Einige der Pappeln sind so stark vom Mistelbefall betroffen, dass ein Ausschneiden bereits zu spät kommen könnte. Foto: Otto-H. Häusser

Pappeln in Filderstadt-Bonlanden werden von den Schmarotzern befreit oder gefällt. Auch bei Apfelbäumen wird gehandelt.

Bonlanden - Von Montag an soll gehandelt werden. Dann fährt im Bombachtal die Firma Baum-Schweizer auf, um den Misteln auf den Pappeln dort den Garaus zu machen.

Der Obstexperte Walter Hartmann hat am Donnerstagabend mit einem Vortrag klargemacht, dass dringend gehandelt werden muss. Zusammen mit Eberhard Mayer von den Biotopkartierern habe er im Jahr 2011 sämtliche Obstbäume in Filderstadt kartiert. Im Felle – also in der Nachbarschaft der Pappeln – seien erst 15 Prozent der Bäume befallen gewesen. „Vier Jahre später waren es dreimal so viele“, sagte er.

„Streuobstwiesen zu wenig gepflegt“

Hartmann erklärte, dass die Zunahme des Mistelbefalls auch etwas damit zu tun habe, dass die Streuobstwiesen nicht mehr so gepflegt würden wie früher. In den 1950er- und 1960er-Jahren seien die Misteln noch beseitigt worden, sobald eine gesichtet wurde. „Und wenn einer nicht gehandelt hat, dann wurde er durch sanften Druck dazu gebracht“, sagte Hartmann. Inzwischen hätten die Streuobstwiesen ihre wirtschaftliche Bedeutung verloren. „Die Eigentümer sind heute zu alt und die Nachfolger sind weggezogen oder haben kein Interesse mehr.“

Die Streuobstwiesen würden verlottern. Es fehlten der Baumschnitt und die Düngung. Hinzu kämen der Klimawandel und die damit einhergehende Trockenheit. Und dann würden es die geschwächten Bäume auch noch mit den Misteln zu tun bekommen, die ihnen die Assimilate entzögen.

Verordnung soll Zutritt auf Wiese erlauben

Er habe schon mehrfach Landwirtschaftsminister Peter Hauk empfohlen, eine Verordnung zu erlassen, die es den Kommunen ermögliche, auf fremden Grundstücken die Misteln zu entfernen. So wie dies auch beim Feuerbrand geschehen sei. „Doch es passiert einfach nichts“, sagte Hartmann. Die Misteln müssten flächendeckend entfernt werden. Er suche Mitstreiter, die zusammen mit ihm im Gewann Felle aktiv werden. Von den rund 30 Zuhörern trugen sich drei in eine entsprechende Liste ein. Wer an der Aktion, die Ende November beginnt, teilnehmen möchte, kann sich unter Telefon 07 11/70 03-6 48 melden.

Hartman ging auch auf die Pappeln im Bombachtal ein. Seiner Meinung nach hilft es bei sechs bis sieben Bäumen nichts mehr, wenn man sie ausschneidet. „Man sollte sie in einer Höhe von acht bis zehn Meter absägen“, sagte er. Dann könnten die Bäume neu austreiben. Hinzu komme, dass man dadurch viel Geld sparen würde. Die Stadtverwaltung hält allerdings nicht viel davon, die Stämme stehen zu lassen. Es wird offenbar befürchtet, dass die neuen Triebe abbrechen könnten. Aus Verkehrssicherheitsgründen sollen deshalb zunächst Misteln entfernt und Bäume, die zu stark geschwächt sind, gefällt werden.

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