Walter Hartmann hat Ideen, wie man Misteln loswerden kann. Die Pflanzen saugen den Bäumen den Lebenssaft aus den Ästen. Foto: Thomas Krämer

Misteln machen den hiesigen Obstbäumen immer mehr zu schaffen. Doch wie wird man die grünen Besen am besten los? Eine Idee ist, den Verkauf der Wildpflanzen zu erlauben.

Filder - Da ist nichts mehr zu machen. Walter Hartmann zeigt auf einen Baum, der auf einer Streuobstwiese im Norden Musbergs steht. Wenige Meter entfernt ragen die trockenen, abgestorbenen Äste eines weiteren Baums in den Himmel. Oder vielmehr die Überreste des Gehölzes. Denn Leben ist keines mehr in ihm. Und auch die Todesursache stirbt mit dem Baum: eine Mistel.

„Wie viele andere habe ich lange Jahre geglaubt, dass diese Pflanzen geschützt sind“, sagt der Obstbaumexperte Hartmann. Mitte der 1990er Jahre galt die Mistel immerhin als nahezu ausgestorben. Sie bohrt sich mit sogenannten Senkern in die Äste anderer Bäume und nimmt diesen nicht nur Wasser und Mineralien weg, sondern auch die Assimilate. 15 Jahre später habe er als Erster die Pflanzenart als zunehmende Bedrohung gerade von Obstbäumen erkannt. „Und wenn es so weitergeht, gibt es in 30 Jahren hier keine Streuobstwiesen mehr“, warnt er. Die Gefahr sei viel größer als damals beim Feuerbrand.

Misteln werden von Vögeln wie der Misteldrossel verbreitet, die die Beeren von einem Baum zum nächsten schleppt. Anfällig sind vor allem Apfelbäume. „Dadurch, dass die Winter immer milder werden, wachsen die Misteln nicht nur besser. Auch immer mehr Vögel bleiben bei uns“, schildert Hartmann einen der Gründe für die rasche Verbreitung des Baumschädlings.

Misteln müssen rechtzeitig weggeschnitten werden

Und noch etwas anderes führe dazu, dass die „grünen Besen“ in den Baumkronen immer häufiger zu sehen sind: weil Äste immer dünner sind – verursacht durch einen Mangel an Nährstoffen. Hartmann empfiehlt deshalb, den Trauf rund um die Bäume zu düngen. Natürlich spielt auch die fehlende Pflege der Streuobstwiesen eine große Rolle. Denn das rechtzeitige Wegschneiden ist das einzige Mittel, um der Mistel den Garaus zu machen. „Zuerst die Pflanzen, die Beeren haben, um die weitere Verbreitung zu verhindern.“ Dann könne man sich um die anderen Bäume kümmern. „Es nützt aber nur etwas, wenn man das ganze Gewann räumt“, rät Hartmann und spricht sich gegenüber den Stadträten der Kommune, die bei dem Streuobstwiesenumgang dabei waren, für eine entsprechende Verordnung aus. Misteln darf man außerdem bei uns nicht verkaufen, da sie Wildpflanzen sind. Die Gemeinde könne jedoch bei der Naturschutzbehörde einen Antrag stellen, dass das möglich werde. „Das könnte ein Anreiz sein, um die Mistel zu schneiden und damit zurückzudrängen “, sagt er. In Filderstadt habe er vor einigen Jahren zusammen mit den Biotopkartierern 25 000 Bäume erfasst. 800 davon hatten Misteln. Ein Stück der garantierten Fläche habe man vier Jahre später erneut genauer unter die Lupe genommen. „Dort hatten wir einen Befall von fast 50 Prozent“, beschreibt er diesen extremen Anstieg. Grund dafür sei eine Pappelallee, in der sich die Mistel bestens verbreitet hätten.

In Leinfelden-Echterdingen gibt es zurzeit auf einer Fläche von 156 Hektar Streuobstwiesen. „Musberg gilt als einer der Schwerpunkte der Mistel“, sagt Martin Frick vom Amt für Umwelt, Grünflächen und Tiefbau der Kommune. Die Stadt plant im späten Winter Kurse, wie man Misteln zurückschneidet und dadurch einer weiter Verbreitung Einhalt gebietet.

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