In der Filderhalle findet am Samstag der Auftakt zum Filderdialog statt. Foto: Malte Klein

Vier Tage vor dem Filderdialog zu Stuttgart 21 stehen noch nicht alle Teilnehmer namentlich fest. Was sich aber abzeichnet: Das Interesse der Bürger steigt mit der Nähe zur neuen Trasse von Rohr zum Flughafen.

Filder - Vier Tage vor dem Beginn des Filderdialogs in der Filderhalle in Leinfelden, bei dem über die Stuttgart-21-Streckenführung auf den Fildern diskutiert werden soll, stehen noch nicht alle Teilnehmer der Veranstaltung namentlich fest. Dass dies auf organisatorische Mängel im Behördenapparat zurückzuführen sei, weist das Staatsministerium allerdings von sich. Es gebe Organisationen, die ihre Teilnehmer für die Veranstaltung noch nicht benannt hätten, hieß es am Dienstag auf Nachfrage. Bis zum heutigen Mittwoch wolle man dieses Thema jedoch auch erledigt haben.

Der ursprüngliche Start des Filderdialogs war kurz vor Pfingsten abgesagt worden, nachdem deutlich zu wenig zufällig aus den Einwohnerregistern ausgewählte Bürger ihre Teilnahme zugesagt hatten. Nur fünf Personen aus dem gesamten Filderraum hatten die Einladung aus der Villa Reitzenstein angenommen. Für den Ersatz-Auftakt am kommenden Samstag ist die gewünschte Mindest-Teilnehmerzahl von 80 Freiwilligen erneut verfehlt worden. 74 Zusagen stapelten sich am Dienstag auf den Schreibtischen der Organisatoren. Die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler hatte die zweite Aussendung mit 4500 Adressaten in Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt, Ostfildern, Neuhausen und den drei Stuttgarter Stadtbezirken Vaihingen, Möhringen und Plieningen wesentlich breiter gestreut.

42 Zusagen aus L.-E.

Der Rücklauf zeigt deutlich, dass das Interesse der Bürger dort größer ist, wo es durch die Trassenführung von Stuttgart 21 von Rohr zum Flughafen eine direkte Betroffenheit gibt. Die zur Vorbereitung des Filderdialogs eingesetzte Spurgruppe hat deshalb am Montagabend bei den Zusagen aus Leinfelden-Echterdingen keinen scharfen Schnitt gemacht: 42 Bürger hatten sich für die Teilnahme angemeldet. Sie werden trotz des Limits von 40 für L.-E. zugelassen. Nachzügler könnten nun aber nicht mehr berücksichtigt werden, hieß es gestern kategorisch.

Ähnlich groß war der Andrang aus den drei Stadtbezirken der Landeshauptstadt, für die insgesamt 30 Plätze reserviert sind. Angemeldet haben sich dort 26 Personen. Wie sich die allerdings vom Wohnort her auf Vaihingen, Möhringen und Plieningen verteilen, konnte das Verkehrsministerium am Dienstag nicht herausfinden.

Ihr Soll an freiwilligen Teilnehmern haben Neuhausen (zwei) und Filderstadt (vier) erfüllt. Die Resonanz in der Großen Kreisstadt Ostfildern war hingegen nicht messbar: Keiner der zufällig ausgewählten Bürger wollte sich zum Filderdialog in der Nachbarstadt anmelden.

Nur zwei Offizielle aus Filderstadt

Die offizielle Delegation der Stadt Leinfelden-Echterdingen im Filderdialog ist 14 Personen stark. Zu ihr gehören Oberbürgermeister Roland Klenk und Vertreter des Gemeinderats. Dazu kommen noch einmal fünf Personen, die der Arbeitsgruppe Stuttgart 21 in L.-E. zuzurechnen sind. Überdies sind die Mitglieder der Spurgruppe zur Teilnahme berechtigt. Darin wirken aus L.-E. weitere fünf Personen, darunter der Erste Bürgermeister Frank Otte, mit.

Aus Filderstadt dürfen hingegen nur zwei Funktionsträger teilnehmen. Dies werden Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker und Bürgermeister Reinhard Molt sein. Der Gemeinderat hatte gefordert, dass zehn Bürger, fünf Fraktionsvertreter und drei Verwaltungsleute mitmachen dürfen. Dem wurde nicht stattgegeben. Damit ist unsicher, ob der führende Kopf in Sachen S 21 im Gemeinderat, der SPD-Fraktionschef Walter Bauer, auch dabei sein wird. Er sei vom Stuttgarter Baubürgermeister Matthias Hahn im Auftrag der Spurgruppe gefragt worden, ob er am 29. Juni an der zweiten Sitzung des Dialogs teilnehmen möchte, sagt Bauer. Man wolle ihm die Möglichkeit bieten, Fragen zu der von ihm ins Spiel gebrachten autobahnnahen Trasse zu beantworten. „Bisher habe ich aber noch keine Bestätigung der Einladung von Moderator Weitz“, sagt Bauer.

Die Fraktionen sind sauer

Die Filderstädter Fraktionen sind sauer, dass sie sich nicht offiziell in den Dialog einschalten dürfen. Sie wollen sich nun mit juristischen Mitteln für das Planfeststellungsverfahren wappnen. Eine Anwaltskanzlei soll rechtliche Schwächen der von der Bahn bevorzugten Mischverkehrslösung zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafen aufdecken. Letztlich will man gerüstet sein, falls das Eisenbahnbundesamt Pläne genehmigt, die für Filderstadt nachteilig wären. „Filderstadt will nicht blockieren“, heißt es in einem Antrag, der von allen Fraktionen unterstützt wird und bei der nächsten Gemeinderatssitzung beschlossen werden soll.

Es seien sinnvolle Planalternativen vorgelegt worden. „Wir werden von Stuttgart 21 massiv tangiert, wenn die Planungen falsch laufen“, sagte FW-Fraktionschef Rolf Kurfess am Montag im Technischen Ausschuss und fügte hinzu: „Der Filderdialog vergisst leider Filderstadt.“

Zeitplan: Themen des Filderdialogs am Samstag, 16. Juni, sind von 10 bis 17 Uhr in der Filder­halle, Bahnhofstraße 61, die Kriterien und Vorgegebenheiten der Trassenführung auf den Fildern und eine erste Vorstellung der Trassenvarianten. Angekündigt ist für 9.45 Uhr ein Schwabenstreich vor der Filderhalle. Um 16 Uhr soll am Veranstaltungsort eine Gegenkundgebung beginnen.