Ausgestopft sind sie nicht kamerascheu: Feldhase und Rebhühner. Foto: Götz Schultheiss

Mit der „Allianz für Niederwild“ sollen Rebhuhn und Feldhase geschützt werden. Der Startschuss des landesweiten Projekts ist auf den Fildern in Plattenhardt gefallen. Der Fuchs muss jetzt in Deckung gehen.

Filder - Wenn sich in Plattenhardt Fuchs und Hase gute Nacht sagen, dann bleibt von der Begegnung nur der satte Fuchs übrig. Das soll sich jetzt auf den ganzen Fildern ändern. In der „Allianz für Niederwild“ sollen Jäger, Landwirte, Grundbesitzer und Kommunen an einem Strang ziehen, um vor allem Rebhühner und Feldhasen zu erhalten. Vorrangig geht es dabei um den Erhalt von Hecken, die den beiden Tieren Schutz bieten und um die Regulierung des Fuchsbestands. Zu viele Füchse sind des Hasen Tod.

Die Ukrainer lernen von Filderstadt

Der Startschuss für die landesweite Allianz ist am Mittwoch mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), Jägern, Umweltschutzreferenten und Naturschützern in der Modellregion Mittlere und Westliche Filder am Scherlachweg in Plattenhardt gefallen. „Wir haben hier als Schutzraum die etwa 1,5 Kilometer lange Scherlachhecke, die sich vom Ortsrand Plattenhardt bis zur B 27 zieht“, sagte Filderstadts Baubürgermeister Reinhard Molt.

Außerdem gebe es in Filderstadt schon ein Rebhuhnschutzprojekt. Stolz verwies Molt darauf, dass er jüngst mit Vertretern einer Hochschule der ukrainischen Stadt Poltawa an der Scherlachhecke gewesen sei: „In Poltawa will man auch Rückzugsbereiche schaffen. Dort gibt es sie nicht mehr, denn es herrscht noch der Geist der Flurbereinigung.“ Das städtische Umweltreferat in Filderstadt weise die Ämter immer darauf hin, wo Landschaftspfleger sensibel vorgehen müssten.

Kein Hochsitz für Rotmilane und Sperber

„Unsere Hecken sind wesentlicher Bestandteil zum Schutz von Niederwild. Einen Teil von ihnen muss man zur Verjüngung zurückschneiden, einen anderen Teil stehen lassen“, sagte der Leiter der Hegegemeinschaft Filder, Wolfgang Hinderer. Dabei sei zu beachten, dass in den Hecken keine Bäume wachsen, die Rotmilanen und Sperbern quasi einen Hochsitz zur Jagd auf Rebhühner liefern.

„Den Fuchs müssen wir bejagen, aber so, dass sein Bestand erhalten bleibt“, sagte Hinderer. Wie die Zahl von Füchsen und Hasen zusammenhänge, sehe man an der Staupe-Epidemie vor drei Jahren. „Als die Füchse daran starben, ist die Zahl der Hasen gestiegen.“ Alljährliche Hasenzählungen der Wildforschungsstelle gebe es auf speziellen Zählflächen in Sielmingen und in Echterdingen. Ein potenzieller Feind sei der Waschbär, der sich immer mehr ausbreite. Auch in Plieningen wird auf Niederwild geachtet. Sechsmal im Jahr zählt dort ein Landschaftsökologe seltene Vogelarten, darunter die Rebhühner.

Ideal, sagt Hinderer, sei in der Allianz die Unterstützung durch den Landesjagdverband, die Umweltschutzverbände und der Biotopkartierer. Dennoch seien Projekte schwierig: „Man braucht Flächen, aber wegen der guten Böden kann man kaum etwas pachten.“ Hubert Rau, ein Jagdrevierpächter aus Aichtal, sagte: „Ich selbst stelle jetzt im Rahmen der Allianz eigenen Grund und Boden für Hecken zur Verfügung: „So kann ich als Vorbild und als Multiplikator wirken.“

Das Rebhuhn freut sich, Füchse und Waschbären verlieren ihre Pelze

Der Filderstädter Andreas Schweizer, Jäger und Stadtrat (Freie Wähler), hat mit einem Partner ein Jagdrevier in Sielmingen und Harthausen: „Wir haben dort Wildhecken, aber sie sind zu wenig für eine Deckung. Wir pflegen sie mit der Stadt.“ Auf das städtische Umweltreferat könne man sich verlassen. „Mit dem Fuchs gibt es immer Stress. Ich habe schon genug Rebhühner gesehen, aber man muss halt auf sie aufpassen. Deshalb ist das wichtigste Thema die Jagd auf den Fuchs“, sagte Schweizer. Die intensive Landwirtschaft schade den Beständen.

„Die Allianz für Niederwild ist keine Eintagsfliege, sondern ein Modell fürs ganze Land“, sagte Peter Hauk. Der Landesjägermeister Jörg Friedmann sagte: „Wir sehen die Allianz als letze Chance, umzusteuern.“ Durch die Jagd auf Fuchs und Waschbär erhalte der Verbraucher „ein Angebot an ökologisch bester Kleidung“.

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