Für das Filderkrautfest in Echterdingen war Thomas Stierle lange der wichtigste Mann. Bald bekommt er dafür eine besondere Auszeichnung.
Jeden Herbst lockt das Filderkrautfest 40 000 Menschen nach Leinfelden-Echterdingen. Der Kult um das grüne Gold der Filder zieht auch Thomas Stierle noch immer in seinen Bann. 13 Jahre lang war er Chef des Echterdinger Vereinsrings. Er koordinierte 38 Mitgliedsvereine und verantwortete Deutschlands größte Krauthocketse im Stadtteil Echterdingen – neben seinem Beruf als Versicherungsmakler.
„Am schönsten ist der Freitagabend“, sagt er. Das sei der Tag für die Einheimischen. Am diesen Abend treffe man die meisten Bekannten. Die Läden haben geöffnet, es spiele eine tolle Band. Am Sonntag ist er dann mit seiner Familie, zu der mittlerweile drei erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder gehören, auf dem Fest unterwegs.
„Ich bin ins kalte Wasser gesprungen. Das Filderkrautfest ist dann schnell zu einer Herzensangelegenheit geworden.“
Thomas Stierle über seine Anfänge als Organisator
„Tradition und Moderne kommen zusammen“, versucht Thomas Stierle das Besondere der Veranstaltung zu beschreiben. „Das Filderkraut hat für uns hier einfach eine große Bedeutung“, sagt er. Jeder Stand biete eine Kraut-Spezialität an. Darauf habe er bestanden, als er 2011 Vorsitzender des Echterdinger Vereinsrings geworden ist. Eigentlich brauche das Stadtmarketing keinerlei Werbung mehr für das Filderkrautfest zu machen, findet er. Denn dass das dritte Oktoberwochenende Krautfestwochenende ist, habe sich längst weit über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen.
Das Krautfest in Leinfelden-Echterdingen brachte das Ehrenamt ans Limit
Die Veranstaltung wurde über die Jahre immer größer: zwei Bühnen allein in Echterdingen; zig Sicherheitsmaßnahmen, die es einzuhalten gilt; enge Zusammenarbeit mit Polizei und Security... Der Aufgabenberg sei „ohne Ende nach oben geschnellt“, sagt Thomas Stierle. Und setzt nach: „Wir waren echt am Limit.“ Für das Ehrenamt sei das fast nicht mehr leistbar gewesen. 2018 sei dann „der Punkt gekommen, wo wir gesagt haben, wir müssen das Fest für die Zukunft ausrichten“. Die Krautfest-Unternehmergesellschaft wurde gegründet, der Echterdinger Vereinsring hat Dominique Weig als deren Geschäftsführer eingestellt.
Das Geld dafür kommt von der Stadt. „Ich bin zum Echterdinger Vereinsring gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde“, erinnert sich Thomas Stierle. Der Tuba- und Saxofon-Spieler ist im Stadtteil Stetten aufgewachsen, lebt aber mittlerweile seit 41 Jahren in Echterdingen. Zunächst war er beim Stettener Musikverein 14 Jahre lang im Vorstand. 2011 wurde er gefragt, ob er Chef des Vereinsrings werden wolle. Zu seinen Aufgaben gehörte fortan die Organisation des Krautfestes und des Bürgerfestes in Echterdingen, sowie das Aufstellen des Maibaumes. Eine Übergabe oder Einarbeitung habe es nicht gegeben. „Ich bin ins kalte Wasser gesprungen“, sagt er. Nach einem neuen Ausloten der Aufgaben „waren wir eine richtig gute Gruppe“, sagt Thomas Stierle. Und: „ Das Filderkrautfest ist dann schnell zu einer Herzensangelegenheit geworden.“
2024 hat er seine Aufgaben beim Vereinsring dennoch an Simon Kienzle abgegeben. „Irgendwann gehen dir die Ideen aus, man verfängt sich in den Wirren der Vergangenheit“, begründet er diesen Schritt. Obwohl er sich da geschworen hatte, kein neues Ehrenamt mehr zu übernehmen, ist er seit vergangenem Jahr der Vorsitzende des Vereins Tumaini. Der Verein kümmert sich um junge Menschen in Kenia. Er unterstützt deren Ausbildung, sodass sie sich im Anschluss selbst ernähren können. Für November plant die Organisation ein Benefiz-Konzert in der Echterdinger Zehntscheuer. „Ich wollte etwas zurückgeben, weil ich im Leben ganz viel Glück gehabt habe“, sagt der 65-Jährige. Er habe „eine wunderbare Frau, wunderbare Kinder, wunderbare Enkel und eine gut gehende Firma“.
Für sein Engagement wird Thomas Stierle beim Sommerempfang der Stadt die Bürgermedaille erhalten. 23 Menschen tragen derzeit diese Medaille. Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer hatte die Auszeichnung im vergangenem Jahr erhalten.