Die Sielminger studierten zunächst die Pläne zum Räumlichen Leitbild Foto: Otto-H. Häusser

Im Norden von Filderstadt-Sielmingen sollen verstärkt Wohnhäuser gebaut werden. Dass diese nahe am Flughafen entstehen, scheint zweitrangig. Darüber wurde bei einer Bürgersammlung diskutiert.

Sielmingen - Die wichtigste Nachricht für die Sielminger Bürger dürfte am Donnerstagabend SPD-Regionalrat Willfried Nobel überbracht haben. Er erklärte bei der Aussprache zum Räumlichen Leitbild im Bürgerhaus Sonne, dass die Region empfehle, Aufsiedlungen vor allem bei S-Bahnhöfen vorzunehmen. „Die Häuser sollen beim Sielminger Bahnhof in einem Umkreis von 600 Metern gebaut werden“, sagte er. Diese Aussage fand der ehemalige Fraktionschef der Freien Wähler, Paul Schurr, sehr interessant. „Der Kreis, in dem gebaut wird, hat also einen Durchmesser von 1,2 Kilometer“, schloss er, warnte jedoch wie Nobel davor, wegen der Landwirtschaft den Radius im Norden ganz auszureizen. „Dort befinden sich die besten Böden von Filderstadt“, sagte Willfried Nobel.

Flughafenlärm verhinderte Bebauung

Paul Schurr hatte sich zuvor verwundert darüber gezeigt, dass die künftige Entwicklung von Sielmingen im Norden stattfinden soll. „Früher hieß es immer: Es gibt eine Lärmzigarre beim Flughafen, deshalb wird im Süden von Sielmingen gebaut“, sagte er und wollte wissen, wie jetzt die Meinungsänderung zustande komme. Professor Richard Reschl, der das Räumliche Leitbild für Filderstadt mitentwickelt hat, verwies in seiner Antwort auf die künftige Bedeutung des Öffentlichen Nahverkehrs. Um möglichst wenig zusätzlichen Individualverkehr zu erzeugen, müsse man künftige Wohnhäuser in der Nähe der geplanten S-Bahnstrecke bauen. „Der öffentliche Nahverkehr muss gestärkt werden. Wenn wir das nicht schaffen, bekommen wir ein Problem,“ sagte er. Durch den Siedlungsdruck, den es südlich von Stuttgart gebe, werde die Situation insgesamt angespannter. Zusätzlicher Baugrund für Wohnen und Gewerbe werde gebraucht. Schließlich gehe man im Extremfall davon aus, dass Filderstadt von derzeit 46 000 bis auf 50 000 Einwohner im Jahr 2030 wachsen könne. Um möglichst wenig Ackerflächen zu verbrauchen, sei deshalb die Innen- vor der Außenentwicklung voranzutreiben. Reschl wies auch darauf hin, dass es im Sinne der bereits in Filderstadt lebenden Menschen sei, dass die Lebensqualität nicht verschlechtert werde.

Diese Lebensqualität gibt es nach Meinung einer Zuhörerin in Sielmingen gar nicht mehr. „Hier fahren ganz viele Leute mit Reutlinger und Tübinger Kennzeichen durch“, sagte sie. Die Schulkinder würden durch sie gefährdet. Deshalb sei es das Mindeste, dass die Laichkreuzung sicherer gemacht werde. Mit Appellen komme man da nicht weiter. „Die Leute fahren bei Rot über die Ampel“, sagte sie. Deshalb seien Blitzer an den Ampeln erforderlich.

Mobilitätskonzept soll Probleme verringern

Oberbürgermeister Christoph Traub wies darauf hin, dass zur Verringerung der Verkehrsprobleme derzeit ein Mobilitätsentwicklungsplan erarbeitet werde. Im konkreten Fall könne er jedoch die Anregung mitnehmen, dass an der Laichkreuzung ein sogenanntes Vierfachrot viel helfen würde. Wenn alle vier Straßenarme der Kreuzung auf einmal Rot hätten, werde deren Querung für Fußgänger und Radfahrer erleichtert, hatte die Zuhörerin gesagt.

Ein anderer Sielminger wollte möglichst viel Bauplätze für zusätzliche Einwohner bereitstellen. Er räumte jedoch selbst ein, dass dies nicht einfach werde, weil sowohl Naturschutzverbände als auch die Landwirte etwas dagegen hätten.

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