Im Rahmen des Sommerferienprogramms hat die Jugendfarm am Samstag ein Füttern und Futtern für Tier und Mensch angeboten. Für letztere gab es einen Brunch. Foto: Otto-H. Häusser

Nach dem Verkauf des Grundstücks weiß der Trägerverein nicht, wie es weitergehen soll. Der Pachtvertrag läuft noch zwei Jahre. Der neue Eigentümer und die Stadt verhandeln über die Zukunft.

Bonlanden - Die Nachricht hat die Verantwortlichen kalt erwischt. „Uns ist immer wieder von der Verwaltung und von Stadträten gesagt worden, wie wichtig die Jugendfarm sei“, berichtet Meike Holland, Mitglied im Vorstand des Jugendfarm-Trägervereins. Es sei zwar bekannt, dass die bisherigen Eigentümer des Geländes verkaufen wollen. Man habe jedoch gedacht, die Stadt werde neuer Eigentümer des ehemaligen Bauernhofes an der verlängerten Oberdorfstraße in Bonlanden werden.

Doch daraus wurde nichts. Wie aus zuverlässigen Kreisen zu erfahren war, soll ein Landwirt aus der näheren Umgebung neuer Eigentümer des Hofes samt der dazugehörigen Felder geworden sein. „Wir hätten das Gebäude gern gekauft, sind aber nicht zum Zug gekommen“, sagt Oberbürgermeister Christoph Traub auf Anfrage unserer Zeitung.

Landwirte im Vorteil

Offenbar stand das Agrarstruktur-Verbesserungs-Gesetz dem Kauf durch die Stadt entgegen. Demnach muss beim Verkauf einer Hofstelle ein Landwirt zum Zug kommen, falls sich noch andere Käufer bewerben. Damit soll nach Auskunft des Landwirtschaftsamts Nürtingen die nachteilige Agrarstruktur in Baden-Württemberg verbessert werden.

„Wenn wir gewusst hätten, dass es für die Stadt schwierig wird, das Gelände zu erwerben, hätten wir doch nach Alternativen suchen können“, meint Meike Holland vom Jugendfarm-Verein. Ihrer Meinung nach hätte man vielleicht mit einer Stiftung oder Genossenschaft etwas erreichen können.

Holland befürchtet, dass nun der Fortbestand der Jugendfarm gefährdet ist. Ihr Bleiberecht basiert auf einem Pachtvertrag zwischen den Alt-Eigentümern und der Stadt. Die Stadt wiederum überlässt dem Verein den Betrieb der Farm. Dieser hat dazu drei Mitarbeiter angestellt, die sich 2,5 Vollzeitstellen teilen. Bezahlt werden die Mitarbeiter, zu denen auch zwei Jugendliche gehören, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ableisten, von der Stadt. Im Übrigen helfen Vereinsmitglieder ehrenamtlich bei der anfallenden Arbeit auf dem kleinen Bauernhof und dem dazu gehörenden Abenteuerspielplatz. Auch viele Kinder und Jugendliche sind aktiv.

„Offene Jugendarbeit ist wichtig“

Der bestehende Pachtvertrag geht nun auf den neuen Eigentümer über. Er ist befristet und gilt noch zwei Jahre lang. In dieser Zeit dürfte der Betrieb der Jugendfarm gesichert sein. Offen ist jedoch, was danach passiert. „Da ist noch nichts entschieden“, heißt es kurz und knapp von Seiten des Käufers auf Anfrage unserer Zeitung. „Unser Ziel ist auf jeden Fall der Fortbestand der Jugendfarm“, erklärt dazu Oberbürgermeister Traub. Der neue Eigentümer sei auf die Stadt zugekommen. „Wir sind noch ganz am Beginn der Verhandlungen“, sagt der OB. Der Jugendfarm-Verein fürchtet, dass die mehr als dreißigjährige Arbeit in zwei Jahren ein jähes Ende finden könnte. „Wir bieten hier eine offene Jugendarbeit, die für Kinder und Jugendliche wichtig ist“, sagt Vorstandsmitglied Holland. Vergleichbares werde in Filderstadt nur noch vom Kinder- und Jugend- und Kulturzentrum „Z“ in Bernhausen angeboten. Außerdem leiste die Farm bei der Ganztagsbetreuung für die Schüler des Bildungszentrums Seefälle einen wichtigen Beitrag. Derzeit beteiligt sich die Farm am städtischen Sommerferienprogramm.

Der jetzige Standort der Jugendfarm war schon einmal – im Jahr 2009 – in Frage gestellt worden. Damals hatte die Stadt nach einer Alternative gesucht, weil ihr die Pacht zu hoch war. Als neuer Standort wurde der Hof der Familie von Stadträtin Irmgard Beck ins Auge gefasst. Die erforderlichen Umbauten, die von der Stadt getragen werden sollten, hätten allerdings rund eine halbe Million Euro gekostet. Deshalb wurde der Plan, umzusiedeln, wieder fallen gelassen.

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