Weihnachtssterne, im Vorfrühling Zwiebelpflanzen, im Frühjahr Stiefmütterle und Primeln, im Sommer Geranien und im Herbst Astern, Silberblatt, Ziergräser oder Alpenveilchen, allesamt saisonale Pflanzen.

Ruess ist mit den Pflanzen und der Gestaltung der Sträuße und Gebinde mit Leib und Seele verbunden: „Die Floristik steht anlassbezogen im Mittelpunkt – von der Hochzeit über Konfirmation, Kommunion, Geburtstage, Firmenfeiern, Jubiläen, Verlobung oder Hochzeit bis hin zu Trauerfeiern. Das Leben der Pflanze spiegelt so auch gewissermaßen den Lebenszyklus der Menschen in der Gesellschaft wieder.“

Stefan Ruess Foto: Schultheiss

Durch den Brand, sagt Stefan Ruess, habe er die Wertschätzung der Gesellschaft erfahren: „Wir wurden von der Nachbarschaft und unseren Kunden nicht alleine gelassen. Wenn er nun über das Ereignis spreche, sagt er, dann vor allem deshalb, um Dank zu sagen, angefangen von der Feuerwehr für ihr Engagement, bis hin zu „allen den Menschen um uns herum, die uns selbstlos Hilfe angeboten haben, auch im privaten Bereich“.

Über den finanziellen Schaden durch den Brand will Ruess nicht sprechen. In der Nacht auf den 9. Januar, teilte die Polizei damals mit, seien die Feuerwehr und die Polizei alarmiert worden. Als die Retter eintrafen, stand die Gärtnerei in hellen Flammen, die auch schon auf das angrenzende Wohnhaus übergriffen. Letzteres und mehrere Häuser in der Nachbarschaft wurden evakuiert. Der Rettungsdienst betreute die Bewohner in einer Sammelstelle. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Der Gärtnereiverkaufsraum, etliche Gewächshäuser und das Wohnhaus wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Reutlinger Straße musste während der Löscharbeiten gesperrt werden. Die Polizei schätzte den Sachschaden damals auf eine Million Euro.

Die Wertschätzung für Blumen an die Kunden weitergeben

Auch das Jahr 2018 wird noch vom Brand und seinen Folgen überschattet. „Wir müssen noch Versicherungsangelegenheiten abwickeln und dann sehen, wie wir das Grundstück nutzen.“ Die Zukunft des Betriebs zu planen, ist für Ruess eine verzwickte Aufgabe. „Ich weiß noch nicht, ob meine Kinder den Betrieb einmal weiterführen wollen und falls sie es nicht tun, ob ich dann einen Nachfolger finde, weil das Betriebskonzept auf mich zugeschnitten ist. Ich habe eine Nische im Markt gefunden, mit der ich meine Wertschätzung für Pflanzen an die Kunden weitergeben kann.“ Eine Lösung zu finden, scheint schwer: „Ich bin 50 Jahre alt und stelle keinen großen Betrieb mehr in die Natur.“ Deshalb bleibe ihm nichts anderes übrig, als weiterzumachen wie bisher. „Man hat ja schließlich eine Verantwortung für die Gesellschaft, für die Kunden und die Mitarbeiter.“ Dennoch mache er die Arbeit nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus eigener Überzeugung.

Sein Vater, sagt der Firmenchef, habe den Betrieb gegründet: „Man kann von ihm leben, aber in unserer Branche kann man natürlich nicht so große Sprünge machen wie in der Automobilindustrie.“ Aus all den angeführten Gründen schaut Stefan Ruess nicht zurück, sondern nach vorne. Das Jahr 2018 werde ein herausforderndes Jahr: „In diesem Jahr will ich all das zu Ende führen, was ich plane.“

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