Wer braucht Wasser, wenn er seine Nase in Blumen stecken kann, von oben zumal, und nicht von unten? Foto:  

Aus dem Gartenhallenbad Leinfelden sollte ein gigantischer Blumenkübel werden: Auf nicht ganz erst gemeinte Weise betrachtet unser Autor Götz Schultheiss in der Kolumne „Filderspitzen", was sich auf den Fildern mitunter Kurioses tut.

Leinfelden-Echterdingen - Das Leben lässt sich nur mit Humor ertragen. Deshalb ist es wichtig, dass auch der Humoristen gedacht wird. Am Dienstag, 14. Februar, gedenkt die Welt am Valentinstag des großen bayerischen Humoristen Karl Valentin (1882 – 1948). „Ich bin kein direkter Rüpel, aber die Brennnessel unter den Liebesblumen“, soll er gesagt haben. Ob Valentin sonst noch viel Sinn für Blumen hatte, ist nicht überliefert. Trotzdem hat sich eingebürgert, dass Männer ihren Holden an diesem Tag ein Sträußchen überreichen, meist aus Rosen als Liebesblumen und möglichst ohne die Brennnessel. Leider verwelkt der Strauß aber rasch. Wie gut, dass die Stadtverwaltungen, auch in Leinfelden-Echterdingen, Männern wie Frauen mit Blumenschmuck jeden Tag einen Valentinstag schenken.

Das Becken als Pflanzkübel nutzen

Allerdings ist der Aufwand, Blumenkübel aufzustellen und die Blütenpracht zu pflegen, sehr hoch (die Stadt L.-E. beschloss kürzlich, diese aus Kostenspargründen abzubauen). Mit Synergieeffekten lässt sich viel Geld sparen. Warum also nicht den Blumenschmuck an einem einzigen Ort konzentrieren, an dem man ihn in all seiner geballten Pracht bewundern kann? Der Schlüssel zur Lösung liegt in Leinfelden. Dort ist das Gartenhallenbad ein Kostenfass ohne Boden. Mittlerweile sind mehrere Sanierungsvarianten im Gespräch. Wegen der maroden Heizanlage entfällt schon der Warmbadetag. Von 20 Millionen Euro ist die Rede, will man den 50 Jahre alten Bau auf Vordermann bringen. Wozu der Aufwand? Runter mit dem Dach und das Becken als Pflanzkübel nutzen. Oder ein Glasdach draufbauen und das Ganze zum Wintergarten umbauen, mit Bananen, ökologisch korrektem Kaffee, Kakao oder so. Dann ist man in L.-E. der Fairtrade-Stadt Filderstadt voraus. Dort gibt’s allenfalls Direktsaft von der Streuobstwiese, aber weder Kakao noch Bananen und schon gar keine Kaffee-Bohnen, selbst nicht in Bohn-Landen.

Ein Leben, das einen urplötzlich mit Landschaft konfrontiert

Auch ein interkultureller Garten für die Kinder der benachbarten Ludwig-Uhland-Schule bietet sich im ehemaligen Gartenhallenbad an. Dort darf jedes Kind ein Pflänzlein aus dem Herkunftsland der Eltern pflanzen, der kleine Inuit ein Eisblümlein oder der Beduinen-Sproß als Sohn der Wüste eine Sandrose. Oder aber man macht einen Schulgarten mit europäischen Bäumen, Sträuchern und Blumen daraus, damit die lieben kleinen Bengel, die schon vor Schulbeginn beim Ego-Shooter in virtuellen Welten so viele Männer abgeknallt haben, dass das Blut aus dem PC trieft, endlich sehen, wie eine echte Pflanze aussieht, bevor sie nach dem Unterricht wieder im Computerspiel versinken. Ja, so ein Schulgarten schont auch die Nerven der Eltern. Die analoge Naturschau bereitet aufs Leben vor, in dem niemand davor gefeit ist, zwischen Büro und Feierabend unerwartet mit Landschaft konfrontiert zu werden. So schützt der Schulgarten im Gartenhallenbad auch die Eltern auf der Auto-Fahrt in den Urlaub zu den Teutonengrills in Rimini oder Bibione, wo sich selbst Schwangere so lange in der Sonne bräunen bis die Föten brutzeln, vor nervigen Fragen. Wenn nämlich die bildschirmgesättigten Kleinen beim Blick durchs Autofenster zwangsweise das Panorama mit Pinien und Zypressen vorbeihuschen sehen, fragen sie ansonsten bei jedem Baum oder bei jeder Kuh, die nicht lila ist: „Mama, ist das alles echt?“

Wer schwimmen kann, sollte es verlernen!

„Navigare necesse est – Seefahrt tut Not“, wussten schon die alten Römer. Von Schwimmen haben sie nichts gesagt. Vor die Frage gestellt, warum ausgerechnet so viele Matrosen nicht schwimmen können, entgegnete ein Kapitän dem Autor dieser Zeilen: „Warum sollen sie, sie schwimmen ja nicht nach Amerika, Afrika oder Asien, sondern fahren auf dem Schiff.“ Vielleicht rekrutieren Redereien ja bewusst Nichtschwimmer, denn diese haben ein echtes Interesse daran, dass der Pott, auf dem sie fahren, nicht absäuft. Wie dem auch sei – was hat das mit dem Leinfelder Gartenhallenbad zu tun? Man muss nicht mehr schwimmen lernen, wenn Schiffe fahren, also braucht man auch kein Gartenhallenbad. Dort können ins Becken, wo sie nach dem Gießen länger feucht halten, Blumen rein. Die Lebenden sehen sie dort von oben. Wer zufälligerweise trotzdem ertrinkt, weil er im Bad nicht schwimmen gelernt hat, der kommt auf den Friedhof. Dort sieht er auch bunte Blumen, aber von unten. Karl Valentin, dem man bald gedenkt, hat es auf den Punkt gebracht: „Jeder Mensch ohne Ausnahme soll also in der heutigen Zeit schwimmen lernen, das finde ich unbedingt notwendig, damit er einen nicht Schwimmenkönnenden jederzeit aus dem Wasser retten kann. Aber eigentlich ist es auch wieder zwecklos, denn wenn jeder Mensch einmal schwimmen kann, braucht man ja keinen mehr retten. Also wäre es angebracht, dass jeder, der schwimmen kann, dasselbe sofort wieder verlernen soll.“

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