Sie will es immer ganz genau wissen: Tamara Dietrich Foto: Caroline Holowiecki

Die 13-jährige Tamara Dietrich aus Bonlanden ist eines von 55 „Talenten im Land“. Ein Stipendium soll ihr ermöglichen, bis zum Abi ihren enormen Wissenshunger zu stillen.

Tamara Dietrich ist begeistert. „Riesengroße Kronleuchter, verzierte Wände, große hohe Fenster. Alles war riesengroß und imposant, so schmuckvoll“, erzählt sie aufgeregt. Es ist bereits ein paar Tage her, da war die 13-jährige Schülerin aus Bonlanden ins Neue Schloss in Stuttgart eingeladen, und bis heute ist sie hin und weg. „Man fühlt sich wie eine Prinzessin in diesen Filmen“, sagt sie. Tatsächlich war das Mädchen nicht nur als Gast im Schloss, es stand auch im Mittelpunkt. Tamara Dietrich gehört zu 55 jungen Menschen, die in diesem Jahr im Rahmen des Stipendienprogramms „Talent im Land“ ausgezeichnet und dafür von der Landeskultusministerin beglückwünscht wurden.

 

Bereits seit 2003 erhalten ausgesuchte Jugendliche durch „Talent im Land“ eine finanzielle Förderung, eine individuelle Beratung und zusätzliche Bildungsangebote. Getragen wird das in erster Linie von der Baden-Württemberg- und der Josef-Wund-Stiftung. Die diesjährigen 55 jungen Leute zwischen 13 und 21 Jahren wurden nicht zufällig ausgewählt. Sie alle zeichnen sich durch besondere Begabungen, großes Engagement und ihre vielseitigen Interessen aus. Wie ist das bei Tamara Dietrich? Die weiß gar nicht, wo sie anfangen soll zu erzählen. „Mich interessiert alles. Geschichte, Politik, Kunst, Religion“, sprudelt sie los. Ihre Mutter Tatjana Dietrich lächelt wissend. „Schon mit vier wollte sie sich im Museum furztrockene Sachen anschauen, ihr Papa musste ihr die Texte vorlesen. Das war Pflicht im Urlaub.“ Am meisten liegen der Achtklässlerin Technikthemen und Naturwissenschaften. „Ich will immer den Hintergrund wissen“, sagt der Teenager.

Lieber Kindervorlesungen als Tiktok, Instagram oder Snapchat

Tiktok, Instagram und Snapchat interessieren Tamara Dietrich nicht, wie sie sagt. Sie geht lieber zu Kindervorlesungen, zum Tag der Wissenschaft in Stuttgart oder liest Sachbücher. Und ja, sie lernt gern und hat Spaß am Unterricht. Das bringt der Gymnasiastin sehr gute Noten ein, macht sie aber auch zur Außenseiterin, wie ihre Mutter sagt. „Deswegen genießt sie das unheimlich, da merkt sie, dass sie willkommen ist“, sagt Mama Tatjana Dietrich über die Spezialprogramme, an denen ihre Tochter mittlerweile teilnimmt. Einmal wöchentlich geht es etwa nach Herrenberg, wo Tamara im Jugendforschungszentrum Aerospacelab mit Gleichgesinnten bei „Girls Robotics“ programmiert.

„Talent im Land“ richtet sich an Jugendliche, die auf ihrem Bildungsweg Herausforderungen zu meistern haben. Von den diesjährigen Ausgezeichneten haben die allermeisten einen Migrationshintergrund, so wie auch Tamara Dietrich, deren Mutter aus Kroatien kommt. Es geht explizit um junge Leute aus Nichtakademikerfamilien oder deren Eltern nicht die finanziellen Mittel haben, um ihren Kindern alles zu ermöglichen. Auch sie sollen faire Bildungschancen haben. Mehr als 850 Alumni sind aus dem Programm bereits hervorgegangen. Sie bilden ein Netzwerk, von dem die neuen Stipendiaten ebenfalls profitieren. „Die kann man alle anschreiben“, sagt Tamaras Mutter.

Bis zu Tamaras Abi erhält die Bonländer Familie eine monatliche Förderung. Das Geld soll für alles, was mit Bildung zu tun hat, ausgegeben werden: für Schulmaterial, Eintrittsgelder oder elektronische Hilfsmittel. Tamara Dietrich weiß schon, was sie kaufen möchte. „Bücher, auf jeden Fall Bücher!“, sagt sie. Was sie mal werden will, weiß sie noch nicht. Eines steht für sie aber fest: „Ich möchte meinen Kindern und den Generationen danach eine gute Welt hinterlassen.“