Michael Nagl (Figaro, li.) mit Sarah-Jane Brandon (Gräfin, Mitte) und Esther Dierkes (Susanna) Foto: Martin Sigmund

In ihrer Neuinszenierung von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ an der Staatsoper Stuttgart deutet Christiane Pohle die Revolution des Bürgertums im Stück um in ein Verwirrspiel der Geschlechter und Identitäten. Daneben setzen das Bühnenbild von Natascha von Steiger und die von Roland Kluttig am Pult des Staatsorchesters straff geführte Musik starke Akzente.

Stuttgart - Hart fahren die lauten Akzente hinein in die rasanten Achtelläufe. Roland Kluttig, unter Lothar Zagrosek dereinst Kapellmeister des Staatsorchesters und heute designierter Chefdirigent der Grazer Oper, steht bei der Premiere von Mozarts „Figaro“ am Sonntagabend am Pult und heizt den Musikern mächtig ein. Mit bewundernswerter Präzision setzen diese schon bei der Ouvertüre um, was er einfordert, um die an vielen Fronten gefährdete Eheschließung des Barbiers Figaro mit seiner Susanna Musik werden zu lassen, und ihre pointierten Forte-Akkorde wirken wie Nägel, die in Spanplatten gehämmert werden. Man könnte sich also mitten in einem Prozess der Wohnungsmöblierung wähnen, bei dem nach der Shoppingtour im schwedischen Möbelhaus zum Zwecke der Endmontage Teil A und Teil B mithilfe von 10 mal Nagel 2 verbunden werden muss.

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