„So nicht!“, schimpfen Freie Wähler und geißeln den „mangelnden Respekt“ der Bahn vor ihrer Kundschaft, die interimsweise von der Bahn in den Bus umsteigen soll. Foto: dpa

Lokalpolitiker empören sich über die Pläne der Bahn, den Bahnhof Bernhausen für ein Jahr abzuhängen. Und sie bezweifeln, dass ein brauchbarer Ersatz für die Fahrgäste geschaffen wird. Manche meinen gar, die Kundschaft werde verschaukelt.

Filderstadt - Erklärtes Ziel der Bahn ist es, Sachlichkeit in die emotionale Diskussion um die geplante einjährige S-Bahn-Sperre zwischen Flughafen und Filderstadt zu bringen. Es ist allerdings fraglich, ob dies gelingen wird. Das zeigen jedenfalls harsche Reaktionen auf ein Interview, das unsere Zeitung Mitte dieser Woche mit Matthias Breidenstein, dem technischen Leiter des Flughafenabschnitts von Stuttgart 21, geführt hatte.

In dem Interview hatte Breidenstein dargelegt, warum es aus Sicht der Bahn und der anderen Projektpartner keine Alternative zur einjährigen Sperrung der Pendlerroute gebe. Der S-Bahnhof unter dem Flughafen soll ein drittes Gleis bekommen, dies sei nicht ohne Sperrungen möglich, wie nun vertiefende Planungen ergeben hätten. Aus Sicht der Bahn sei eine einjährige Sperrung für die Pendler besser als über dreieinhalb Jahre verteilte, temporäre Unterbrechungen. „Wir können das Schienenersatzverkehrssystem viel besser auf die Bedürfnisse abstimmen“, sagte Breidenstein.

Kein Respekt vor der Kundschaft?

Diese Argumentation heizt die Stimmung in Filderstadt offenbar nur weiter an. Inzwischen ist dort eine heftige Debatte entflammt. „So nicht! Freie Wähler sind entsetzt!“, verlautbarte die Fraktion im Online-Netzwerk „Filder-Pinnwand“ in plakativer Weise. Die Pressemitteilung der Freien Wähler klingt nicht weniger scharf. „Wie ernst nimmt die Deutsche Bahn die Tausenden von Kundinnen und Kunden, die derzeit die S-Bahn-Station in Filderstadt benutzen?“, fragen sie. „Die Worte aus dem Projektbüro lassen Schlimmstes befürchten.“ Die Freien Wähler stellen die These in den Raum, dass ein anderes, freilich teureres Verfahren, möglicherweise ohne Sperrungen auskäme. „Zu möglichen Alternativen verliert Herr Breidenstein kein Wort“, heißt es. Die Freien Wähler fordern „Respekt vor der Kundschaft“.

Ersatzbusse im Stau

Und auch die Reaktion der Filderstädter SPD lässt vermuten, dass die Diskussion am 18. Februar kontrovers werden dürfte. Ihre Kritik entzündet sich am Schienenersatzverkehr, den die Bahn während der Sperrung einrichten will. Zur Erinnerung: Laut Breidenstein kann der Ersatzverkehr erst dann ausgetüftelt werden, wenn das Baurecht vorliegt. Der Bahn-Mitarbeiter legte allerdings Wert darauf, dass Filderstadt nicht vom S-Bahn-Netz abgehängt werde, sondern über Busse – mutmaßlich zwischen Bernhausen und Echterdingen – sogar an die S 2 und S 3 angebunden wäre. Unklar blieb, wie die Busse auf den staugeplagten Fildern zu Stoßzeiten ihren Fahrplan einhalten können. Dass die Bahn darauf verweist, dass sie für verstopfte Straßen nichts könne, geißelt Walter Bauer, Fraktionschef der SPD-Filderstadt, als „geradezu zynisch“.

Eine Studie des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Stuttgart hatte laut Bahn belegt, dass Filderstadt und Flughafen trotz der einjährigen Sperre „vernünftig“ erreichbar seien. „Die Studie möchte ich sehen“, lässt Matthias Gastel, Grünen-Bundestagsabgeordneter, die Facebook-Gemeinde wissen. Er habe sie bereits angefordert.

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