Von der OB selbst als größter Erfolg bezeichnet: Die Ansiedlung der Boss-Logistik. Foto: Sascha Schmierer

Die bisherige Oberbürgermeisterin von Filderstadt, Gabriele Dönig-Poppensieker, will ohne einen offiziellen Festakt aus ihrem Amt scheiden. Ein interner Sprechtag im kleinen Kreis muss an diesem Donnerstag fürs Lebewohl reichen.

Filderstadt - Nein, eine offizielle Verabschiedung mit salbungsvollen Reden, Sektempfang und Blumenstrauß wollte Gabriele Dönig-Poppensieker nicht über sich ergehen lassen. Zu tief sitzt bei der scheidenden Rathauschefin offenbar die Enttäuschung, bei der OB-Wahl im Juli vom Bürger verschmäht worden zu sein. Bereits im ersten Wahlgang sicherte sich ihr Herausforderer Christoph Traub (44, CDU) mit 51 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Die Amtsinhaberin landete abgeschlagen bei 32,9 Prozent – und muss den Chefsessel im Rathaus nach nur acht Jahren schon wieder räumen.

Nach dem Urnengang war in Filderstadt wahlweise von einem „persönlichen Tiefschlag“ für die 56-Jährige die Rede. Während erklärte Gegner eine „Quittung für die erste Amtszeit“ sahen, sprach SPD-Stadtverbandschef Björn Schütz von „einem Ergebnis, dass die OB nicht verdient hat“.

Das enttäuschende Wahlergebnis scheint nachzuwirken

Auch bei Gabriele Dönig-Poppensieker selbst scheint das bittere Resultat auch zwei Monate nach der Wahl noch deutlich nachzuwirken. Einen Festakt zum Ende ihrer Amtszeit, ursprünglich für den 21. September geplant, hat sich die abgestrafte Rathauschefin ausdrücklich verbeten. Die 1959 in Bochum geborene und in Dortmund aufgewachsene Politikerin, durch ihren Mut zu modischer Kopfbedeckung durchaus respektvoll als „Dame mit Hut“ bekannt, verabschiedet sich lieber leise – und lässt ihre Zeit mit einer Art internem Sprechtag ausklingen.

Konkret hat Gabriele Dönig-Poppen-sieker die Mitarbeiter im Rathaus sowie die 32 Filderstädter Gemeinderäte informiert, dass ihre Bürotür am heutigen Donnerstag von 10 bis 16 Uhr für eine persönliche Verabschiedung offen steht. Wer der offiziell noch bis zum 2. Oktober amtierenden Oberbürgermeisterin ein Lebewohl sagen will, darf kommen, sofern er sich zu Belegschaft oder Stadtpolitik zählt. An die Bürgerschaft, die Vereinsfunktionäre oder gar die Vertreter der örtlichen Wirtschaft ist bei der Abschiedsrunde mit Augenkontakt offensichtlich nicht gedacht.

„Eine offizielle Verabschiedung ist nicht gewünscht"

Eine Bekanntmachung des Termins durch die Stadtverwaltung blieb jedenfalls bewusst aus. „Eine offizielle Verabschiedung ist nicht gewünscht“, bestätigt Anna Lakke, die persönliche Referentin. Der interne Sprechtag in der Ferienzeit bedeutet freilich nicht unbedingt, dass die OB auf Abruf an diesem Donnerstag auch ihren letzten Arbeitstag im Rathaus hat. Die beruflich mit einer Ausbildung zur Bürogehilfin gestartete Verwaltungsfrau, übers am Abendgymnasium nachgeholte Abitur zum Ingenieurstudium gelangt, nimmt ihren Resturlaub. Am 5. Oktober wird Nachfolger Christoph Traub auf sein neues Amt verpflichtet.

Ob Gabriele Dönig-Poppensieker der feierlichen Einsetzung beiwohnen wird, scheint aber eher zweifelhaft. Denn schon in den vergangenen Wochen wurde klar, dass sich die Rathauschefin nach ihrer Abwahl zunehmend rar macht. Ende Juli blieb sie ihrer letzten Gemeinderatssitzung fern, die Wohnung in Plattenhardt ist dem Vernehmen nach gekündigt. Und trotz der in der Sommerzeit naturgemäß spärlichen Terminlage ließ sich „GDP“ selten blicken.

Schon in den vergangenen Wochen machte die OB sich rar

An der symbolischen Übergabe der von örtlichen Banken gespendeten Sitzbänke – eine von der Rathauschefin zum Stadtjubiläum selbst eingefädelte Initiative – nahm das Stadtoberhaupt noch teil, den für die Stadt so wichtigen Spatenstich zur Erschließung des Filder-Airport-Areals oder die Mentoren-Ausbildung beim Verein Integra überließ sie Baubürgermeister Reinhard Molt. Auch beim Kirchplatzfest in Sielmingen wird Finanzbürgermeister Andreas Koch am Samstag zum Hammer greifen – und nicht die „Frau mit Hut“.

In Erinnerung bleiben wird Gabriele Dönig-Poppensieker dennoch in Filderstadt – sei es durch die von ihr selbst als größten Erfolg bezeichnete Ansiedlung des Boss-Logistikzentrums oder durch den vor Jahren auch überregional für Aufsehen sorgenden Appell, auf einen Fassanstich beim Straßenfest zu verzichten, um dem Alkoholmissbrauch nicht Vorschub zu leisten. Vielleicht taucht deshalb zum Abschied doch jemand mit einem Blumenstrauß im OB-Büro auf. Verdient hätte sich die scheidende Rathauschefin diese Geste allemal – auch wenn in Filderstadt längst nicht alle mit ihr warm geworden sind.

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