Die Rottweiler sind stolz auf ihre alte Stadt – und Neuem gegenüber manchmal skeptisch. Foto: Eduard Lousing

Vor den Bundestagswahlen sind unsere Reporter die A81 entlang durch Baden-Württemberg gefahren. Und haben die Menschen gefragt, was sie bewegt. Dieses Mal: Rottweil.

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Rottweil - Mit großen Projekten haben die Rottweiler große Erfahrung. Da ist der erst kürzlich fertiggestellte Turm von Thyssen- Krupp, um besonders schnelle Aufzüge zu testen. Zuerst sehr umstritten, hat der 246 Meter hohe Hüne inzwischen das Zeug, zu einem Wahrzeichen der Stadt zu werden. Bald soll eine Hängebrücke die Innenstadt mit dem markanten Bauwerk verbinden – noch so ein Projekt, das in der alten Reichsstadt realisiert wird. Doch wie passt dieses forsche Schreiten in Richtung Zukunft zu den auf Tradition bedachten Einwohnern?

Henry Rauner hat eine Erklärung: „Wir sind sehr konservativ, aber auch um Neues bemüht.“ Der Mann muss es wissen, seit vielen Jahren engagiert er sich in verschiedenen Vereinen ehrenamtlich für die Entwicklung der Stadt. Er ist auch einer der Initiatoren eines Bürgerforums, in dem die großen Projekte Rottweils offen und transparent diskutiert werden können. Dieser Weg habe sich in seiner knapp 24 000 Einwohner zählenden Stadt bei den Großprojekten bewährt. Natürlich könne man nicht alle Leute überzeugen, aber das Verständnis für umstrittene Dinge könne geweckt werden. Wichtig sei es, so die Erfahrung von Henry Rauner, dass alle Argumente gehört werden und die Menschen am Ende erkennen, dass Entscheidungen nicht über ihre Köpfe hinweg fallen. Dieser Satz ist auch als Kritik an der „großen Politik“ gemeint. Zu oft habe man das Gefühl, dass „die in Berlin“ doch machen würden, was sie für richtig halten.

Auch Maja Becht unterstreicht den Wert der Tradition für Rottweil. Stolz ist die frühere Stadtführerin auf die schönen Häuser in der Fußgängerzone, doch außer seiner schönen Architektur und seinem Stolz als Stauferstadt habe Rottweil leider nicht allzu viel zu bieten. Um Rottweil findet sich kein breiter Gürtel aus Industriebetrieben. Deshalb müsse Neues geschaffen werden, damit die Jungen nicht eines Tages abwandern müssten – weshalb auch Becht für den Bau des Turms und der Hängebrücke ist.

Und was hält sie von der Politik in Berlin? Das Urteil fällt ernüchternd aus: „Ach, die Politiker sind doch weit weg und interessieren sich nicht für die kleinen Leute.“

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