Auf dem Parkplatz an der Friedensstraße hinter der Stadtbibliothek entsteht das Schulungszentrum für die Tüv-Süd-Akademie. Foto: Archiv Thomas Krämer

Ein Parkplatz hinter der Stadtbibliothek in Filderstadt-Bernhausen wird zum Startpunkt einer modernen Ortsmitte: Dort entsteht eine Einrichtung der Tüv-Süd-Akademie mit öffentlichem Café.

Bernhausen - Kaum hat der Gemeinderat am Montag grünes Licht für den Bebauungsplan westlich der Stadtbibliothek erteilt, geht es im Herzen Bernhausens schon lebhaft zu. Am Montag, 25. September, beginnt der Investor Jochen Holzwarth auf dem Parkplatz an der Friedensstraße mit dem ersten Spatenstich für den Neubau des Seminarzentrums der Tüv-Süd-Akademie. In dem Gebäude gibt es für die Öffentlichkeit auch ein Café.

Langes Verfahren soll Investoren nicht erschrecken

Rund eineinhalb Jahre lang hat das Bebauungsplanverfahren seit 18. April 2016 gedauert – zu lang, wenn es nach dem Willen einiger Stadträte ginge. „Wir müssen künftig aufpassen, dass wir durch so lange Verfahrensdauern keine Investoren und Bauherren abschrecken“, befand Rudolf Lienemann (CDU/FDP). Die Fraktionsgemeinschaft unterstütze das Vorhaben, das auch in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit errege und das Stadtzentrum belebe. „Wenn im Bebauungsplanverfahren aus der Öffentlichkeit nur eine kritische Anmerkung kommt, könnte man davon ausgehen, dass die Akzeptanz groß ist“, sagte Lienemann.

Walter Bauer, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rathaus, brach eine Lanze für die Verwaltung. Schon in der Amtszeit des mittlerweile verstorbenen Ex-Oberbürgermeisters Peter Bümlein habe das Gremium nach einer städtebaulichen Lösung für das Areal hinter der Stadtbibliothek gesucht, sei aber zu keiner Lösung gekommen, weil die Grundstückseigentümer nicht mitmachen wollten. „Wir konnten deshalb auch jetzt keine Gesamtplanung machen, aus diesem Grund ist das Vorgehen in Einzelschritten akzeptabel.“ Seine Fraktion habe sich zwar mehr Einzelhandel im Quartier gewünscht, aber das Gesamtkonzept sei schlüssig. Die geplante Tiefgarage, sagte Bauer, leide unter einer einzigen Zu- und Ausfahrt, die durch eine Ampel geregelt werde: „Im Interesse der Gesamtsache ist eine Tiefgarage für alle. Deshalb muss man darauf achten, dass die bisherige für künftige Bauten erweiterbar ist und dann eine separate Ausfahrt bekommt.“

Der Gestaltungsbeirat hat an der Planung mitgewirkt

Armin Stickler (Grüne) lobte, „dass der Gestaltungsbeirat in die Planung einbezogen wurde. Das Ergebnis ist jetzt sehr gut. Mit der Fortbildung und der Gastronomie wird die Stadtmitte belebt.“

Das Problem Tiefgarage beschäftigte auch Matthias Weinmann (Freie Wähler). Er fürchtete einen Rückstau wegen der schleppenden Ein- und Ausfahrt wegen der Ampel. Gegen die Aufstockung des Schulungszentrums um ein Stockwerk sei angesichts der hohen Grundstückspreise nichts einzuwenden. Allerdings habe man in der Nachbarschaft Aufstockungen nicht genehmigt: „Man sollte im Zentrum alle gleich behandeln“, sagte Weinmann. Auch mit den vielen Fahrradstellplätzen könne er sich nicht anfreunden. „Schade, dass man die Nachbarn im Süden und Westen nicht dazu gebracht hat, bei der Gesamtplanung mitzumachen“, bedauerte sein Fraktionskollege Richard Briem.

Rückstau durch die Tiefgarage sei kein Problem

„Die Türe zu den anderen Grundstückseigentümern ist nicht zu. Wir glauben, dass das Projekt eine Initialzündung auslöst“, sagte Baubürgermeister Reinhard Molt. Angesichts der vielen Dinge, die zu bedenken gewesen seien, brauche man sich wegen der Länge des Verfahrens nicht zu verstecken: „Ich denke, dass der Investor dafür Verständnis hat, aber sicher hat er sich alles schneller gewünscht.“

Molt teilte die Bedenken Weinmanns wegen eventueller Rückstaus durch die Tiefgarage unter dem Schulungszentrum nicht: „Das funktioniert anders als in einem Einkaufszentrum. Ins Schulungszentrum fahren die Gäste morgens alle rein und abends alle raus“, sagte der Baubürgermeister. Die vielen Radabstellplätze, versicherte der Stadtplanungschef Matthias Schneiders, seien nicht für Gäste des Schulungszentrums reserviert, sondern ausschließlich für die Gastronomie.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: