Filderstadt wird mindestens bis Ende 2022 Endstation bleiben. Foto: Jacqueline Fritsch

Die Planung für die Strecke nach Neuhausen verzögert sich. Frühestens Ende 2022 fährt der erste Zug. Hinzu kommt, dass Filderstadt wegen Stuttgart 21 im Jahr 2022 sowieso vom S-Bahn-Verkehr abgehängt werden soll.

Filderstadt - Die Filderstädter Bürger müssen in diesen Tagen gleich zwei Hiobsbotschaften zur S-Bahn verkraften. Wegen des dritten Gleises, das im Zuge von Stuttgart 21 an der Flughafenstation gebaut wird, fahren die Züge vermutlich 2022 ein Jahr lang nicht nach Filderstadt. Die Betroffenen müssen auf Busse umsteigen. Hinzu kommt, dass sich die Eröffnung der Neubaustrecke nach Neuhausen um mindestens ein Jahr verschieben wird.

In Filderstadt hatte man darauf gesetzt, dass der Baubeginn für die Neubaustrecke der S-Bahn zwischen Bernhausen und Neuhausen noch im Jahr 2018 stattfindet. Doch daraus wurde nichts. Der Planfeststellungsbeschluss dürfte sich voraussichtlich um ein Jahr verschieben. Die neue S-Bahn wird deshalb – mit sehr viel Optimismus betrachtet – frühestens Ende des Jahres 2022 ihre Jungfernfahrt bestreiten.

Längere Planungsphase

Den Grund dafür sieht der Chefplaner der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), Volker Christiani, in der Verlängerung der Planungsphase. „Es hat bei der Auslegung viele Einwendungen gegeben.“ Dabei sei es vor allem um die Lärmbelastung durch die Bahn gegangen. Es habe aber auch Einsprüche gegeben, die dazu geführt hätten, dass beispielsweise Regenrückhaltebecken oder Leitungen verlegt werden müssen. „Da musste dann die Planung noch mal verändert werden“, sagt Christiani.

Große Veränderungen werde es aber aus seiner Sicht nicht geben. Der von Anwohnern der Alemannenstraße in Sielmingen geforderte Deckel auf dem dort geplanten Trog sei zu teuer. Solche Änderungen würden das Projekt unwirtschaftlich machen. Die Planung der Neubaustrecke sei sehr komplex. „Hier geht die Gründlichkeit der Schnelligkeit vor“, sagt Christiani. Wann mit einem Baubeginn zu rechnen ist, wagt er nicht zu prognostizieren. Die Bauzeit betrage jedenfalls drei bis vier Jahre. Christiani hofft, dass der Erörterungstermin zur Planfeststellung im Frühjahr 2019 stattfinden kann. Der Planfeststellungsbeschluss wäre dann frühestens im kommenden Herbst zu erwarten.

Der Oberbürgermeister von Filderstadt, Christoph Traub, zeigt sich über die einjährige Verspätung nicht erfreut. Er hofft, dass die Erörterung nun endlich stattfindet. „Die Verzögerungen beim Projekt verschieben auch alle Anschlussplanungen“, sagt er. Angefangen beim S-Bahnhalt in Sielmingen, über eine mögliche Verlängerung der Karlstraße bis hin zur Umsetzung des Mobilitätsplans der Stadt. Für Traub steht allerdings fest, dass ein solch wichtiges Projekt auf jeden Fall gründlich geplant werden muss.

Nutzen-Kosten-Faktor gefährdet?

Ob es dem Nutzen-Kosten-Faktor des Projekts geschadet hat, dass Filderstadt entlang der S-Bahnstrecke weniger Wohnhäuser und Firmen ansiedeln will als ursprünglich geplant, will der OB nicht beurteilen. Gleichwohl hatte er im Gemeinderat bei der Abstimmung über den Entwurf des Flächennutzungsplans davor gewarnt, eine 13 Hektar große Mischgebietsfläche nördlich der Firma Gemalto in Sielmingen zu streichen.

Der Verkehrsdirektor der Region, Jürgen Wurmthaler, sieht durch den Wegfall einer einzelnen Entwicklungsfläche das Projekt der S-Bahn-Verlängerung nicht gefährdet. „Filderstadt und Neuhausen sollten jedoch ihre Planungen entlang der Neubaustrecke im Wesentlichen aufrechterhalten“, sagt er. Grundsätzlich rechnet Wurmthaler mit genügend Fahrgästen für die neue S 2. Schließlich hätten sich die beiden Kommunen schon in den vergangenen Jahren stark entwickelt. In Filderstadt stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von fünf Jahren um knapp 1500 Menschen auf rund 46 000 Einwohner Mitte 2018.

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