In allen Filderstädter Stadtteilen gibt es Bürgerbüros. Foto: imago/Sascha Steinach

Nur an einem Tag in der Woche können die Bürgerbüros in Filderstadt ohne Termin aufgesucht werden. Das ärgert manche – und es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt. Was sagt die Stadt dazu?

Wer seinen Ausweis verlängern muss oder einen Reisepass beantragen will, ist ebenso darauf angewiesen wie Neuzugezogene: Die Bürgerämter in Filderstadt sind die zentrale Anlaufstelle für eine Vielzahl von Dienstleistungen. Doch in den letzten Tagen und Wochen hätten sich immer wieder Einwohner der Fildergemeinde über den Service beschwert. So berichtet es jedenfalls Stefan Hermann, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler in Filderstadt, der sich deshalb an die Stadt gewandt hat.

 

Seine Fraktion begrüße zwar die Möglichkeit, dass Termine digital gebucht werden können. „Doch sind die Zeitfenster, in denen Bürgerinnen und Bürger ohne digitale Voranmeldung kommen können, vielen zu eingeschränkt“, so die Kritik. Hinzu komme, dass Bürger, „die in Zeitfenstern digitaler Buchungen ihr Anliegen vortragen wollten, offensichtlich abgewiesen wurden, obwohl kein Termin vergeben war“.

Termine bis 24 Uhr am Vortag buchbar

Die Stadt Filderstadt kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Termine könnten in der Regel am nächsten, spätestens aber innerhalb von drei Werktagen gebucht werden, heißt es seitens des Filderstädter Ordnungsamts auf Nachfrage unserer Redaktion. Bis 24 Uhr könne noch ein Zeitslot für den nächsten Werktag ergattert werden. Erfahrungen zeigten, dass ein termingebundenes Angebot eine ganze Reihe von Vorteilen bringe: Bessere Planung und Auslastung des Personals vor Ort, kürzere Wartezeiten für Kunden und Hinweise und Abfragen zu notwendigen Unterlagen direkt bei der Buchung eines Termins, um zu vermeiden, dass ein zweiter Besuch nötig wird.

Zusätzlich bestehe seit Juli 2022 die Möglichkeit, donnerstags ohne Termin vorzusprechen – und zwar acht Stunden lang in Bernhausen, Bonlanden, Harthausen, Plattenhardt und Sielmingen.

Nur zwei von fünf Beschäftigten im Kundenverkehr

Den Vorwurf, dass Einwohner abgewiesen worden seien, obwohl eigentlich Zeit für deren Anliegen gewesen wäre, kann Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing nicht ganz nachvollziehen. „Ich kann das nicht verifizieren“, sagt er und gibt zu bedenken, dass etwa in Bernhausen nur zwei der fünf Beschäftigten im Kundenverkehr arbeiteten. „Man muss sich in Bürgerämtern zum Beispiel auch mit Wahlunterlagen, Fundsachen und Abrechnungen beschäftigen.“ Was er damit sagen will: Nur weil es von außen vielleicht so aussehe, als hätte ein Mitarbeiter freie Kapazitäten, weil er gerade keinen Kunden bedient, müsse das nicht der Fall sein. Auch andere Aufgaben ohne direkten Kundenkontakt müssten erledigt werden.

Aber geht nicht mit und ohne Termin parallel? – Das sei nicht ganz trivial, so Blessing. Dafür brauche es ein spezielles Aufrufsystem, das einen fünfstelligen Betrag koste. Und auch der Personalbedarf sei dann größer: Eine Person für Kunden mit Termin, eine für solche ohne, und eine, falls mal wer ausfällt, führt Blessing aus. „Und dann braucht man das alles für jeden Stadtteil, also fünfmal.“ Falls es einmal ein solches System geben sollte, dann wohl zunächst in Bernhausen. Der Ordnungsamtsleiter sieht aber keine Notwendigkeit, so schnell etwas am jetzigen System zu ändern – im Gegenteil. Die Rückmeldung der Kunden mit Terminvereinbarung seien „durchweg positiv“. Selbst an den Donnerstagen sei es – mit Ausnahme des ersten Tages – zu keinem größeren Andrang gekommen.