Tim Meschner ist der neue und der dritte Stadtjäger in Filderstadt. Er kennt sein Revier sehr gut. Aber was genau macht ein Stadtjäger eigentlich?
Die Zeiten sind längst vorbei, als Jäger ausschließlich in der traditionell grünen Jägerkluft, mit geschultertem Gewehr und Hund durch die Orte und Felder streiften, um Wildtiere zu verjagen oder zu töten. Heute sind viele auch als Stadtjäger unterwegs – ganz leger gekleidet. Und die Nachfrage nach ihnen ist groß.
Deshalb hat die Stadt Filderstadt nun einen dritten Stadtjäger eingestellt. Damit entspricht sie den Vorgaben des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes, wie der Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing erklärt. Und das entspricht der Erwartungshaltung der Bevölkerung, die die Dienste der bisherigen Stadtjäger gut beansprucht.
Aber was haben so Stadtjäger überhaupt zu tun? Offiziell klingt das so: „Die ,Stadtjagd’ beschränkt sich auf den befriedeten Bezirk (innerhalb der bebauten Ortslage) sowie die Aufgaben von Stadtjägern, die sich auf die Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten und die Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung konzentrieren“, erklärt Blessing.
Welche Aufgaben hat ein Stadtjäger?
Tim Meschner heißt der neue Stadtjäger. Und er drückt das so aus: „Wir kommen zur Beratung und zur Verhinderung von Konflikten mit Wildtieren, wenn solche Situationen drohen.“ Lockmittel verwenden, Fallen stellen oder gar zum Gewehr zu greifen, das seien die letzten Methoden, die es anzuwenden gelte. Zumal das Schießen in befriedeten Gebieten – also beispielsweise Wohngebieten – ohnehin verboten ist. Da haben sie viele andere Möglichkeiten in petto, wie sie Waschbären, Marder und Co. begegnen, sodass Mensch und Wildtier einigermaßen problemlos nebeneinander leben können. Meschner weiß ganz gut, welche Aufgabe auf ihn zukommt: Er ist in Filderstadt geboren und aufgewachsen, jetzt ist er erster Ansprechpartner für Harthausen. Doch sowohl er als auch Blessing halten fest: „Es gibt keine feste Revieraufteilung unter den Stadtjägern. Jeder ist für alle Filderstädter zuständig, jeder Filderstädter kann sich an den Stadtjäger seiner Wahl wenden. Und jeder Stadtjäger handelt auf eigene Rechnung. Da gibt es keinen Gebührenkatalog von der Stadt.“
Auch ohne den Titel Stadtjäger ist Meschner jagenderweise in Filderstadt seit gut zehn Jahren unterwegs, da dann im Stadtwald. Der klassischen Aufgabe mit Gewehr ist er da zwar schon etwas näher, aber auch da ist das Schießen keine der vordringlichen Aufgaben. Meschner: „So eine Jagd wird heute nicht aus wirtschaftlichen Gründen verpachtet. Persönlich ist das eine Hobbysache. Darüber hinaus dient das der Pflege und der Balance der Natur, auch und gerade in den Naherholungsgebieten von größeren Städten.“ So sei der Jäger, ob er nun im grünen Kleid durch die Wälder laufe oder in Zivil durch die Stadtteile, auch nur der Teil einer Kette, die mit dem Zusammenleben von Mensch und Natur zu tun hat.
Auch wenn die Wildtiere das sicherlich nicht wissen, sind sie in der Abbildung einer städtischen Verwaltung bestens katalogisiert. Blessing klärt auf: „Marder, Waschbär und Co., darum kümmern sich die Stadtjäger, für Igel und ähnliche Tiere gibt es das Tierheim, bei Eichenprozessionsspinnern ist das Grünflächenamt zuständig und bei Ratten das Tiefbauamt.“