Manche Rettungseinsätze laufen am besten aus der Luft. Foto: DRF

Die DRF Luftrettung in Filderstadt ist neben dem ADAC der größte deutsche Anbieter. Doch nach einem Millionenverlust im vergangenen Jahr greift jetzt ein Sparprogramm. Die Qualität der Luftrettung soll nicht darunter leiden.

Die DRF Luftrettung in Filderstadt ist neben dem ADAC der größte deutsche Luftrettungsdienst und seit Jahren gewachsen. Doch jetzt ist Sparen angesagt. Nach einem Millionenverlust im vergangenen Jahr sollen auch neue Geschäftsfelder gefunden werden.

Stuttgart/Filderstadt - Wenn Rettung besonders eilig oder kompliziert ist, naht die Hilfe in Deutschland oft aus der Luft. In ­vielen Fällen sind es Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) Luftrettung, die Verletzte ins Krankenhaus ­bringen oder schwer kranke Patienten von einem Ort zum anderen transportieren. Die Gesellschaft, die auf einem gemeinnützigen Verein fußt, ist besonders in Baden-Württemberg für einen Großteil des Landes zuständig. Doch jetzt ist der nichtkommerzielle Anbieter ins Trudeln geraten.

Im vergangenen Jahr hat die DRF Luft­rettung zum ersten Mal seit langer Zeit im operativen Geschäft Verluste eingeflogen. „Wir gehen von rund zwei Millionen Euro aus“, sagt Steffen Lutz, Vorstand der gemeinnützigen AG DRF Stiftung Luftrettung. Darauf müsse man reagieren: „Wir drehen jetzt jeden Stein um.“ Allerdings ­betreffe das ausschließlich die eigene ­Struktur und Verwaltung, betont Lutz: „Die Luftrettung selbst bleibt auf dem höchsten Standard, da wird nicht gespart. Wir ­konzentrieren uns auf unsere Kernaufgabe.“

Ein Hauptgrund für den Verlust im vergangenen Jahr steckt im System der deutschen Notfallrettung. Die Luftretter bekommen lediglich rund drei Viertel ihrer Kosten von den Krankenkassen erstattet. Die Verhandlungen sind oft zäh. Bezahlt wird dabei nach Flugstunden. Gehen die zurück, fehlt Geld. Und genau das ist 2013 passiert. „Im Januar und Februar hatten wir an diversen Standorten katastrophale Nebellagen“, sagt Lutz. Die Folge: Erstmals seit Jahren sind die Hubschrauber seltener ausgerückt.

Diesen Verlust konnten Spender sowie die Beiträge der rund 350.000 Fördermitglieder nicht auffangen, die traditionell etwa ein Viertel der Aufwendungen decken müssen. Gleichzeitig lief ein aufwendiges Investitionsprogramm für Hubschrauber an, zudem wurde die Werft der DRF Luftrettung am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden für elf Millionen Euro umgebaut. „Wenn sich dann noch der Markt mit den Flugstunden gegen einen bewegt, tut das richtig weh“, sagt Vorstand Lutz.

Die DRF Luftrettung reagiert mit mehreren Gegenmaßnahmen, die den Mitarbeitern bereits in einem Weihnachtsanschreiben sowie in einer Betriebsversammlung verkündet worden sind. Zum einen wird gespart. Fortbildungen, die über das vorgeschriebene Maß hinausgehen, werden gestrichen, ebenso viele Besprechungen telefonisch gemacht, um die Reisekosten zu verringern. Werden Stellen in der Verwaltung frei, wird die Wiederbesetzung genau geprüft. Auf einige Leiharbeiter wird zudem verzichtet.

Zum anderen will die DRF Luftrettung aber auch die Einnahmen erhöhen. Dazu gehört, das Geschäftsfeld auszuweiten, „um uns unabhängiger von Krankenkassen und Flugstunden zu machen“, so Lutz. Eine Idee: In der Werft können externe Kunden ihre Fluggeräte warten lassen und sich technischen Schulungen unterziehen.

Ein weiterer Plan allerdings hat nur bedingt funktioniert: Das Offshore-Geschäft mit Flügen zu den Windparks auf offener See hat für die DRF nur an der Ostsee Zukunft. Den Nordsee-Standort in Husum hat man inzwischen aufgegeben und sich ebenso aus dem Geschäft in Dänemark zurückgezogen.

Immer wichtiger werden angesichts der Entwicklung die Fördermitglieder. Ihre Zahl ist im vergangenen Jahr nach einer Erhöhung des Beitrags leicht gesunken, die Einnahmen daraus sind aber dennoch gestiegen, was einen noch größeren Verlust verhindert hat. Das kam besonders den Investitionen zugute. Rund 21 Millionen Euro spülen die Förderer pro Jahr in die Kasse.

In diesem Bereich weiter zuzulegen ist ­allerdings schwierig. „Entgegen dem Trend bei anderen Hilfsorganisationen haben wir hier zuletzt keine Gelder verloren. Das liegt daran, dass wir bereits viel in die Qualität des Außendienstes investiert haben“, sagt Lutz. Mit Außendienst sind die Mitarbeiter gemeint, die Fördermitglieder und Spenden einwerben. Wie andere große Hilfsorgani­sationen setzt die DRF Luftrettung dabei vor allem auf externe Agenturen. In Zukunft sollen dafür allerdings verstärkt eigene ­Leute zum Einsatz kommen. Ein ent­sprechender Versuch, der im vergangenen Jahr in Freiburg begonnen hat, läuft so gut, dass ein zweites Team in Nordrhein-West­falen geplant ist, wo auf engem Raum besonders viele Menschen leben.

Vorstand Lutz ist zuversichtlich, dass das Sparprogramm die erwünschte Wirkung zeigt: „Wir haben uns für 2014 ein schlankes Budget verordnet und werden die Kurve kriegen.“ Im Sinne der Mitarbeiter und ­Patienten wäre das eine gute Botschaft.

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