Die Anbaufläche für das Filderkraut ist im Laufe der Jahre kleiner geworden. Foto: Malte Klein

Die Anbaufläche schrumpft immer mehr. Schuld daran ist nicht nur der Flächenfraß. Der Salat hat dem Feldgemüse zugesetzt. Doch die Verbraucher scheinen das Sauerkraut neu zu entdecken. Ein EU-Siegel unterstreicht die Qualität.

Filder - Die Ernteausfälle sind in diesem Jahr groß. Die Trockenheit und die Hitze haben auch dem Filderkraut zugesetzt. Die meisten Köpfe sind nur halb so groß wie sonst und wiegen deshalb nur drei bis vier Kilogramm.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sowieso immer weniger Kraut auf den Fildern gibt. Die Anbaufläche ist extrem kleiner geworden. Experten gehen davon aus, dass in den 1970er Jahren noch auf rund 600 Hektar Kraut angebaut wurde, inzwischen sollen es noch 200 Hektar sein.

Als Hauptgrund für den Rückgang wird der Flächenfraß ins Feld geführt. Die Flughafenerweiterung und der Messebau haben einen großen Anteil daran. Auch Helmut Kizele hat durch den Messebau Ackerland verloren. Um einen Hektar Kraut anzubauen, brauche man drei Hektar Land, rechnet der Echterdinger Bauer vor. „Wegen der Fruchtfolge kann nur alle drei Jahre Kraut angebaut werden“, sagt er. Ansonsten habe man zuviele Schädlinge auf dem Feld.

Lange Wachstumsphase

Immerhin acht Hektar hat der Junglandwirt mit Kraut bepflanzt. Auf einem davon ist seit April das Spitzkraut gewachsen. Für Kizele ist die relativ lange Wachstumsphase ein weiterer Grund, weshalb auf den Fildern weniger Kraut angepflanzt wird. „Wenn man stattdessen Salat setzt, kann man bis zu dreimal ernten.“ Der Verdienst für die Bauern sei höher, sagt Monika Klaus, die stellvertretende Leiterin des Landwirtschaftsamts Nürtingen.

Hinzu komme aber auch das Verbraucherverhalten. Viele Leute wüssten nicht mehr, was sie mit einem großen Krautkopf anstellen sollen. Die Nachfrage nach dem vitaminreichen Lebensmittel sei gesunken, weil es im Supermarkt Ananas und Orangen in Hülle und Fülle gebe, sagt Kizele und fügt hinzu:. „Im Zeichen des Klimaschutzes sollte man aber sein Einkaufsverhalten regionaler ausrichten.“

Sein Berufskollege Uwe Beck sagt, dass es für die Märkte außerdem einfacher sei, Rotkohl oder aber auch runden Weißkohl zu verkaufen. „Das Spitzkraut ist nicht so lange haltbar“, erklärt der Echterdinger Landwirt. Wegen seiner zarten Blätter könne es nicht lange gelagert werden. Beck setzt beim Verkauf seiner Haible auf die Direktvermarktung. „Die Leute können bei mir geschnittenes Kraut kaufen“, sagt er. Das könnten sie dann wie früher im Gärtopf einstampfen und mit Hilfe von Salz zu Sauerkraut werden lassen.

Alte Gebräuche wiederbeleben

Auch Helmut Kizele glaubt daran, dass die Verbraucher wieder verstärkt zu den alten Gebräuchen zurückfinden. Möglicherweise trage dazu auch das EU-Siegel bei, das Filderkraut zu einer regionalen Spezialität gekürt hat. Einen großen Teil seiner Krautköpfe verkauft Kizele direkt an die Verbraucher. Beispielsweise beim Krautfest, das vom 19. bis 21. Oktober stattfindet. Dort können die Festbesucher auch kleine Töpfe mit frischem Sauerkraut mitnehmen, das in der Fabrik der Firma Schumacher in Bernhausen hergestellt wird.

Für Walter Vohl, den Obmann der Stettener Landwirte, ist der Wegfall solcher Einschneidefabriken ein weiterer Grund, weshalb immer weniger Landwirte Kraut anbauen. Letztlich gebe es für die Bauern auf den Fildern nur noch die Firma Schlecht in Bernhausen und die Fabrik Kimmich im Aichtal, um das Kraut abliefern zu können.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: