Valencianer lieben die Fallas. Wenn Böller wie Musik klingen, Frauen in kunstvollen Kostümen und haushohe Figuren die Straßen füllen, dann feiert die Stadt ihr jährliches Frühlingsfest am Josefstag.
Es kracht und knallt, Rauch steigt auf und hüllt den Platz Ayuntamiento in Nebel. Der Lärm ist ohrenbetäubend, trotzdem hält sich niemand die Ohren zu. „Für Valencianer klingt das wie Musik“, sagt Stadtführerin Laura Llopis, die sich das Spektakel nicht entgehen lässt.
Jedes Jahr im März sind Hunderttausende Valencianer außer Rand und Band. Es ist die Zeit der Fallas, ein Frühlingsfest, das die Stadt rund zwei Wochen in den Ausnahmezustand versetzt. Jeden Tag um 14 Uhr ist Zeit für die Mascletàs. Eine halbe Stunde lang fliegen unzählige Knall- und Feuerwerkskörper in die Luft und enden in einem lauten Finale. Frauen, die in eleganten Seidenkleidern und mit kunstvoll hochgestecktem Haar wie Prinzessinnen aussehen, tanzen über die Straße, eine Kapelle spielt valencianische Lieder dazu.
Der Rhythmus ist entscheidend, alles muss abgestimmt sein
„Das Geheimnis einer guten Mascletà liegt nicht einfach im Abfackeln von Schießpulver“, sagt der Pyrotechniker Pepe Peñarorroja. Der Rhythmus sei entscheidend, alles muss abgestimmt sein. Seit fünf Jahren ist er der Fachmann für die berühmte Knallerei. Schon sein Vater war dabei und die Böller produzieren sie in ihrer eigenen Fabrik, auch für die abendlichen Feuerwerke, die in der Altstadt und am Hafen fast täglich den Himmel leuchten lassen.
Überall riecht es nach Feuerwerk und den typischen süßen, in Fett ausgebackenen Krapfen. Monumentale Figuren stehen überall, auf Plätzen und in den bunt beleuchteten Straßen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, es wird gefeiert bis tief in die Nacht. Zurück geht das Frühlingsfest auf eine jahrhundertealte Tradition der Schreiner und Zimmerleute. Sie verbrannten früher am Ende der kalten Jahreszeit Holzgestelle für Lampen und Kerzen, die sie im Frühjahr nicht mehr brauchten. Mit der Zeit kamen Holzreste, Möbel und immer mehr Schaulustige dazu.
Die Handwerker fingen an, Strohpuppen, kleine Kunstwerke und große Figuren zu verbrennen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Fallas geboren. Die haushohen Monumente mit mehreren Figuren wurden erst aus Wachs, später aus Pappmaschee und heute aus Styropor gemacht. In den Werkstätten arbeiten unzählige Künstler monatelang an den Figuren. Sie nehmen mal satirisch die Politik auf die Schippe, mal stellen sie soziale Entwicklungen dar. In Valencia gibt es rund 400 Fallas-Vereine, für jeden Straßenblock einen, die das ganze Jahr über das Fest vorbereiten und Geld dafür eintreiben. „Die Fallas-Vereine sind wie eine zweite Familie, hier trifft man Freunde, hier kommen Jung und Alt zusammen“, sagt Laura und zeigt traditionelle Schneidereien, welche die Trachten anfertigen.
Die Stoffe erinnern an die jahrhundertealte Seidenproduktion in Valencia, deren Geschichte die alte Seidenbörse in der Altstadt erzählt. Alteingesessene Geschäfte und kleine Handwerksbetriebe haben sich auf bestickte Bordüren, Spitze und den Haarschmuck spezialisiert. Die großen Figuren werden aus anderen, kleineren Figuren, den sogenannten Ninots, zusammengesetzt. Bevor sie in den Straßen zu sehen sind, sind sie in einer Ausstellung in einem der futuristischen Bauwerke des Stararchitekten Santiago Calatrava zu bewundern.
Höhepunkt ist am 19. März, am Tag des heiligen Josefs
Hergestellt werden sie in riesigen Hallen am Rande der Stadt. Manolo Martin widmet sich in diesem Jahr dem Trend „Yoga“. „Ich bin Autodidakt, habe viel von meinem Vater gelernt“, sagt der 53-Jährige und greift zum Pinsel. Wie die anderen Falla-Künstler arbeitet er seit Monaten daran. Der Höhepunkt ist am 19. März, am Tag des heiligen Josefs, dem Schutzpatron der Schreiner und Zimmerleute. Dann werden nach und nach die Zündschnüre gezogen, alle Fallas-Monumente verbrannt und Valencia steht in Flammen. Nur die Figur, die von den Bewohnern als schönste ausgewählt wurde, bleibt erhalten und kommt ins Museum. „Die Fallas sind unsere Kultur und Tradition, es ist mehr als Party oder Karneval“, sagt Laura Llopis. Das Fest trage auch dazu bei, die valencianische Sprache, die Musik und die Handwerkskunst zu erhalten. Alles zusammen war für die Unesco Grund genug, die Fallas 2016 zum geschützten immateriellen Kulturerbe zu erklären
Info
Anreise
Eurowings bietet Direktflüge von Stuttgart nach Valencia, www.eurowings.com
Unterkunft
NH Hotel Collection Valencia Colon: Charmantes, zentral gelegenes Boutiquehotel mit vier Sternen, Doppelzimmer ab 180 Euro, www.nh-hotels.com. Petit Palace Plaza de la Reina: In einem Stadtpalast mitten in der Altstadt, zentral gelegen, drei Sterne, DZ ab 180 Euro, www.petitpalace.com.
Essen und Trinken
Die Spezialität der Stadt ist die Paella, der typische Reis dafür wächst in Albufera vor den Toren der Stadt. Eine gute Adresse für die echte Paella ist das Restaurant La Pepica an der Strandpromenade. Schon Ernest Hemingway hat hier gegessen. https://lapepica.com
Das Restaurant Casa Montaña im Viertel El Cabanal nahe der Küste ist eine Institution, eine wunderbare Bodega und eine der besten Adressen für gute Tapas, www.emilianobodega.com.
Allgemeine Informationen
Die Fallas finden in diesem Jahr noch bis zum 19. März statt. Tickets und Informationen unter: www.visitvalencia.com