Wolfgang Schimpf zeigt das Notstromaggregat des Behälters. Foto: Fatma Tetik

Wie sieht es eigentlich unter der Erdoberfläche von Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen aus? Was schlummert in der Tiefe und bleibt den Menschen für gewöhnlich verborgen? Eine Serie forscht nach. Heute: die unterirdischen Hochbehälter der Trinkwasserversorgung.

Filder - Wasser ist das wichtigste Lebensmittel der Menschen. Im Durchschnitt verbraucht jede Person pro Tag knapp 160 Liter Wasser. Das kühle Nass, das zu jeder Zeit wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn fließt, hat jedoch einen langen Weg hinter sich.

Zuständig für die Wasserversorgung in den westlichen Ortschaften des Landkreises Esslingen ist der 1904 gegründete Zweckverband Filderwasserversorgung mit Sitz in Neckartailfingen. Der Verband, der sich aufgrund des massiven Bevölkerungswachstums 1955 an den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung angeschlossen hat, unterhält ein knapp 80 Kilometer langes Verteilungsnetz. Das Wasser, das die Verbandsgemeinden erhalten, wird aus dem Neckar und aus dem Bodensee entnommen und in einem mehrstufigen Verfahren gereinigt, gefiltert und aufbereitet. Über Haupttransportleitungen vom Wasserwerk Neckartailfingen sowie von den Übergabestellen der Bodenseewasserversorgung gelangt das Wasser in Wasserspeicher. Von dort aus gelangt das Trinkwasser schließlich über kilometerlange Wasserrohre unterirdisch ins örtliche Leitungsnetz und fließt aus dem Wasserhahn.

Etwa 75 000 Badewannenfüllungen in einem Hochbehälter

Leinfelden-Echterdingen wird ausschließlich mit Bodenseewasser versorgt, genauso die Filderstädter Ortsteile Bernhausen, Bonlanden und Plattenhardt. Sielmingen und der nördliche, höher gelegene Teil von Harthausen erhalten entkalktes Filderwasser vom Wasserwerk in Neckartailfingen. Insgesamt betreibt die Filderwasserversorgung im Verteilungsgebiet 16 sogenannte Hochbehälter, davon fünf in Leinfelden-Echterdingen und vier in Filderstadt. Technisch gesehen handelt es sich um Erdbehälter, da sich die Wasserkammern in mehreren Metern Tiefe unter der Erdoberfläche befinden. Da die Behälter jedoch zumeist am höchsten Punkt der Gemarkung liegen, nennt man sie Hochbehälter. „Zusammengenommen haben die Behälter im Verbandsgebiet ein Speichervolumen von rund 46 000 Kubikmetern“, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer des Zweckverbands, Wolfgang Schimpf.

Der größte Hochbehälter mit einem Gesamtvolumen von 19 200 Kubikmetern befindet sich auf der Riesenschanze in Echterdingen, der kleinste in Stetten fasst 50 Kubikmeter. Im zweitgrößten Wasserbehälter Drei Linden in Harthausen können insgesamt 9000 Kubikmeter Trinkwasser, die sich auf zwei Kammern verteilen, gespeichert werden. Der Hochbehälter, der sich 434,6 Meter über Normalnull befindet, versorgt etwa 55 000 Einwohner in Sielmingen, Teilen von Harthausen als auch Neuhausen, Wolfschlugen, Aichtal, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Altdorf und Großbettlingen mit Trinkwasser. Bei Stromausfall ist die Wasserversorgung durch ein Notstromaggregat gesichert.

Die Behälter werden ständig überwacht

Die große Kammer bei den Drei Linden mit einem Fassungsvermögen von 6000 Kubikmetern ist 40 Meter lang, 30 Meter breit und fünf Meter tief. Die kleinere Kammer fasst zusätzlich 3000 Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen des Hochbehälters entspricht etwa 75 000 Badewannenfüllungen. Das sieben bis elf Grad kalte Wasser in den Kammern ist so rein, dass man es mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Der Zugang in den Hochbehälter ist mehrfach alarmgesichert und gleicht einem Hochsicherheitstrakt. „Schließlich handelt es sich bei Trinkwasser nicht nur um das strengste kontrollierte Lebensmittel, sondern auch um das wertvollste Gut“, erklärt Wolfgang Schimpf.

Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend werden die Behälter ständig überwacht und die Wasserqualität regelmäßig getestet. Einmal jährlich werden die Speicherkammern mit Hochdruckreinigern grundgereinigt. „Für die Reinigung der großen Kammer im Hochbehälter Drei Linden sind die Mitarbeiter einen ganzen Tag lang im Einsatz“, berichtet Schimpf, der seit 1989 beim Verband tätig ist. Damit die Verbraucher während der Reinigungsarbeiten weiterhin mit Wasser versorgt werden können, wird jeweils nur eine der beiden Kammern leergepumpt. „Die Arbeiten finden im Winter statt, weil wir im Sommer jeden Kubikmeter Wasser benötigen“, so der stellvertretende Geschäftsführer der Filderwasserversorgung.

Um das Trinkwasser auf seinem langen Weg bis zum Verbraucher vor einer Verkeimung zu schützen, wird als einziger Zusatzstoff Chlor für den Transport beigegeben. Der Chlorgehalt baut sich allerdings auf dem Transportweg weitgehend ab und ist beim Verbraucher nur noch in kleinsten, gesundheitlich unbedenklichen Restspuren oder überhaupt nicht mehr nachweisbar. Wolfgang Schimpf, der selbst in Echterdingen wohnt, betont: „Die Menschen in unserem Versorgungsgebiet erhalten zu jeder Tageszeit bestes Trinkwasser in hervorragender Qualität.“

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