Ein Radler fährt auf dem Feldweg, der andere auf dem Radweg. Foto: Otto-H. Häusser

Zwischen Bernhausen und Plattenhardt gibt es einen frisch asphaltierten Weg für Radler. Die meisten von ihnen scheuen aber offenbar die Piste direkt neben der Straße.

Filderstadt - Eigentlich könnte man meinen, der frisch asphaltierte Radweg lädt die Fahrradfahrer geradezu ein, ihn zu benutzen. Doch die Realität scheint eine andere zu sein. Die meisten der rund 200 Schüler, die fast jeden Tag von Plattenhardt nach Bernhausen und wieder zurück radeln, sind offenbar auf dem daneben verlaufenden Feldweg unterwegs.

Dies haben jedenfalls Landwirte so beobachtet. Bei der jüngsten Felderrundfahrt in Plattenhardt wunderten sie sich über die Radfahrer. Eine Erklärung ließ sich allerdings nicht finden. Vermutet wurde, dass es an der Topografie der Wege liegen könnte. Dass also der Radweg größere Steigungen aufweist als der daneben verlaufende Feldweg. Doch letztlich scheint der topografische Unterschied nicht allzu groß zu sein. Beide Wege verlaufen unter der B-27-Brücke gezwungenermaßen in einer Senke. Kleine Steigungen sind deshalb in beiden Fällen nicht vermeidbar.

Radweg verläuft dicht an der Straße

Möglicherweise wird der Radweg auch deshalb von vielen Radfahrern gemieden, weil er relativ dicht an der Straße entlang verläuft. Schüler konnten dazu wegen der Ferien aktuell nicht befragt werden. Doch andere Radfahrer, die dort unterwegs sind, könnten sich vorstellen, dass Sicherheitsgründe ein Rolle spielen. Werner Sey-fried, der den Radweg benutzt, sagt: „Es kann gut sein, dass viele Schüler dort nicht fahren, weil sie dann zu dicht an der Straße wären.“

Karin Wiedmann hat sich entschlossen, den schönen neuen Radweg zu benutzen. Sie kann jedoch auch die Sicherheitsbedenken verstehen. Sie selbst nutzt auf ihrem weiteren Weg gen Plattenhardt nicht den Fahrrad-Schutzstreifen auf der Hohenheimer Straße, sondern fährt auf dem Gehweg bergauf. „Das ist mir lieber, weil ich oben links abbiegen muss und mich so bereits auf der richtigen Straßenseite befinde.“

Ebenfalls auf dem neuen Radweg ist Ruth Wiegel unterwegs, die jede Woche 130 Kilometer auf dem Rad zurücklegt. Sie ist froh, dass die Bauarbeiten nun beendet sind. „Teilweise war da kein Durchkommen“, sagt sie. Die Bauarbeiter hätten unter der Brücke am neuen Radweg gearbeitet und ihre Maschinen auf dem daneben verlaufenden Feldweg abgestellt.

Verschmutzung hält sich in Grenzen

Rüdiger Eichholz, der das Rad ebenfalls sehr oft benutzt und gar kein Auto mehr hat, ist immer noch auf dem Feldweg unterwegs. „Das ist die Macht der Gewohnheit“, sagt er, nachdem der Radweg lange gesperrt war. Die Verschmutzung auf dem Feldweg halte sich in Grenzen. „Da gibt es andere Wege, die bei entsprechendem Wetter von Schmutz überzogen sind.“ Im Winter würden sie dann zu einer glatten Rutschbahn, sagt der Mann, der jährlich 10 000 Kilometer mit seinem Pedelec fährt.

Für den Landwirt, der seinen Hof direkt am erwähnten Feldweg hat, sind die Radfahrer zwar eine Behinderung. „Ich habe mich aber damit arrangiert“, sagt Markus Briem. Letztlich würde er sich jedoch wünschen, dass die Radler den neuen Radweg benutzen. Dafür zeigt Oberbürgermeister Christoph Traub viel Verständnis. Er habe aber auch keine Lösung dafür, wie die Schüler auf den neuen Weg aufmerksam gemacht werden könnten. „Vielleicht muss man zusätzlich ein paar Schilder aufstellen“, sagt er.

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