In den vergangenen Jahren war die Fiesta stets gut besucht. Foto: Peter D. Hartung

Die Fellbacher Fiesta International ist nach der Coronapandemie wieder vom 17. bis zum 19. Juni am Start. Die Freude darüber ist groß. Doch es sind nun weniger Vereine dabei – aus mehreren Gründen.

Wenn keine Pandemie dazwischen funkt, wird es immer am dritten Juniwochenende bunt, laut und lecker auf dem Guntram-Palm-Platz bei der Schwabenlandhalle in Fellbach, denn dann ist Fiestazeit. Was im Sommer 1976 begann, ist längst eine feste Größe im Kulturkalender der Stadt und der Region. Eingebettet in ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm laden hierbei Menschen mit Migrationshintergrund und Vereine zum Fest der Begegnung ein – ein Straßenfest der besonderen Art, das es in dieser Form nicht in vielen Kommunen gibt.

 

Auch deutsche Vereine können bei der Fiesta mitmachen

Auch deutsche Vereine, in denen Integration gelebt wird, können seit ein paar Jahren teilnehmen. Ziel sei es, auf unterhaltsame Weise Einblicke in Küche, Kultur und Brauchtum der verschiedenen Heimatländer zu ermöglichen, erklärt die Stadt. Die Fiesta biete die Möglichkeit, ungezwungen ins Gespräch zu kommen, neue Sitten oder auch nur Speisen kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und zu vertiefen.

Die brasilianisch-deutsche Interessengemeinschaft etwa ist nun das vierte Mal mit am Start – und sehr froh darüber. „Das ist ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit und ein tolles Fest. Es ist eine große Gemeinschaft und keinerlei Konkurrenz spürbar bei der Fiesta“, sagt Alexander Lay, Vorsitzender der Interessengemeinschaft. Die erste Fiesta International sei ganz schön aufwendig in der Vorbereitung gewesen. Mittlerweile seien er und die übrigen Vereinsmitglieder ein wenig routinierter, sagt der 56-jährige Oeffinger.

Dass er sich in der brasilianisch-deutschen Interessengemeinschaft engagiert, hat den Hintergrund, dass Alexander Lay eine brasilianische Frau hat. „Da habe ich natürlich den Bezug. Wir wollen die Kultur hier näher bringen und das Land mit seinen vielen Gesichtern vorstellen. Zudem unterstützen wir wichtige Projekte.“ Was wäre dazu besser geeignet, als ein Stand bei der Fiesta International, die endlich wieder stattfinden könne. „Zwei Jahre musste die Fiesta ausfallen“, bedauerte unlängst der Erste Bürgermeister der Stadt, Johannes Berner.

Eine brasilianische Frau ist der Grund für das Engagement

In diesem Jahr findet die Fiesta an den drei Tagen nach Fronleichnam statt, und bei der Stadt hofft man auf ein qualitätsvolles Ereignis – auch wenn es an der Quantität mangele. „Die Migrantenvereine sind von der Pandemie gebeutelt“, erläuterte Berner im Gemeinderat, die personellen Kapazitäten seien bei einigen beschränkt. Es fehle vielfach schlicht an den Helfern, die in der Festküche wirbeln oder sich hinter den Tresen stellen. Deshalb hätten sich nur zehn Vereine zur Teilnahme bereit erklärt.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Restrisiko bleibt beim Festlesreigen

Bei der letzten Fiesta im Jahr 2019 waren es noch 15 Vereine, die beispielsweise brasilianische Rhythmen, Trommelmusik aus dem Kongo, albanische Tänze und serbische Folklore präsentierten. Doch die Migrantenvereine haben, „um ihre Vereinstätigkeit aufrechtzuerhalten, vielfach ihre Geldreserven aufgebraucht“, sagt Berner. Sie mussten in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der Pandemie auf viele Einnahmen bei Veranstaltungen verzichten, „einige haben auch in erheblichem Umfang Mitglieder verloren“. Unter diesen Umständen hält es die Verwaltung für sinnvoll,die an der Fiesta teilnehmenden Vereine zu unterstützen. So soll ausnahmsweise die bisher praktizierte Umlegung der Betriebskosten auf die teilnehmenden Vereine entfallen. Berner versteht diese Lösung als Freiwilligkeitsleistung der Stadt und als „einen einmaligen Zuschuss“, der nur in diesem Jahr gilt.

Die Stadt unterstützt die Vereine – einmalig

Im Gemeinderat gab es große Unterstützung für den Vorschlag. Und auch wenn es die brasilianisch-deutsche Interessengemeinschaft – sie gibt auf ihrer Homepage das Jahr 2016 als Gründungsjahr an und ist seit 2018 ein eingetragener Verein – relativ gut durch die Coronazeit geschafft hat, sind alle froh über jede Art von Unterstützung. „Wir hatten auch unsere Schwierigkeiten, und es hat gedauert, das Vereinsleben wieder anzukurbeln. Aber uns kam zugute, dass wir vor der Pandemie gut gehaushaltet hatten“, erklärt Alexander Lay. Man habe aber auch aus zurückliegenden Fiestas einiges gelernt.

Damals zeigte sich nämlich, dass sich der große Aufwand, den die rund 40 Mitglieder trieben, um brasilianische Leckereien anbieten zu können, nicht rechnet. „Deshalb wird es bei uns kein Essen mehr geben. Stattdessen Caipirinha mit frischen Zutaten sowie andere Getränke“, sagt Lay. Er ist stolz darauf, dass in der multikulturellen Interessengemeinschaft auch andere Nationalitäten vertreten sind. „Es geht uns, wie bei der Fiesta auch, um das Interesse an anderen Kulturen. Wer das hat, ist willkommen.“

Menschen aus 125 Nationen leben in Fellbach

Nach dem Fellbacher Herbst sei die Fiesta International das zweite große Fellbacher Volksfest, stellte der kürzlich verstorbene Alt-OB Friedrich-Wilhelm Kiel einmal fest. Die erste Ausgabe der Multikulti-Hocketse im Juni 1976 war noch auf dem Vorplatz der Kelter der Fellbacher Weingärtner. Kiel erlebte sie in seinem ersten OB-Wahlkampf und war angetan von der Stimmung und vom gemeinsamen Feiern der Migranten und der Alt-Eingesessenen.

Die Fellbacher Stadtgesellschaft ist heute vielfältiger als Mitte der 1970er Jahre. Es leben Menschen aus 125 Nationen unter dem Kappelberg. Die Fiesta International als besonderes Fest der Kulturen ist aber unverändert ein deutliches Zeichen dafür, wie gut sich die verschiedenen Nationalitäten untereinander verstehen. Und wie gut die Nationalitäten auch mit den „alten Fellbachern“ harmonieren.

Volles Programm an drei Tagen

Die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull wird die 45. Fellbacher Fiesta International am Freitag, 17. Juni, um 18 Uhr eröffnen. Auf der Bühne schließen sich Programmbeiträge des Griechischen Kultur- und Elternvereins sowie der Brasilianisch-Deutschen Interessengemeinschaft an. Am Samstag startet der Festbetrieb um 13 Uhr, das Bühnenprogramm um 15 Uhr. Am Sonntag kann man sich ab 11 Uhr an Spezialitäten vom Grill oder aus dem Backofen laben und von 13.30 Uhr an das Bühnenprogramm mit Musik-, Tanz- und Sportvorführungen genießen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Fellbach trauert um Friedrich-Wilhelm Kiel