Die Geschwister Susanne und Rainer Klesch führen den Familienbetrieb in der siebten Generation. Foto: /Caroline Holowiecki

Die Geschwister Klesch führen die kleine Bäckerei im Filderstädter Ortsteil Plattenhardt in der siebten Generation. Der Laden ist bei Einheimischen auch als „Begga Adam“ bekannt.

Wer den Bäcker Adam in Filderstadt-Plattenhardt googelt, der sucht vergebens. Wie sollen Uneingeweihte auch ahnen, dass damit die Bäckerei Kurfess gemeint ist? Bei Einheimischen jedoch ist der Name offenbar bekannt. „Man geht zum Begga Adam“, betont Rainer Klesch. Der Name geht auf dessen Urgroßvater Adam Kurfess zurück. Nach diesem ist auch das Bauernbrot im Sortiment benannt.

 

Traditionen gehören bei Kurfess dazu. Heuer feiert die Bäckerei den 200. Geburtstag. Die Geschwister Susanne (47) und Rainer Klesch (42) führen den Familienbetrieb in der siebten Generation. „Unsere Mutter war eine geborene Kurfess“, erklärt Susanne Klesch.

Susanne Klesch steht ab 1.30 Uhr in der Backstube

Sie steht morgens ab 1.30 Uhr in der Backstube, ihr Bruder ist fürs Büro zuständig und kümmert sich außerdem um seine beiden anderen Geschäfte: die Eventlocation Klescherei und – seit Mitte Mai – um die Bewirtschaftung des Uhlbergturms. Historisches Material haben die Kleschs kaum. Ein bisschen was wissen sie aus Erzählungen der Großeltern. „Früher kamen die Kinder am Samstag mit dem Leiterwagen mit Teig zum Fertigbacken“, berichtet Rainer Klesch, selbst gelernter Bäcker.

Ein alter Sack von 1886 hängt im Büro an der Wand, aber obwohl der Opa von Susanne und Rainer Klesch der Dorffotograf war, gibt es so gut wie keine Aufnahmen. Was zu finden gewesen sei, habe man dem Stadtarchiv gegeben. Tatsächlich tauchen einige Infos in der Ortschronik auf. Dort ist zu lesen, dass die Bäckerei Kurfess die älteste noch bestehende Familienbäckerei der Stadt ist.

1908 erwarb der Bäcker Adam Kurfess (1876 bis 1953) sie vom Bäcker Georg Fügel (1840 bis 1908). Auf ihn geht auch der Stein mit der Inschrift „1867 Fügel“ an der Hinterseite des Hauses zurück. Die Handwerkstradition der Familie reicht allerdings bis zum Urgroßvater von Adam Kurfess, Johannes Kurfess (1775 bis 1855), zurück. Er wird im Gewerbekataster von 1823 als Bäcker genannt, daher das 200-Jahr-Jubiläum.

Früher gab es Kurfess-Filialen in Bonlanden und Harthausen, heute konzentriert man sich aufs Hauptgeschäft an der Pfarrstraße. Das laufe zufriedenstellend. „Unser Einzugsgebiet ist groß“, sagt Rainer Klesch. Vor allem die Brezeln würden gelobt, auch die lange Tradition komme an. „Bei uns kann man vom Laden aus in die Backstube schauen“, sagt er. Die Geiz-ist-geil-Mentalität sei hier noch wenig ausgeprägt. Der eine oder andere schnappe bei den Preisen, die ein handwerklich hergestelltes Brot mittlerweile kostet, nach Luft, erzählt Susanne Klesch, „aber dann ist es in Ordnung. Die Qualität überwiegt“. Dennoch: Spurlos gehen aktuelle Entwicklungen auch an diesem Betrieb nicht vorüber. Auszubildende meldeten sich gar nicht mehr, auch ausgelernte Fachkräfte fehlten. Konsequenz: Ab Juli wird die Bäckerei Kurfess mittwochs geschlossen bleiben.

Mit Leidenschaft und Idealismus

Die Kleschs sprechen von viel Leidenschaft und Idealismus, die es in diesem Beruf brauche. „Es macht Spaß, sonst würden wir es nicht machen“, sagt Susanne Klesch. „Tradition verpflichtet ein Stück weit auch“, fügt ihr Bruder an. Die Geschwister sind jeweils kinderlos, eine achte Generation wird es also nicht geben. Ans Aufhören denken die beiden aber noch lange nicht, und zunächst sind sie stolz aufs Jubiläum. Rainer Klesch betont: „Das ist etwas ganz Großes.“ Gefeiert wird allerdings lediglich bei einem kleinen Festakt mit geladenen Gästen im September. Warum nicht mehr? Die Antwort kommt rasch und eindeutig: keine Zeit.