Zweimal im Monat können Eltern die Filderklinik (Symbolbild) kennenlernen. Foto: dpa

Viele werdenden Eltern suchen sich den Ort der Geburt nach Besuchen in verschiedenen Krankenhäusern aus. Auch die Filderklinik in Filderstadt bietet einen solchen Kennenlernabend an. Wir waren dabei.

Filderstadt - Der Kreißsaal der Filderklinik ist gestopft voll. Die werdenden Mütter und Väter drängen sich um das Entbindungsbett in der Mitte des Raumes, sie beäugen jedes Detail. Doktor Hauke Schütt, der leitende Arzt der Geburtshilfe, erklärt, wie der Tag der Geburt ablaufen könnte. Die zukünftigen Eltern sind aus allen Himmelsrichtungen in die anthroposophische Klinik gekommen. Sie alle verbindet die Frage: Werden sie ihre Kind hier zur Welt bringen?

Die Filderklinik lädt jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat zum Elterninformationsabend ein. Zur Veranstaltung am 20. Dezember, vier Tage vor Weihnachten, sind rund 60 Interessierte erschienen. Hauke Schütt, die die Hebamme Angela Reißink und Inge Heine, Eltern- und Stillberaterin, werden gleich aus ihrem Fachgebiet erzählen. „So wenig war lange nicht mehr los“, sagt Heine kurz vor dem Beginn. „Das liegt wohl daran, dass bald Weihnachten ist, alle sind am Päckchenpacken.“ Der Elternabend ist die größte Veranstaltung im Haus, beim letzten seien rund 250 Gäste gekommen.

Für viele ist es der Erstkontakt

Die meisten Besucherinnen schieben einen kugeligen Bauch vor sich her. Eine von ihnen ist Alina van Riesen. Sie ist im achten Monat schwanger und für den Infoabend mit ihrem Partner aus Vaihingen an der Enz angereist. „Mir gefällt die Ideologie hier, das Sanfte und Selbstbestimmte“, sagt sie. Im anthroposophischen Bild ist der Mensch eine Einheit aus Leib, Seele und Geist und wird entsprechend behandelt. Die gebärenden Frauen kämen aus einem Einzugsbereich von 50 Kilometern, sagt Schütt. Für die meisten sei es der Erstkontakt mit alternativen Behandlungsmethoden. Allein von anthroposophisch orientierten Frauen könne die Klinik nicht bestehen.

Sensationelle Drillingsgeburt

Den werdenden Eltern beschreibt Schütt die Filderklinik als „Haus, das sich Spezialitäten verschrieben hat“, von der sensationellen natürlichen Drillingsgeburt und von Kaiserschnittraten, die seiner Meinung nach auf den meisten Geburtsstationen zu hoch seien.

„Es ist ein hohes Gut, die Frau unverletzt durch die Geburt zu bringen “, sagt Schütt später im Gespräch. In der Filderklinik versuche man so wenig wie nötig einzugreifen. „Wenn die Frau sagt, es geht nicht mehr, bekommt sie aber auch hier einen Kaiserschnitt oder eine PDA“, erklärt der Arzt. Eine PDA lindert den Geburtsschmerz. Zusätzlich gebe es rhythmische Einreibung oder Öldispersionsbäder. Da die Geburtshilfe aber großteils Akutmedizin ist, sind die anthroposophischen Methoden auch in der Filderklinik nicht immer das Allheilmittel.

Die Hebamme Angela Reißink erzählt, wie der Normalfall abläuft. Sie schildert alles, von der Ankunft in der Klinik über den Umzug in den Entbindungsraum bis zur ersten Untersuchung des Neugeborenen. Besonders wichtig in der Filderklinik sei das sogenannte Bonding. Das heißt, dass Mutter und Kind 24 Stunden nach der Geburt fast immer beieinander sind.

Nicht alle Eltern wissen schon Bescheid

„Dass der Ablauf so genau geschildert wurde, fand ich besonders hilfreich“, sagt Stefan Seyfarth nach dem Vortrag. Er ist selbst in der Filderklinik geboren worden. Auf Empfehlung seiner Mutter ist er mit seiner Verlobten Nora Ehling aus Tübingen zum Elternabend gekommen. Für das Paar steht fest, dass ihr Kind hier auf die Welt kommen soll. Nicht alle Eltern wissen schon so genau Bescheid. Andere Kliniken bieten auch Informationsabende an, viele Paare orientieren sich erst einmal. „Das ist eben dieser Kreißsaaltourismus“, sagt Inge Heine. Doch die Erfahrung zeigt: Einige Gesichter sehen sie wieder.

Der Theorieteil ist rum, die Eltern in spe machen sich auf den Weg zur Geburtsstation. Beim Rundgang geht es zu wie bei einer Museumsführung. Alles wird genau begutachtet, zwischendurch Wissenswertes erzählt. Tine Janssen, die mit ihrem Mann aus Bad Boll zum Elternabend gekommen ist, ist vor allem die Gestaltung der Räume aufgefallen. „Es wird viel Fokus auf Details wie kleine Röschen gelegt.“

Alle Fragen sind gestellt. Für Schütt und seine Kollegen war der letzte Elternabend des Jahres ein eher ruhiger. Bei ihnen geht es am nächsten Morgen weiter. Dann tun sie, worüber sie am Vorabend gesprochen haben. An Weihnachten, Neujahr, wann auch immer. „Geburten finden dann statt, wenn sie stattfinden wollen“, sagt Schütt. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.leinfelden-echterdingen-die-drillinge-aus-der-kellerwohnung.3710fd53-40c1-4485-8aeb-88a0a790f43c.html https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.mehrlingsgeburt-in-der-filderklinik-bei-stuttgart-erneut-dreifacher-kindersegen-ohne-kaiserschnitt.d776841c-b12d-41e6-ab06-a6aa836d427b.html https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.filderstadt-hier-finden-chronisch-kranke-kinder-hilfe.195dae25-cfab-4903-9658-8417f5534b85.html

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