Seite 3Filderdialog "Der Filder-Dialog versetzt die Projektpartner in Unruhe, weil 160 Leute mitreden"

Von Michael Deufel 

Zum fairen Dialog gehört, dass auf Augenhöhe diskutiert wird. Wie soll das beim Filder-Dialog funktionieren, wenn Bahnexperten und Laien miteinander konfrontiert sind?
Eine scharfe Abgrenzung Profi/Laie vorzunehmen wäre falsch. In einem solchen Prozess ist es wichtig, den unbedarften, auch staunenden Blick von außen dabei zu haben. Wir machen bei solchen Veranstaltungen die Erfahrung, dass manche Dinge am Ende viel klarer gesehen werden als vorher. Unsere Demokratie ist keine Demokratie nur für die Schlauen. Durch wechselseitige Informationen kann Konsens entstehen.

Um Stuttgart 21 wurde und wird hart gestritten. Besteht denn bei den Beteiligten überhaupt eine Bereitschaft zum Konsens.
In Gesprächen haben das alle bejaht, wobei die Bandbreite reicht von „Ich lass mich drauf ein“ bis „Da kriegen wir was hin“.

80 Teilnehmer sollten zufällig ausgewählt werden, nach zwei Anläufen sind es jetzt 75. Waren Sie enttäuscht, dass auf die ersten 250 Anschreiben nur fünf geantwortet haben?
Nein, ich habe das zunächst zur Kenntnis ­genommen unter dem Aspekt, dass es eine Einladung war und jeder die Freiheit hat, diese Einladung auch auszuschlagen. Aus der Erfahrung früherer Bürgerbeteiligungen dachten wir, mit 250 Anschreiben kommen wir hin. Es gab 50 Rückmeldungen. Viele sagten, wir würden gerne, können aber wegen der Pfingstferien nicht oder an dem ein oder anderen Termin nicht. Wir wollten aber viele dabei haben, und das ist jetzt so.

Welche Bedeutung für den Fortgang des ­Projekts hat ein mögliches Ergebnis?
Der Filder-Dialog versetzt die Projektpartner in Unruhe, weil 160 Leute mitreden. Da ist es hinterher nicht leicht zu sagen, wir ­machen es trotzdem anders. Deshalb messe ich einem Ergebnis eine hohe Relevanz bei. Klar ist aber, dass diese Ergebnis nur eine Empfehlung ist.

Und die grundsätzliche Bedeutung?
Die Schlichtung unter Heiner Geißler hat den Filder-Dialog mit ermöglich. Stuttgart ist hier in Sachen Beteiligung vorne dran.

Sind Sie zum Erfolg verdammt, weil Bürgerbeteiligung eines der wichtigsten Themen der grün-roten Landesregierung ist?
Ich bin gerne erfolgreich. Klar, wir wären zufrieden, wenn das Verfahren konfliktentspannend wirkt. Das ist okay. Ich hätte nichts gegen einen exemplarischen Charakter des Filder-Dialogs in Verlauf und Ergebnis.

Alle bisher erschienenen Artikel und Interviews zum Filderdialog finden Sie auf unserer Themenseite.

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