Foto: Sprungbude

Die weltgrößte Trampolinhalle in Filderstadt ist seit November wegen des Lockdowns geschlossen.

Filderstadt - Martin Hesse wird es schwer ums Herz, wenn er in die leere Sprungbude kommt. „Es ist sonst ein Ort, an dem man Spaß hat, wo gelacht wird“, sagt der 50-Jährige. Wie alle Betriebe hat die größte Trampolinhalle der Welt in Filderstadt seit November geschlossen. Hesse betreibt als geschäftsführender Gesellschafter drei Sprungbuden in Bad Cannstatt, Heidelberg und Filderstadt sowie einen Indoorspielplatz in Freiberg am Neckar. Die Sprungbude in Filderstadt ist mit 8000 Quadratmetern die größte Trampolinhalle der Welt.

 

Pandemie wirft Sprungbude um Jahre zurück

Hesse weiß, dass er nicht der Einzige ist, den die Coronapandemie in Nöte bringt. „Es trifft uns hart. Wir haben in der absoluten Hochsaison schließen müssen, November bis März sind unsere besten Monate, für jegliche Indoorhalle zählen diese fünf Monate und die sind wichtig für das ganze Jahr. Die sind natürlich schon weg“, sagt er. „Es ist klar, wie es dieses Jahr läuft: wir werden hinterher laufen. Es wirft uns um Jahre zurück. 2021 ist auch schon wieder ein halbes verlorenes Jahr, ganz zu schweigen von 2020.“

Im Video: Die Eröffnung der weltgrößten Trampolinhalle in Filderstadt:

Juni bis November 2020 geöffnet

Juni bis November 2020 war die Sprungbude geöffnet aber die Springerkapazitäten waren deutlich reduziert, die Kunden waren verunsichert. Aber Hesse bleibt auch in diesem erneuten Lockdown optimistisch. Er weiß zwar, dass wenn bald Lockerungen kommen sollten, seine insgesamt vier Betriebe sicher eher am Ende an die Reihe kommen. Dennoch: „Wir denken schon über die Wiedereröffnung nach und was kommen könnte“, sagt er. Wie das aussehen könnte, damit hatte der Betreiber schon im ersten Lockdown Erfahrungen gesammelt.

„Es war damals relativ lange unklar, welche Hygienekonzepte und welche Abstandsregeln gelten“, sagt Hesse. „Wir konnten zum Glück in den Hallen auf die Masken verzichten, das war der Knackpunkt: Wir konnten mir gutem Gefühl aufmachen, denn es soll ja auch noch Spaß machen.“ Das Hygienekonzept war an das der Gastronomie angelehnt: Auf allen Laufwegen herrschte Maskenpflicht, es wurde desinfiziert, es gab Plexiglasscheiben, die Mitarbeiter trugen immer Maske, zudem schaffte Hesse mobile Luftfiltergeräte an.

Stundenkapazität in Filderstadt bei 300 Springern

Hesse und seine Mitgesellschafter hatten in diesem Jahr eigentlich vor, ein wenig durchzuschnaufen. 2016 hatten sie die Halle in Bad Cannstatt eröffnet, vor drei Jahren die in Heidelberg, Ende 2018 den ersten Teil der Halle in Filderstadt. Der zweite Teil der Sprungbude in der ehemaligen Tennishalle in Filderstadt, wo der traditionsreiche Porsche Tennis Grand Prix zuerst ausgetragen wurde, wurde Ende 2019 eröffnet. „Das war besonders bitter“, erzählt Hesse. „Unsere Stundenkapazität stieg in Filderstadt auf 300 Springer, aber der Betrieb lief nur zwei Monate unter Volllast. Dann kam der Lockdown und das hat uns vor allem in Filderstadt extrem hart getroffen.“ Alles, was danach kam, sei ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Jeder Monat frisst uns Liquiditäten. Wir haben hohe Mieten, Darlehen laufen und Fixkosten“, sagt Hesse. „Wir haben als gute Unternehmer über schwierige Zeiten nachgedacht, aber so ein Horrorszenario mit einer Pandemie hatten wir selbst in unseren kühnsten Träumen nicht auf dem Schirm.“

Probleme mit der Versicherung

Zudem macht die Versicherung Probleme: Die Betriebsschließungsversicherung will nicht zahlen, das Ganze ist seit längerer Zeit vor Gericht. In erster Instanz haben Hesse und seine Mitgeschäftsführer vom Landgericht Recht bekommen. Das Verfahren ist schwebend. „Wir wollen diese drei Instanzen mitgehen, das werden wir hinbekommen, aber ich frage mich, wie es kleinen Betreiben geht. Die können der Versicherung nicht die Stirn bieten, um die tut es mir leid“, sagt Hesse. „Es ist bitter, einen möglichen rettenden Strohhalm so nah vor sich zu haben und dann wird man hängen gelassen.“