Seit Januar 2019 hat die Bahn einen anderen Bewirtschafter beauftragt. Foto: Judith A. Sägesser

Der Parküberwacher am S-Bahnhof in Leinfelden hat Anfang des Jahres gewechselt. Ein Bahnpendler, der dort regelmäßig seinen Wagen abstellt, sagt: Der Neue arbeite mit fiesen Methoden.

Leinfelden/Stuttgart-Vaihingen - Er sei gleich drauf reingefallen, sagt Alanus von Radecki. Dass im Januar der Bewirtschafter des Park-and-ride-Parkplatzes am S-Bahnhof in Leinfelden an der Bahnhofstraße gewechselt hat, habe er mitbekommen, weil schon bald ein Strafzettel hinter seinem Scheibenwischer geklemmt habe: 30 Euro. Seit rund vier Jahren stellt der Mann aus Steinenbronn mehrmals die Woche sein Auto dort ab, um dann mit der Bahn nach Vaihingen zu seinem Arbeitsplatz am Fraunhofer-Institut zu fahren. Bisher hat ihn das eine Tagespauschale von zwei Euro gekostet. Neuerdings kann er dafür nur noch vier Stunden parken, das Tagesticket kostet jetzt 2,20 Euro.

Diese Änderung „wird nur indirekt kommuniziert und fällt dem Vielparker erst einmal nicht auf“, schreibt Alanus von Radecki in einer Mail an die Stadt Leinfelden-Echterdingen, die auch unserer Zeitung vorliegt. „Wie rechtfertigt sich denn die Preisdifferenz von 20 Cent? Das ist meines Erachtens darauf ausgelegt, das Nutzer hereinfallen müssen.“ So wie er, als er den Strafzettel an seinem Auto vorfand. Weil er nicht gleich bezahlt, sondern auf offizielle Post gewartet habe, sei es für ihn sogar noch teurer geworden. Rund 25 Euro seien an Inkassogebühren dazugekommen; genau weiß er es nicht mehr, weil er die Unterlagen inzwischen entsorgt habe. Er sei übrigens bei Weitem nicht der Einzige, der in die Falle, wie er es nennt, getappt ist. Er habe immer wieder gesehen, dass Zettel hinter den Scheibenwischern anderer Parker steckten.

Alanus von Radecki sagt, er verstehe dieses Geschäftsgebaren nicht. „Die Kommunen geben sich Mühe, dass die Leute auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen“, sagt er. Und dann diese Vorgehensweise, die aus seiner Sicht nur aufs Geldverdienen ausgerichtet sei.

Die Deutsche Bahn habe eigene Tochter ausgewählt

Das Grundstück an der Bahnhofstraße, auf dem sich der Park-and-ride-Parkplatz befindet, gehört der Deutschen Bahn. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten wurde er von den Stadtwerken Leinfelden-Echterdingen bewirtschaftet. Dann kam im vergangenen Jahr die fristgerechte Kündigung, berichtet Peter Friedrich, der Leiter der Stadtwerke.

Neuer Vertragspartner ist die Contipark Parkgaragengesellschaft mbH. Das ist zum einen auf den Schildern – die auch auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen hinweisen – vor Ort zu lesen. Zum anderen wird dies von einer Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Wobei die Konstruktion der Zuständigkeiten für Laien kompliziert daherkommt: Die Bahn und Contipark haben laut der Sprecherin im Jahr 2006 die DB BahnPark GmbH gegründet – „um das Management eigener Parkeinrichtungen zu übernehmen“. Die BahnPark wiederum hat für den Standort Leinfelden Contipark als Bewirtschafter angeheuert. Wie dem auch sei – Beschwerden von Parkern habe es seit dem Wechsel für den Standort Leinfelden keine gegeben, sagt sie.

Die Stadtwerke würden es so nicht machen

Bei Stadtwerke-Chef Peter Friedrich kam indes Unmut an. „Allerdings überraschend wenig“, sagt er. Die Stadtwerke hätten sich Ende des vergangenen Jahres per Plakat von den Kunden verabschiedet. Eben um auf den Wechsel aufmerksam zu machen. Es sei schade, dass die Bahn den Bewirtschaftungsvertrag gekündigt habe. „Aber die Bahn kann mit der Fläche machen, was sie will“, sagt er. Es ist allerdings herauszuhören, dass er die Preisgestaltung und das Vorgehen des Nachfolgers mit Skepsis beobachtet. „Wir würden es so nicht machen“, sagt er. „Wir wollen ja Park-and-ride-Parken.“ Deshalb würden Willige eher unterstützt, als dass sie sich hinterher geschröpft fühlten. Entsprechend seien die Tagespreise.

Die Stadtwerke L.-E. betreiben noch drei solcher Pendlerparkplätze: in Oberaichen, in Leinfelden auf der Seite Max-Lang-Straße und in Echterdingen. In Oberaichen kostet das Tagesticket 1,50 Euro, in Leinfelden zwei Euro, einzig in Echterdingen seien die Preise für den Tag auf vier Euro erhöht worden, weil das Parkhaus überfüllt gewesen sei. Damit diese Stellflächen Tagespendlern zugute kommen und nicht Urlaubsparkern, ziehen die Preise in Leinfelden und Echterdingen ab Tag zwei an. Wer sein Auto also länger dort abstellt, zahlt ab dem zweiten Tag fünf bis sechs Euro – je nach Standort.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: